Geburten sind das natürlichste der Welt – und doch so individuell wie wir Menschen. Ruth Theuermann-Bernhardt hat unterschiedliche Geburten erlebt. Heute begleitet sie Frauen auf dem Weg zur Selbstbestimmung.
Meine erste Geburt war ein Notkaiserschnitt aufgrund eines Geburtsstillstandes. Diese Erfahrung war traumatisch. Eine Schwierigkeit war, dass Arzt und Hebamme nicht miteinander kommuniziert haben, schlimmer noch: Sie haben gegeneinander gearbeitet. Und ich hatte keine Ahnung, wo ich selbst mitentscheiden und sagen kann: „Moment, das möchte ich nicht!“
Nach der Geburt war in mir eine große Leere, die Verbindung zu meinem Kind war schwer zu fühlen. Niemand hat mir erklärt, dass nach einem Kaiserschnitt das Bindungs- und Glückshormon Oxytocin nicht so stark ausgeschüttet wird. Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, weil ich verstehen wollte, was mit mir passiert ist, denn mir ging es nicht gut, ich hatte unter anderem massive Schlafstörungen. Heute würde ich sagen, ich hatte eine postpartale Depression. Erkannt hat es damals niemand. Der Arzt hat immer wieder betont, wie wunderschön meine Narbe verheilt ist. Aber die seelische Narbe war viel schmerzvoller.
