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Neulich bei Nora<br>ab 5 Jahren

Wie alle Jahre wieder hat uns Nora anlässlich ihres Geburtstages am 4. Jänner zu sich nach Hause eingeladen, zu Kaffee und Kuchen. Und diesmal auch zu einer exklusive Privatvorstellung ihres Programmes zum „Glücks-Buch“. In Bibliotheken und Schulen in ganz Österreich ist sie laufend unterwegs und zeigt dort ihre Lesung mit dem Koffertheater. (Man kann sie buchen, siehe Link unten!)
Wir waren ein sehr intimer, privilegierter und glücklicher Kreis: Noras Mann Robert, meine Freundin und Kamishibai-Kollegin Alexandra vom Figurentheater [isipisi] und ich. Aufmerksam lauschten wir der Präsentation. Ich war hingerissen und gerührt.
Noras „Lesung“ bezieht das kindliche Publikum aktiv mit ein, wir waren Assistentinnen und versetzten uns in die Sichtweise neugieriger Kinder, die anhand der Geschichte „Das Glück ist ein Vogel“ darüber nachdenken, was Glück eigentlich ist. Nach und nach hat uns Nora alle Personen ihres Bilderbuches mit Porträtbildern vorgestellt, die sie mit Wäscheklammern an einer Schnur fixiert hat: die Geschwister Elli und Lollo, deren Oma und Opa, und Hund Alfi, dessen Glück natürlich mit erfolgreich auf Bäume gejagten Katzen, Laternenmasten und Wurstkränzen zu tun hat. Alle werden von Elli nach dem Glück befragt.

Opas Nachbarn Herr und Frau Nowak haben genauso ihre jeweils eigenen Begriffe vom wahren Glück. Nora fordert die Kinder während ihrer Lesungen auf, die Schokoladensorten-Auflistung von Frau Nowak weiter zu ergänzen. Mit Feuereifer und in beeindruckender Ausführlichkeit kommen die Antworten. Sohn Hansi Nowak aus dem Buch berichtet vom klassischen „Schmetterlinge im Bauch“-Glücksgefühl. Dass die angebetete Aurora Sommer – im Bild narzisstisch Selfies knipsend – dieses voraussichtlich nicht erwidert, das durchschauen die zusehenden Kinder auf den ersten Blick. Die Geschwister Elli und Lollo wissen genau, wie man Glück selber macht. Sie kennen das Rezept für Glückssuppe (inklusive Rasierschaum, Lippenstift, Kaffee, Zahnpasta und eventuell einigen Spielzeugautos) und planen, sie Mama zum Muttertag zu schenken. Diese Suppe hat übrigens erstmals Noras Tochter Paula gebraut, im Badezimmer, und sie hat „gemieft“ – das weiß ich aus sicherer Quelle! Auch darin können sich zuhörende Kinder wiedererkennen. Die magischen Zutaten zur individuellen Glückssuppe stehen in keinem Kochbuch und werden doch in fast jedem Kinderhaushalt fabriziert.

Ihr Glück wäre mit diesem Festessen sicherlich kaum auszuhalten, denn glücklich ist sie bereits wie jede Mutter, … wenn zwei kleine Kinder in ihren Betten friedlich schlafen. Ich sehe ihre geschlossenen Augen, ihre kecken Nasenspitzen. Ich streiche ganz sanft über ihre Wangen. Mein Herz geht auf, so glücklich bin ich. Dann drehe ich das Licht ab und gehe schlafen (…)
Damit ähnelt ihre Glücksvorstellung jener von Oma zu Beginn von Ellis empirischer Forschungsreihe.

Während der Gespräche mit ihrem Publikum, der geplanten Aktionen und der vorgelesenen Textausschnitte hat Nora nebenbei verschiedene Mini-Kulissen aus ihrem Koffer aufgebaut, umgestaltet und erweitert. Das Buch integriert sie teilweise als Hintergrundbild, steckt noch Darstellungen oben drauf oder klemmt sie unterhalb an eine Wäscheleine. Sie montiert filigrane Lichterketten, lässt Seifenblasen tanzen und spielt sanfte Glücksmusik. Fotos ihres Koffertheaters sind auf ihrem Blog zu bewundern, hier unter dem Menüpunkt „Lesungen“: http://leonoraleitl.blogspot.co.at/
Leonora Leitls Bilder entstehen durch Collagieren unterschiedlichster Elemente: bedruckte Papiere, alte Fotos, naturkundliche Abbildungen von Schmetterlingen … in Kombination mit Farbstiftzeichnungen. Im blauen Schlussbild hat sie ein historisches Foto des Linzertores in Freistadt eingebaut, „weil mein Glück eben in Freistadt ist“, so Nora. Ihr feines Gespür für Farbzusammenstellungen lässt frische und heimelige Szenerien entstehen, die ich am liebsten betreten würde. Ich setze mich mit Oma auf die weiche Häkeldecke in Lollos Bett und blättere in „Willi Virus“, der gut sichtbar auf dem gelben Nachttischchen bereitliegt. Das alte Kinderfoto über Lollos Bett ist übrigens Noras Opa. Auch Hund Alfi hat es wirklich gegeben, das war der Hund von Noras Opa und „er war kein Katzenfreund“.
Am 4. Jänner ist mein Stimmungsbarometer eindeutig gestiegen während der Privatvorführung. Und auch wenn uns Erwachsenen die Flüchtigkeit manchen Glücks schmerzlich bewusst werden kann, so bleibt es mein großes Glück, Freundinnen wie Nora zu kennen.
Ich danke Dir, Nora, für den wunderschönen Nachmittag! Ich sammle weiterhin Federn Deines Glücksvogels, die einen Augenblick nach seinem Flügelschlag vom Himmel schweben …

Leonora Leitl (Text + Bild):
Das Glück ist ein Vogel
Picus Verlag 2017
Ohne Altersangabe vom Verlag
Ab 5 Jahren

 

P. S.:
Dringend hinweisen möchte ich auf „Das Sagenbuch zum Stephansdom“, das Nora zu Texten von Barbara Schinko in Wachstechnik illustriert hat, erschienen im Herbst 2017.
Und noch dringender auf ihr demnächst kommendes „Susi Schimmel. Vom Verfaulen und Vergammeln“, das ihrem „Willi Virus“ https://www.welt-der-frauen.at/die-nase-voll/ nachfolgt. Ab Februar erhältlich. Auf dieses fröhliche Fäulnis-Fräulein freu ich mich schon furchtbar!!
https://www.tyroliaverlag.at/list?back=8d5260a6181814fec8c010407b42bdac&xid=18180209

Veronika Mayer-Miedl

wurde 1971 geboren und lebt als Buchhändlerin in Ottensheim (OÖ). Als Mitarbeiterin des „Kleinen Buchladens“ sieht sie sich als Vermittlerin – als Leseanimateurin für Kinder besucht sie Bibliotheken und Kindergärten. Ein Fernkurs für Kinderliteratur an der „STUBE Wien“ während ihrer dritten Karenz war ein Glücksfall. Begegnungen bei Seminaren im „Kinderbuchhaus“ gaben neue Ausrichtung und inspirierten zu Referententätigkeit übers Bilderbuch. Mit ihrer schauspielenden Freundin teilt sie neuerdings die Leidenschaft für das japanische Erzähltheater „Kamishibai“ und tritt fallweise als Grille oder sogar Meerjungfrau auf.

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