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Nachbericht - 100 Jahre Frauenwahlrecht - Melk

Es geht uns gut!

Allein der Rahmen war beeindruckend: der Kolomanisaal des Stiftes Melk, mit dem Deckenfresko in Schwindel erregender Höhe. Aber auch die Akteurinnen wussten zu beeindrucken an diesem Abend, an dem die letzten hundert Jahre gefeiert wurden, zugleich die ersten mit weiblicher Mitbestimmung.

Ein Filmtrailer machte den Anfang, mit gewaltigen Bildern, die zeigten, dass das Wahlrecht vor 100 Jahren den Frauen nicht gegeben wurde, und geschenkt schon gar nicht. „Suffragette – Taten statt Worte“ zeigt die Geschichte der mutigen Britinnen, die für das Wahlrecht bereit waren, ihr Leben und ihre Familien zu opfern. Staunend blieben die Zuschauerinnen zurück, ein Gedanke erfüllte den Saal: Was für mutige Frauen unsere Vorfahrinnen waren und wie selbstverständlich sich unsere Rechte heute anfühlen.

Mutige und starke Frauen waren es auch, die an diesem Abend live, lebendig und lebenslustig von ihrem Weg erzählten. Den Beginn machte Neo-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. Eine Frau, die man vom Bildschirm kennt, weil sie vor ihrer politischen Karriere eine ebenso erfolgreiche beim ORF hingelegt hatte, zuletzt Chefredakteurin des ORF Landesstudios Niederösterreich. Allein ihr zuzuhören war eine echte Wohltat, ihrer schönen, geschulten Stimme, aber nicht nur deshalb: sie ist eine Frau, die mit beiden Beinen fest am Boden steht, mitten im Leben, das war deutlich hör- und spürbar. Eine, die auch über sich selbst lachen kann, die zutiefst menschlich ist und dabei nicht das große Ganze aus den Augen verliert. In ihrem Live-Interview auf der Bühne wurde sie von Moderatorin und Welt der Frauen-Chefredakteurin Christine Haiden gefragt, was sich denn seit ihrem Amtsantritt im März 2018 im Blick auf die Politik verändert habe. „Ich sehe, was Politiker wirklich tun, sehe, dass es viel Arbeit ist – die es Wert ist, sie zu tun.“ Sie sprach über ihren Einstieg in die Landespolitik und forderte auf, es ihr gleich zu tun: „Nicht zu viel darüber nachdenken, sondern handeln. Wer zu lange überlegt, welche Ausbildung und Schulung er noch machen könnte, wird nie zur Tat schreiten.“

BEKANNTE UND UNBEKANNTE SCHICKSALE

Beeindruckend auch das Referat von Historikerin und Filmemacherin Anita Lackenberger. Sie dreht unter anderem Dokus für den ORF, oft zu historischen Frauenfiguren, wie etwa Hildegard Burjan oder der Widerstandskämpferin Helene Trautmansdorff und oft mit dem Blick auf Frauen, etwa „Andreas Hofer und die Sicht der Frauen“ oder „50 Jahre Staatsvertrag – aus Sicht der Frauen“. Einfach sei es nicht, Filme über Frauen bis zur Ausstrahlung zu bringen, oft würden dabei Jahre des Hinhaltens vergehen. An diesem Abend erzählte sie von Ikonen des Frauenwahlrechts in Niederösterreich. „Es sind viele Geschichten, die man nicht kennt.“ Neben bekannten Namen – Marianne Hainisch oder Hildegard Burjan – seien es auch die von Frauen wie Katharina Neumayer oder Adolfine Malcher, die ihr Leben dem Kampf für die Frauenrechte opferten. Aufrüttelnd war, wie Anita Lackenberger darlegte, dass es gerade für bürgerliche Frauen Anfang des letzten Jahrhunderts besonders hart war: sie waren zwar gebildet, hatten aber keine Möglichkeit, arbeiten zu gehen und sich – waren sie beispielsweise verwitwet – selbst zu versorgen. Sie waren damit der Armut ausgeliefert – weil sie Frauen waren.

Geschichten wie diese waren es, die einmal mehr klar machten: es geht uns heute gut. Dazu trugen auch die lebendigen, aktiven Frauen bei, die auf der Bühne Rede und Antwort standen und Mut machten, sich zu engagieren: Anna Rosenberger, Chefin der Katholischen Frauenbewegung Niederösterreich, die betonte, dass es gerade in der Kirche noch viel Spielraum für weibliche Mitbestimmung gebe, aber auch erzählte, was schon erreicht wurde. Etwa, dass seit heuer ganz offiziell von „Schwestern und Brüder“ die Rede sei. Auch Elisabeth Brückner von der Niederösterreichischen Versicherung. Sie sprach vielen der insgesamt 240 Besucherinnen aus dem Herzen, als sie sagte: „Ich bin unendlich dankbar, dass ich in eine Genration geboren wurde, in der es selbstverständlich ist, dass Frauen wählen, arbeiten und studieren dürfen.“

FRAUENPOWER AUS DREI GENERATIONEN

Drei Niederösterreicherinnen aus drei Generationen waren es, die mit ihrer Energie beeindruckten. Rosa Tiefenbacher etwa, Jahrgang 1946, die als Lehrerin im Stiftsgymnasium Melk startete und sich fortan engagierte, wo immer sie konnte – in der Schule, im Land, im Bund, in der Kirche und beim Soroptimistclub Allegra in St. Pölten. Bis heute ist sie aktiv und sprüht vor Tatendrang. So unterstützt sie gerade die Aktion „Orange The World“ in Österreich, wobei öffentliche Gebäude orangefarben angestrahlt werden, um auf Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen. Oder Christa Hubmayer, Jahrgang 1962, Trägerin des Liese Prokop-Frauenpreises für Soziales. Sie stellt ihre Energie in den Dienst des Emmahauses in St. Pölten, wo sie sozial benachteiligten Menschen zurück in die Mitte unserer Gesellschaft hilft. „Es gibt nichts Schöneres, als für Menschen am Rande der Gesellschaft arbeiten zu dürfen“, sagt sie. Auch Christina Umgeher, Jahrgang 1989, Mathematikerin und Pädagogin an der HTL in Krems, ist eine Frau, die vor Energie nur so sprüht. Sie ist bald zweifache Mutter und hat noch Energie, nebenbei als Mentee Teil des Politik Mentoring Programmes des Landes Niederösterreich zu sein. Sie kann sich sehr gut vorstellen, für ein politisches Amt zu kandidieren. Für welches sie denn kandidieren würde? „Bundespräsidentin“, sagte sie ganz spontan.

Bei einem Glas Wein und einer Kleinigkeit zu Essen ging der Abend noch einige Zeit nach seinem offiziellen Ende weiter. Es wurde gelacht, diskutiert, vernetzt, kennengelernt und ausgetauscht. Es war ein Abend, der das Gefühl verbreitete: Es gibt sie, die Frauen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind und die Welt ein Stück bunter, lebenswerter und stärker machen. Und das ist ein gutes Gefühl.

 

v.l.n.r.: Christina Umgeher (Mathematikerin, HTL Krems, Mentee), Ursel Nendzig (WdF), Anita Lackenberger (Filmemacherin), Christiane Feigl (WdF), Elisabeth Brückler (NÖ Vers.), Christa Hubmayer (Emmausgemeinschaft), Rosa Tiefenbacher (Soroptimistclub Allegria), LR Christiane Teschl-Hofmeister, Anna Rosenberg (kfb), Christine Haiden (WdF)