Was, wenn der Mensch, den man liebt, plötzlich stirbt? Wir haben mit vier Frauen über die große Liebe, Trauer und Gefühle in der Leere gesprochen. Astrid war 25, als ihr Partner verstarb. Heute ist sie 31 Jahre alt.
„Es war ein Montag, als mich Andreas‘ Schwester anrief und fragte, ob ich auf seinem Bauernhof nach ihm schauen könne. Ich dachte, er hätte einen Schwächeanfall gehabt, und wir würden gemeinsam ins Krankenhaus fahren. Als ich ankam, war bereits der Notarzt da und versuchte, ihn mit dem Defibrillator wiederzubeleben. Er war 34, als sein Herz stehen blieb. Ich konnte es nicht fassen. Die ersten 24 Stunden machte ich einfach weiter wie bisher. Denn das konnte nicht wahr sein. Er konnte doch nicht wirklich gestorben sein. Doch nach dem Begräbnis wurde mir klar: Ich habe mit 25 Jahren meinen Lebenspartner verloren. Und ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.
Ich wohnte in einem kleinen Ort, und die Reaktionen der Menschen waren das Schlimmste. Dem war ich vollkommen ausgeliefert, und deshalb ging ich irgendwann nicht mehr auf den Friedhof. Eine Nachbarin sagte mir bei einem Spaziergang: Leben ist Energie, und Energie kann nicht verloren gehen. Ich erwiderte nur, dass mein Bett trotzdem nachts leer sei. Zugegeben, nichts hätte mir geholfen. Niemand hätte etwas sagen können, dass irgendetwas besser gemacht hätte. Ich hatte keinen Appetit, sah keinen Grund zu essen. In sechs Wochen nahm ich sechs Kilo ab. Mein großes Glück war, dass ich einige Tiere hatte, um die ich mich kümmern musste. Sonst hätte ich keinen Grund gehabt, das Bett zu verlassen.
Ein neuer Platz im Herzen
Nach einem halben Jahr begann ich, wieder Momente der Schönheit in der Natur wahrzunehmen. Oder die Sonne auf meiner Haut. Nach neun Monaten meldete ich mich bei Tinder an. Schon bald kontaktierte mich ein sehr unhöflicher Kerl, und ich löschte die App wieder. Was sollte ich dort? Ein paar Tage später installierte ich sie erneut. Nach vier Stunden bekam ich ein Superlike. Das klang wichtig, also antwortete ich dem Mann. Vom ersten Moment an hatten wir denselben Humor, konnten reden, und ich sprach ganz offen über meinen Verlust. Er akzeptierte sofort, dass es für immer einen unvollständigen Abschluss meiner Beziehung zu Andreas geben wird. Ich erklärte ihm, dass er Andreas nicht ersetzen würde und schuf in meinem Herzen einen eigenen Platz für ihn, der genauso wichtig ist.
Bei unserem zweiten Treffen brachte er mir einen Blumenstrauß mit – genau aus den Blumen, die ich für Andreas‘ Grabgesteck ausgesucht hatte. In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass Andreas ihn mir geschickt hat. Wir sind jetzt bald fünf Jahre zusammen. Die Trauer begleitet mich täglich, oft fast unbemerkt im Hintergrund und manchmal überrollt sie mich, selbst nach über fünf Jahren. Aber dann ist mein neuer Freund da und hält mich, während ich weine. Meine schlimmste Angst war immer, dass die Erinnerungen an Andreas irgendwann verschwinden. Aber heute weiß ich: Das wird nie passieren.“
