Aktuelle
Ausgabe:
Zeit
07-08/24

Viele Frauen, viele Hüte

Viele Frauen, viele Hüte

Die Veranstaltungsreihe zum Thema Mental Load fand am 25. Juni 2024 im „Bruno“ in Brunn am Gebirge ihre Fortsetzung. „Immer muss ich an alles denken!“ – eine Feststellung, die viele Frauen kennen und der „Welt der Frauen“ in Kooperation mit der kfb St. Pölten und dem Land Niederösterreich einen Abend lang nachspürte.

Das aufgeschürfte Knie der Tochter verarzten, das Auto vom Service abholen, den Sommerurlaub buchen, den Mistkübel rechtzeitig hinausstellen, den Einkauf erledigen, die Nachhilfe rechtzeitig absagen. Und dann wären da noch der eigene Job, Freundschaften und Beziehungen, die gepflegt werden wollen. Frauen tragen viele Hüte – und manchmal brennen sie alle gleichzeitig. Ein Gefühl, das einen Namen hat: Mental Load. Es ist ein Thema, das kaum einer Frau fremd ist und das an diesem Abend in den Fokus gerückt wurde.

„Das Leben ist eben auch mal anstrengend und Mental Load ist okay. Es ist nur schlecht, wenn es zu viel wird.“
Christiane Teschl-Hofmeister, Landesrätin

„Viele Frauen wissen nicht, dass sie mental belastet sind“, sagte Christiane Teschl-Hofmeister im Interview mit Moderatorin und „Welt der Frauen“-Chefredakteurin Sabine Kronberger. Die niederösterreichische Landesrätin für Soziales, Bildung und Wohnbau betonte, dass es auch Maßnahmen der Politik brauche – allen voran Kinderbetreuung –, um die mentale Belastung von Frauen zu verringern.

„Ich nenne es ‚Übung im Vergessen‘: Manchmal vergessen wir etwas – und meistens passiert nichts Schlimmes!“
Elisabeth Cinatl, Verein wendepunkt

Nicht optimieren, sondern weglassen

Elisabeth Cinatl vom Verein wendepunkt kennt genau diese Frauen, die zu ihr in die Beratung kommen, weil sie überlastet sind. Wobei: „Zu viel“, betonte sie, „ist für jede Frau anders.“ Und jede ist mit ihren Sorgen bei einer Frauenberatungsstelle willkommen. „Wenn wir die mentale Belastung auf einer Skala von 1 bis 10 einteilen, darf man auch schon bei einer 1 vorbeikommen.“ In der Beratung gehe es dann nicht darum, das Zeitmanagement zu optimieren, sondern darum, Dinge sein zu lassen.

Anna Rosenberger berichtete von ihren persönlichen Erfahrungen, Aufgaben loszulassen, denn auch sie trägt viele Hüte, ist Bäuerin, Beirätin von „Welt der Frauen“, ehrenamtlich engagiert, Mutter und Großmutter. Ihr Rat an jede Frau, die überlastet ist: „sich, wenn möglich, eine Auszeit zu gönnen“.

„Ich bin in einem Vierkanter in einer Großfamilie aufgewachsen – meine Mutter hat selbstverständlich drei Menschen gepflegt.“
Anna Rosenberger, kfb St. Pölten

„Welt der Frauen“-Herausgeberin Christiane Feigl kenne ebenfalls das Gefühl, als Frau für vieles gleichzeitig zuständig und verantwortlich zu sein, was sich – mit einem Augenzwinkern erzählt – auch immer wieder bestätige. Es sei aber wichtig, sich von dem Anspruch, alles perfekt zu machen, ein Stück weit zu lösen.

„ Auch wenn die Zeit, die Väter mit dem Kind alleine sind, nur kurz ist, der Blick dafür, was getan werden muss, bleibt.“
Gerlinde Mauerer, Soziologin, Universität Wien

Mit dem Blick der Forscherin näherte sich Gerlinde Mauerer dem Thema Mental Load. Die Soziologin und Senior Researcherin an der Universität Wien befragte in einer qualitativen Studie Elternpaare, bei denen beide zumindest fünf Monate in Elternkarenz waren. „Frauen tendieren dazu, vieles abzufedern“, war eine Erkenntnis, die sie gewinnen konnte – und dass der Mental Load auf Seiten der befragten Frauen durchwegs größer war. Was sie ebenfalls feststellen konnte: „Es profitieren beide Partner davon, wenn der Mental Load gerecht aufgeteilt ist.“

Ciao, Perfektionismus!

Kabarettistin, Sängerin und Mutter Caroline Athanasiadis gab dem Thema eine große Portion Leichtigkeit und sorgte für viele Lacher im Publikum. Sie gab bekannte Lieder zum Besten, die sie während der Coronapandemie mit neuen Texten versehen hatte, und erinnerte damit an eine Zeit, in der das Thema Mental Load für viele Frauen besonders präsent war.

„Nein ist ein ganzer Satz!“
Caroline Athanasiadis, Kabarettistin und Sängerin

Ein Abend, der bei gemütlichem Beisammensein, angeregten Gesprächen und der Erkenntnis ausklang, dass wir alle mit unseren vielen Hüten im selben Boot sitzen. Und dass wir uns endgültig vom Perfektionismus verabschieden sollten.

Im Herbst geht die Veranstaltungsreihe weiter!

23. Oktober 2024, St. Leonhard am Forst

27. November 2024, St. Pölten

Anmeldung in Kürze möglich

Bildergalerie

ZUM VERGRÖSSERN DER BILDER KLICKEN SIE BITTE AUF DAS JEWEILIGE FOTO!
  • Teile mit:
  • Veröffentlicht: 27.06.2024
  • Drucken