Am Mobbingtelefon der Betriebsseelsorge unterstützt Daniela Klein Menschen, die durch das Verhalten von ArbeitskollegInnen Belastungen erleben.
Auch in der katholischen Kirche würde ohne ehrenamtliche Arbeit vieles nicht funktionieren. In Zeiten des Mangels an Priestern und hauptberuflichen Lai:innen wachsen ihre Bedeutung und ihr Anteil an verschiedenen Tätigkeit weiter an. „Ehrenamtliche halten die Pfarrgemeinden am Leben“, sagt Daniela Klein aus Wallern an der Trattnach. Sie ist hauptberuflich Referentin für Ehrenamtsförderung in der Diözese Linz und zusätzlich in ihrer Freizeit ehrenamtlich im Einsatz.
Für andere da sein
„Für mich ist Ehrenamt sehr wertvoll, eine sinnvolle und sinnstiftende Freizeitgestaltung und ein bewusster Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit“, sagt die fröhlich und motiviert klingende Stimme am anderen Ende der Leitung. Daniela Klein sitzt regelmäßig am Mobbingtelefon der Betriebsseelsorge und ist in der Erinnerungsarbeit tätig. „Es geht darum, mit meinen Talenten für andere da zu sein und etwas zu gestalten. Was man dabei gibt, kommt auf vielfältige Weise zurück.“
Den zunehmenden Stellenwert Ehrenamtlicher erkennt die katholische Kirche Oberösterreichs auch im Rahmen des 2023 gegründeten Forum Ehrenamt an: „Ehrenamtliche sollen mitreden und mitbestimmen, von der Pfarrgemeinde bis ins erweiterte bischöfliche Konsistorium, und gleichzeitig mitbekommen, was auf diözesaner Ebene passiert“, so Klein.
6,5 Millionen Stunden
In der neuen Struktur sind in jeder der knapp 500 oberösterreichischen Pfarrgemeinden jeweils fünf bis acht Ehrenamtliche im Seelsorgeteam tätig. Ehrenamtliche arbeiten für die Kirche unter anderem in Altenheimen, Krankenhäusern und der Telefonseelsorge, aber auch in vielen Institutionen auf diözesaner Ebene. „Über 80 ehrenamtliche Funktionen gibt es in der katholischen Kirche in Oberösterreich“, erklärt Klein. Dort leisten Ehrenamtliche – es überwiegen Frauen – 6,5 Millionen Stunden im Jahr. Und trotzdem ist der Bedarf nach wie vor groß.
Was man aus Kleins Sicht fürs Ehrenamt mitbringen sollte? „Freude am Miteinander, man muss gern für Menschen da sein, sich bewusst Zeit nehmen und verlässlich sein“, antwortet sie. Es gehöre auch Mut dazu, manches auszuprobieren und bei Gegenwind nicht gleich umzudrehen. Und dafür zu brennen, ohne zu verbrennen: „Ich muss das Ehrenamt so leben, dass es mir dabei gut geht, sonst geht es nicht lang.“ Denn der unentgeltliche Einsatz könne manchmal durchaus fordernd sein und sei deshalb gut zu planen. Klein mahnt dabei Selbstfürsorge ein. „Man muss auch einmal Nein sagen, bevor es zu viel wird.“
Mobbingtelefon und Erinnerungsarbeit
Am Mobbingtelefon ist Daniela Klein mit ihrem Wissen und seelsorglicher Expertise für die Menschen da: „Da geht es oft darum, ob noch ein Konflikt oder schon Mobbing vorliegt.“ Für viele sei das Telefonat ein erster Schritt, mit jemandem darüber zu sprechen. Sowohl die haupt- als auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen des Teams haben eine Ausbildung in Konflikt- und Mobbingberatung absolviert, denn auch im Ehrenamt sei eine gute Qualifikation wichtig. Zielpublikum sind Menschen aus der Arbeitswelt. „Aber auch im Ehrenamt kommt Mobbing vor“, weiß Klein. Nur sei es da einfacher, sich zurückzuziehen.
Darüber hinaus leistet Klein ehrenamtlich Erinnerungsarbeit. Auf gemeinsame Initiative mit der Historikerin Angelika Schlackl hat sie die Aktion „Geh-Denken“ ins Leben gerufen, bei der alljährlich die Strecke von Wels zum ehemaligen Außenlager Gunskirchen nachgegangen wird. Heuer sogar von der KZ-Gedenkstätte Mauthausen nach Gunskirchen – ein Weg, den die KZ-Häftlinge gezwungen waren zu gehen und den viele nicht überlebten, auch bekannt als Todesmarsch. Klein: „Es geht ums Erinnern, was war und nie wieder sein soll.“
Weitere Infos:
Fachbereich Ehrenamt und Pfarrgemeinde Tel. +43 732 7610-3141
dioezese-linz.at/pgr
Mobbingtelefon jeden Montag von 17 bis 20 Uhr anonym Tel. +43 732 7610-3610
mobbingtelefon.at
