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07-08/2026

Plötzlich Witwe: „Trauer und neue Liebe können koexistieren“

Plötzlich Witwe:
Foro: Shutterstock
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  • Veröffentlicht: 18.01.2026
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Was, wenn der Mensch, den man liebt, plötzlich stirbt? Wir haben mit vier Frauen über die große Liebe, Trauer und Gefühle in der Leere gesprochen. Xenias Ehemann hinterließ sie mit 40 Jahren mit einer eineinhalb Jahre alten Tochter.

„Unsere Tochter war gerade ein halbes Jahr alt, als er krank wurde. Sehe ich heute die Urlaubsfotos von diesem Jahr an, dann sehe ich, dass es ihm schon nicht gut ging. Aber damals ging es in der Zeit mit dem kleinen Kind einfach unter und danach bekamen wir keine Termine für Untersuchungen. Als er mit Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde, war es schon zu spät. Er machte noch drei Chemotherapien, hielt noch sieben Monate durch, doch dann starb er.

Es war im Frühling, als es warm wurde, alles zu blühen begann. Überall waren Menschen mit Babybäuchen, Urlaubsplänen, die das Leben wieder genießen wollten. Es fühlte sich an, als wolle mich das Wetter verhöhnen. Eineinhalb Jahre war ich im Überlebensmodus. Ich setzte eine Maske für meine Tochter auf, doch die bekam trotzdem mit, wie traurig ich war. Irgendwann sagte sie mir: Mama, sei nicht traurig, ich bin doch noch da.

„Ich war frisch verliebt und trotzdem fühlte es sich komisch an.“
Xenia

Plötzlich Witwe zu sein ändert alles. Ich war auf einmal alleinerziehend, aber zusätzlich hatte ich die Angst, dass mir etwas passieren könnte und unsere Tochter dann Waise wäre. Also machte ich manche Dinge, die ich gerne tat, nicht mehr. Fuhr nicht mehr Ski, erlebte keine Abenteuer. Mein Mann war 48, als er gestorben ist und wir waren beinahe 20 Jahre ein Paar, haben so viele Hobbys geteilt, so viel miteinander erlebt. Trotzdem habe ich mich nach seinem Tod anfangs nur daran erinnert, wie er am Ende war. Er war sportlich, hatte eine gute Work-Life-Balance, wollte mit unserer Tochter in Karenz gehen, hat gesund gelebt. Und dann war es vorbei, ich war allein, die Hoffnungen von unserem zweiten Kind starb mit ihm. Ich trauerte auch um diese Dinge, die nicht mehr sein konnte.

Die Entscheidung der ewigen Liebe

Nach eineinhalb Jahren merkte ich in der Trauergruppe, dass es bergauf ging. Denn wenn ich die Newcomer sah, dann merkte ich, dass ich an diesem Punkt nicht mehr war. Manche Freundschaften verlor ich in dieser Zeit, weil ich nicht okay war. Weil ich nicht sagen konnte, es ging mir gut. Und das wollten sie nicht hören. Wenn man jemanden heiratet, verspricht man, ihn für immer zu lieben. Das war anfangs tröstlich, dann aber auch manchmal eine Last, wenn ich überfordert oder wütend war. Aber es war meine Entscheidung, ihn weiterhin zu lieben.

Schon bevor er gestorben war, hatte ich meinem Mann gesagt, ich würde nicht alleine bleiben. Auch weil ich wollte, dass meine Tochter eine Vaterfigur in ihrem Leben hatte. Aber ich hatte trotzdem nicht das Gefühl gehabt, dass er mich freigegeben hatte. Gleichzeitig wollte ich nicht länger feststecken, also meldete ich mich auf ElitePartner an. Mein Abo war schon abgelaufen, als mich jemand kontaktierte. Wir schrieben ein Wochenende lang per Mail, bevor wir uns zum ersten Date trafen. Dann trafen wir uns jeden Tag. Am Mittwoch wussten wir, wir könnten uns vorstellen, irgendwann zu heiraten.

Ich war frisch verliebt und trotzdem fühlte es sich komisch an. Denn wie konnte ich Schmetterlinge im Bauch haben, wenn ich doch gleichzeitig noch so traurig war? Wenn ich doch so viel verloren hatte? Aber Trauer und neue Liebe können koexistieren. Ich darf an meinen verstorbenen Mann denken, wenn ich mit dem Neuen schöne Erlebnisse mache. Nach wenigen Wochen zog er bei mir ein. Weihnachten verlobten wir uns dann offiziell. Meine Tochter sagte ganz klar: Du darfst einen neuen Mann haben, aber ich will keinen neuen Papa, denn ich habe schon einen und der ist jetzt auf einer Wolke.“

Sandra Gloning

Freie Journalistin

Sandra Gloning ist freie Online- und Print-Journalistin in Wien mit einem breiten Themenfeld rund um Frauen, Lifestyle und Minderheiten und dem Ziel, Geschichten aus dem echten Leben zu erzählen.

Foto: Zoe Opratko

[email protected]


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