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Neujahrsvorsätze: Wie wir endlich neue Gewohnheiten entwickeln

Neujahrsvorsätze: Wie wir endlich neue Gewohnheiten entwickeln
Foto: shutterstock
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  • Veröffentlicht: 23.12.2025
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Viele haben sie, wenige setzen sie wirklich um: Neujahrsvorsätze. Warum uns neue Gewohnheiten so schwerfallen und wie wir sie künftig verwirklichen können, hat uns Jolana Wagner-Skacel verraten.

Mit dem neuen Jahr kommen neue Neujahrsvorsätze. Doch wie viel bringen diese?
Grundsätzlich halte ich sie für durchaus sinnvoll, da wir in einem Jahreszyklus leben und Rituale erst durch ihre wiederholte Ausübung in diesem Zyklus zu einer eigenen Kultur werden. Wichtig ist jedoch, dass es sich um wertvolle Vorsätze handelt, die aus Selbsterkenntnis und nicht aus sozialem Druck oder moralischem Idealismus entstehen. Viele Menschen leiden ohnehin schon an einem Optimierungszwang, der durch die sozialen Medien verstärkt wird. Ein Vorsatz sollte immer dem inneren Freiheitswillen und dem Wunsch dienen, unser Leben bewusst zu gestalten, und nicht dem Ziel, einem Perfektionszwang zu entsprechen.

Ob Abnehmen oder Rauchentwöhnung: Oft nehmen wir uns (zu) viel vor und scheitern. Warum fällt uns die Umsetzung so schwer?
Ich glaube, dass wir unsere Fähigkeit zur Selbstgestaltung oft überschätzen und unsere eigenen unbewussten Triebe unterschätzen. Gewohnheiten sind unbewusst besetzte Räume der Sicherheit. Selbst destruktive Muster erfüllen häufig eine Funktion und regulieren Angst, Leere und Einsamkeit. Abrupt können wir Gewohnheiten nicht ablegen. Auch Scheitern kann uns vor Kontrollverlust schützen. Die Stärke des Unbewussten wird also oft unterschätzt im Vergleich zu dem, was wir gerne kognitiv schaffen würden. Wir müssen uns die Gründe für unser Scheitern genau ansehen.

„Neben dem Setzen realistischer Ziele ist es entscheidend, bei der Planung auch Rückfälle einzubauen.“
Jolana Wagner-Skacel

Welche Tipps können Sie geben, um das neue Jahr mit umsetzbaren Vorhaben zu beginnen?
Zunächst ist es, wie gesagt, wichtig, kein fremdes Ideal zu verfolgen. Werde die Person, die du bist. Vorsätze sollten immer mit einer Selbsterkenntnis verbunden sein, die wiederum eine Selbstreflexion voraussetzt, mithilfe derer man beispielsweise alte Gewohnheiten überdenkt. Sind diese noch sinnvoll? Genauso wichtig ist es, auch das Scheitern miteinzubeziehen und zu hinterfragen, welchen Gewinn man daraus ziehen kann. Neben dem Setzen realistischer Ziele ist es also entscheidend, bei der Planung auch Rückfälle einzubauen. Es hilft außerdem, Ziele gemeinsam – zum Beispiel mit einer Freundin – zu formulieren und, wenn möglich, auch auszuführen. Dabei ist es auch wichtig, sich stets schöne und erreichbare Ziele zu setzen, nicht zu kritisch mit sich zu sein, Geduld zu haben und vor allem zwischendurch Feedbackschleifen einzubauen.

Helfen uns bei der Umsetzung Visualisierungen, zum Beispiel sogenannte „Vision Boards“?
Visualisierungen sind sehr gut, weil wir damit Dinge emotional gewichten können. Unsere Emotionen helfen, uns in Richtungen zu bewegen. Was ich hingegen wirklich unangebracht finde, ist die Verwendung von äußeren und inneren Bildern, um sich sozialen Zwängen zu unterwerfen und eine Optimierung anzustreben, die letztlich der Selbstakzeptanz widerspricht. So rennen wir nur wieder etwas hinterher, das uns letztendlich unglücklich macht. Es sollte immer dem Ziel dienen, mir Sinn zu geben, mich selbst besser anzuerkennen, und nicht, mir noch mehr moralischen Druck aufzuerlegen.

Foto: Fotostudio Christian Jungwirth

Zur Person:

Jolana Wagner-Skacel ist als Professorin für Medizinische Psychologie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Med Uni Graz tätig. Weitere Infos: medunigraz.at.

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