PMOS ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen. Jede achte Frau ist betroffen. Trotzdem dauert es bei vielen Betroffenen über ein Jahrzehnt, bis sie eine Diagnose erhalten.
„Mir war immer klar, dass irgendetwas in meinem Körper nicht stimmt. Aber es hat mehr als fünfzehn Jahre gedauert, bis ich eine Diagnose hatte“, erzählt Andrea Thalhammer* (34). Sie hat PCOS (Polyzystisches Ovarsyndrom), eine Erkrankung, die im Mai 2026 in PMOS (Polyendokrines Metabolisches Ovarsyndrom) umbenannt wurde. Ihre Geschichte deckt sich mit der aller anderen Interviewpartner:innen.
Jede achte Frau leidet unter dem Syndrom. Trotzdem wird die Erkrankung noch immer häufig übersehen, weil sie unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Manche Frauen haben vor allem Zyklusstörungen, andere Akne oder vermehrte Körperbehaarung, wieder andere hauptsächlich metabolische Probleme wie Gewichtszunahme, erschwerte Gewichtsabnahme oder Insulinresistenz. Durch die Umbenennung soll verdeutlicht werden, dass die Erkrankung auch den Stoffwechsel stark betrifft.
Mehr als Zyklus und Fruchtbarkeit
Laura Handgriff ist Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie und hat sich auf PMOS spezialisiert. Sie betont: „PMOS betrifft oft weit mehr als nur den Zyklus oder die Fruchtbarkeit. Viele Frauen leiden unter psychischer Belastung durch Akne, Körperbehaarung oder Gewichtszunahme. Das kann Selbstwertgefühl, Partnerschaft und soziale Teilhabe erheblich beeinflussen.“ Dazu komme die langfristige gesundheitliche Dimension: erhöhte Risiken für Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. PMOS begleitet viele Frauen über Jahrzehnte – von der Postpubertät über die Familienplanung bis hin zur Menopause. Dabei verändern sich die Prioritäten: In jungen Jahren stünden oft Zyklus und Haut im Vordergrund, später Kinderwunsch oder metabolische Gesundheit.
