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Parentifizierung: Wenn das Kind sich um die Mutter kümmert

Parentifizierung: Wenn das Kind sich um die Mutter kümmert
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  • Veröffentlicht: 17.12.2025
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Die Kindheit von Franziska Hohmann ist durch eine Schwere geprägt. Ihre Mutter litt an Depressionen und riss ihre Tochter immer wieder mit in das Tief. Wie sie diese Erfahrung auch als Erwachsene noch prägt.

Ihr Buch heißt „Gut, dass du nicht mehr da bist“ – und Sie schreiben über die toxische Beziehung zu Ihrer Mutter. Warum haben Sie einen so harten Titel gewählt?
Mein Arbeitstitel war „Affenliebe andersrum“. Das beschreibt mein Gefühl zu meiner Mama sehr gut, aber das hätte keiner verstanden. Anfangs empfand ich den Titel auch als sehr krass, aber ich habe mich dann damit angefreundet. Denn es ist die Wahrheit: Es ist für mich gut, dass meine Mutter nicht mehr da ist. Ohne ihren Tod wäre ich nicht aus dem emotionalen Gefängnis herausgekommen, in dem sie, ich und ihre Depression steckten.

Im Untertitel heißt es, „…wie ich lerne loszulassen“. Das heißt, Sie sprechen dennoch von der Gegenwart und nicht von der Vergangenheit. Warum?
Das Buch hieß erst „Die toxische Beziehung zu meiner Mama und wie ich lernte, loszulassen“. Aber dann hat meine Traumatherapeutin mich gefragt, ob ich mir sicher sei, dass ich damit schon abgeschlossen habe. Und natürlich habe ich das nicht, es kommt immer wieder etwas hoch. Die Beziehung zur eigenen Mutter, von der löst man sich nie ganz. Deshalb habe ich dann den Untertitel noch anpassen lassen.

Es ist zwar nur ein einziger Buchstabe, aber eine wichtige Botschaft, die Sie damit senden.
Ich fand diesen kleinen Unterschied wertvoll, denn es wird für mich sicher ein lebenslanger Prozess sein. Und natürlich bin ich immer noch mittendrin. Ich lerne täglich, loszulassen.

Wie machen sich Ihre frühen Kindheitserfahrungen in Ihrem heutigen Leben bemerkbar?
Dieses frühe Rausgeschubstwerden aus einem nicht vorhandenen Nest, sich immer wieder selbst auf die eigenen Beine zu stellen und sich für alles verantwortlich fühlen, was im Umfeld los ist – das habe ich immer noch. Ich bin wahnsinnig lösungsorientiert und organisiert. Ich habe früher immer gesagt, man kann mich ohne Kompass im Wald raussetzen, ich komme bestimmt irgendwie nach Hause.

Wie kommt das?
Ich musste früh lernen, allein klarzukommen, ich hatte keine andere Wahl. Also habe ich gelernt, einfach zu machen. Das hat aus mir auch einen absoluten Bauchmenschen gemacht, der schnell Entscheidungen trifft. Es ist nicht alles schlecht, wenn man als junger Mensch so agieren muss. Schmerzhaft wird es oft erst dann, wenn man beginnt, es zu verarbeiten.

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Leonie Zimmermann

Chefredakteurin Digital

In Deutschland 1993 geboren und aufgewachsen, nach dem Journalistik-Studium, einer Selbstständigkeit und mehreren Stationen in deutschen Medienhäusern, darunter das RedaktionsNetzwerk Deutschland und das Wochenmagazin stern, seit März als Chefredakteurin digital für Welt der Frauen tätig. Faible für Psychologie, Reisen, Feminismus – und die digitale Welt.

[email protected]

Foto: Barbara Aichinger


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