Naturfotografin Dagmar Beutelmeyer wartet oft stundenlang auf den richtigen Moment. Und dann klickt es gleich 36 Mal in zwei Sekunden. Ein Fotoessay über Geduld, Glück und neugierige Tiere.
„Du hast das Gefühl, auf einer Herdplatte zu liegen, musst ganz leise sein und stillhalten. Stechmücken überall. Aber das ist alles egal: Man will das sehen.“ Die Linzerin Dagmar Beutelmeyer (66) nimmt jede erdenkliche Mühe in Kauf, wenn es darum geht, die Natur zu beobachten und im richtigen Augenblick abzudrücken.
Wenn sie der Tierwelt Auge in Auge – oder besser gesagt Auge in Linse – gegenübersteht, fängt sie unzählige intime Momente ein: eine junge Affenmutter, die in die Kamera blickt, während ihr Kleines an der Zitze saugt. Ein Babyelefant, den seine Mutter mit dem Rüssel aus einem Wasserloch befreit, aus dem er stundenlang erfolglos allein herauszukommen versucht hat. Die Kulleraugen einer wenige Tage alten und daher noch weißen Robbe. Oder gleich mehrere Löwinnen, die sich bei Sonnenuntergang einträchtig an einer Wasserstelle laben. „Ein gutes Foto will ersessen sein“, heißt es unter Fotograf:innen. Eine Leidenschaft, die Geduld und Ruhe verlangt – und im richtigen Moment eine unglaublich schnelle Reaktion.
