Care-Arbeit, Beruf, körperliche Herausforderungen: Frauen tragen eine immense Last, den sogenannten “Mental Load“. Warum sowohl psychische als auch physische Beschwerden ernst genommen werden müssen.
Frauen stehen in unserer Gesellschaft vor vielfältigen Herausforderungen, die oft deutlich über jene von Männern hinausgehen. Sie jonglieren Verantwortung in Familie, Beruf und häufig auch in der Pflege von Angehörigen – eine Bürde, die nicht nur Energie, sondern auch psychische Widerstandskraft kostet.
Hinzu kommen die Anforderungen, die sich aus den verschiedenen Lebensphasen ergeben und viele Frauen an ihre Grenzen bringen können: die Menstruation, oft begleitet von Beschwerden und Tabuisierung, der emotionale und körperliche Kraftakt eines (unerfüllten) Kinderwunsches oder die Herausforderungen während und nach der Schwangerschaft. Auch die hormonellen Veränderungen der Wechseljahre, gepaart mit gesellschaftlicher Stigmatisierung, sind für viele eine prägende Phase.
Doch anstatt diese Vielschichtigkeit anzuerkennen, werden körperliche Beschwerden von Frauen häufig vorschnell als rein psychisch abgetan. Die Psychologin und Expertin für Frauengesundheit Beate Wimmer-Puchinger bringt es auf den Punkt: „Frauen werden nach wie vor gerne als ,Psycherl‘ tituliert. Das ist nicht nur diskriminierend, sondern schwächt auch die Wahrnehmung der tatsächlichen Belastungen, denen wir ausgesetzt sind.“
Das Erbe der Geschlechterrollen
Die Ursachen für diese ungerechte Wahrnehmung liegen tief in der Geschichte verankert. Schon die antike Medizin stempelte Frauen als „hysterisch“ ab – ein Begriff, der auf das griechische Wort „hystera“ für Gebärmutter zurückgeht und suggeriert, dass weibliche Psyche und Körper untrennbar in irrationalem Verhalten verwoben seien. Das Bild hielt sich jahrhundertelang – bis heute. Noch immer, das zeigen auch Studien, werden bei Frauen eher psychische Erklärungen für Schmerzen gesucht, während Männer mit ähnlichen Symptomen auf körperliche Ursachen untersucht werden.
„Das Rollendenken hat sich in unser medizinisches System eingeschrieben“, erklärt Wimmer- Puchinger. „Frauen werden seit jeher als ‚emotional‘ und ‚anfällig‘ gesehen, während Männern Rationalität und Stärke zugeschrieben werden.“ Dieser Bias, so warnt sie, kann fatale Folgen haben: Erkrankungen wie Herzinfarkte werden bei Frauen oft zu spät erkannt, weil typische Symptome mit Stress oder psychischen Problemen verwechselt werden. „Man hat aber zum Glück mittlerweile verstanden, dass Frauen andere Risikofaktoren und Symptome aufweisen und deshalb auch eine andere medizinische Betreuung benötigen.“
