An Feiertagen nimmt die unbezahlte (und meist unsichtbare) Arbeit von Frauen neue Dimensionen an: Feste wie Ostern werden für weibliche Familienmitglieder zum logistischen und mentalen Balanceakt.
Leere Tische, kein Osterbrunch, ungefärbte Eier und… sind die Gäste überhaupt eingeladen worden? So würden Feiertage möglicherweise aussehen, wenn die Arbeit, die Frauen im Hintergrund leisten, nicht stattfinden würde. Während sich die meisten Familienmitglieder an einen fertig gedeckten Esstisch setzen, hat bereits Wochen vorher „jemand“ Einkaufslisten geschrieben, Essenspräferenzen von allen Gästen bedacht und bemerkt, dass noch passende Servietten fehlen. Dieser „jemand“, der jene Aufgaben übernimmt? In den allermeisten Fällen Mütter, Töchter, Tanten und Co. – also die Frauen des Haushalts. Denn: Feste wie Ostern passieren nicht einfach, sie werden gemacht.
„Feier“tage
Aus Kinderaugen betrachtet fühlen sich Feiertage wie ein kleines Wunder an: Das aufwändige Essen scheint wie von Zauberhand aufgetischt zu werden, Geschenke werden vom Osterhasen, Christkind und Co. praktischerweise direkt an die Haustür geliefert und Dekorationen sowie Gedecke tauchen wie von selbst auf. Dass hinter dieser scheinbaren Mühelosigkeit Planung, Zeit und Stress stecken, bleibt dabei unsichtbar. Erst als Erwachsene:r verschiebt sich der Blick: Die Magie weicht der Realität, in der klar wird, dass all das organisiert, vorbereitet und durchdacht werden muss.
Und damit nicht genug: Auch am Tag der Feste selbst sind Frauen die erste Anlaufstelle für die geladenen Personen. Hinter einer Feier, die für andere Familienmitglieder ein zwangloses Beisammensein darstellt, steht oft eine Person, die kaum selbst Teil davon ist. Sie ist die meiste Zeit mit der Organisation beschäftigt, beantwortet Fragen, schenkt Getränke nach und bemerkt, wenn jemand einen Nachschlag möchte.
Zusätzlich werden Frauen für die Atmosphäre – ob positiv oder negativ – verantwortlich gemacht und fühlen sich verpflichtet, das Wohlbefinden aller Gäste im Blick zu behalten. Schließlich gibt es etliche Erwartungen zu erfüllen: Die Schwiegereltern beäugen die Sauberkeit des Zuhauses kritisch, es gibt von allen Seiten Feedback zum selbstgebackenen Kuchen und harmonisch soll die Feier auch ablaufen.
In solchen Situationen tragen Frauen nicht nur hohe Ansprüche an sich selbst, sondern oft auch die Verantwortung für ein reibungsloses Miteinander. Es geht nicht nur darum, dass das Essen rechtzeitig auf dem Tisch steht – das ist ja schließlich „selbstverständlich“ – parallel dazu läuft eine zweite Ebene der mentalen Arbeit: Stimmungen werden beobachtet, Spannungen früh erkannt, Gespräche gelenkt oder abgefedert, bevor sie kippen. Diese permanente Aufmerksamkeit, auch Mental Load genannt, ist kaum sichtbar, aber zentral für das Gelingen der Feier. Denn bewertet wird nicht nur, ob überhaupt organisiert wird, sondern auch, wie gut.
„Vielleicht ist die wichtigste Frage zu Ostern nicht, wer die Eier versteckt hat – sondern wer überhaupt daran gedacht hat, sie zu kaufen.“
Traditionen – damals wie heute
Wirft man einen Blick in die Ursprünge des Osterfests, sind es auch da Frauen, die informiert sind, handeln und sich kümmern: In der biblischen Erzählung sind sie als Erste da sind und gehen hin, sehen nach und erzählen weiter. Ein Muster, das erstaunlich vertraut wirkt.
Die Traditionen, die wir heute an Feiertagen wie Ostern seit unserer Kindheit gewohnt sind, haben wir Frauen zu verdanken. Sie sind es, die die Magie der Feiertage am Leben erhalten, die damit einhergehenden Rituale zelebrieren und Vorbereitungen treffen, um die Feste zu dem zu machen, was sie sind. Wie würde Weihnachten für Kinder ohne geschmückten Christbaum, selbstgebackenen Keksen und verpackten Geschenken aussehen? Und wie viel Freude würde ihnen Ostern ohne Jause, Eiersuche oder Schokoladenkörbchen bereiten?
Wer die mentale, organisatorische und logistische Arbeit hinter den Feiertagen leistet, lässt sich nicht mehr übersehen. Und genau darin liegt auch eine Verantwortung: hinzuschauen, anzuerkennen und diese ungleich verteilte Arbeit nicht mehr als selbstverständlich hinzunehmen.
Denn vielleicht ist die wichtigste Frage zu Ostern nicht, wer die Eier versteckt hat – sondern wer überhaupt daran gedacht hat, sie zu kaufen.
Mental Load-Checkliste für Feiertage
An diese Aufgaben muss vor Festen gedacht werden:
LOGISTIK
- Wie viele Personen kommen? Gibt es genug Platz für alle?
- Wer organisiert Tisch, Deko, Geschirr und Sitzordnung?
- Welche Geschenke werden gebraucht – und für wen?
- Wer erinnert an Termine, Uhrzeiten und Zuständigkeiten?
- Wer kümmert sich um Aufräumen, Abwasch und Nachbereitung?
ESSEN
- Welche Unverträglichkeiten, Allergien und Nahrungspräferenzen haben die Gäste?
- Was wird gekocht – und wer übernimmt Einkauf, Planung und Zubereitung?
- Sind genug Getränke, Beilagen und Alternativen für alle da?
- Wer denkt an Nachschub, wenn am Tisch etwas ausgeht?
STIMMUNGSMANAGEMENT
- Wer sorgt dafür, dass sich alle wohlfühlen und niemand ausgeschlossen ist?
- Wer vermittelt zwischen unterschiedlichen Meinungen oder Generationen?
