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Meine wunderbare Tochter Emilia

„Welt der Frauen“-Leserin Maria G. (46) aus Leonding ist Finanz- und Controlling-Leiterin in der Privatwirtschaft und Mutter von zwei Kindern: Sohn Tobias (10) und Tochter Emilia (8). Von Emilia ist sie vor allem deshalb so begeistert, weil diese trotz ihres jungen Alters schon nachhaltig denkt. In der Volkschülerin steckt nämlich eine kleine Umweltschützerin, die sich um Meeresbewohner und „Mutter Erde“ sorgt und dem Konsumterror abschwört. Wir fragten erst bei der Mutter nach und baten anschließend die Tochter zum Gespräch.

Meine Tochter Emilia ist ein fröhliches und für unsere Zeit bescheidenes Kind, das einem viel zurückgibt. Ihr luftig-leichtes Wesen verblüfft mich immer wieder. Es ist faszinierend, was sie alles aufschnappt und worüber sie sich schon in ihren jungen Jahren Gedanken macht. Ihr Herzensanliegen ist der Klimaschutz. Freiwillig vermeidet sie Plastik, fährt lieber mit dem Bus, dem Zug oder dem Fahrrad als mit dem Auto und bevorzugt Second-Hand-Mode. Zusätzlich ist es ihr beim Einkaufen total wichtig, von wo die Lebensmittel kommen, und dass Schokolade das Fair Trade-Logo hat. Auf diese Weise beeindruckt und sensibilisiert sie auch andere Menschen, die die Notwendigkeit eines nachhaltigen Lebens noch nicht erkannt haben.
Maria G.

Welche Motive Emilia antreiben, erfuhren wir im Interview mit ihr persönlich: 

Emilia: „Mit Plastik tun wir uns selbst nix Gutes“

Emilia, du hast vor kurzem deinen achten Geburtstag gefeiert. Wie hast du ihn verbracht?
Ich habe vier Freunde eingeladen: drei Mädels und einen Burschen, den Marko. Er ist unser Nachbar und der Bruder meiner elfjährigen Freundin Stella. Die Torte hatte die Form eines Zuges, den mir die liebste Oma auf der ganzen Welt jedes Jahr macht. An jedem Geburtstag wird der Zug länger, weil für jedes neue Lebensjahr ein Waggon dazu kommt. Außerdem gab es eine Schnitzeljagd. Der Schatz waren Schokokugeln und ein Planetenbuch. Das hat auch meinem Linzer Opa gefallen. Er war nämlich Physik-Lehrer und interessiert sich für das Universum genauso sehr wie ich! Danach haben wir noch gespielt und gegrillt. Die Feier hat den ganzen Nachmittag lang gedauert.

Emilia mit ihrer Oma

Erzähl mir mehr von deiner Freundin Stella. Was ist so besonders an ihr?
Sie ist sehr hilfsbereit und spielt immer voll nett mit mir Lego und Playmobil. Ich habe schon viel von ihr gelernt. Schwimmen oder Turnübungen am Trampolin zum Beispiel. Manchmal machen wir auch einen Parcours und plantschen im Pool. Stella kenne ich, seit wir in unser Haus gezogen sind. Das ist vier Jahre her. Ich war damals noch im Kindergarten.

Zum Geburtstag hast du dir Gewand von Stella gewünscht. Allerdings kein neues, sondern eines, das sie bereits getragen hat. Ging dein Wunsch in Erfüllung?
Ja! Sie hat mir Turngewand und Badesachen geschenkt und dazu noch ein schwarzes Rockerl und ein weißes Leiberl. Die Turnhose hat mir so gut gefallen, dass ich sie gleich drei Tage hintereinander getragen habe, obwohl sie mir noch ein bisserl zu groß ist. Außerdem habe ich mir noch von Stella gewünscht, dass sie bei mir übernachtet.

Emilia und Stella

Was hast du dir von den anderen Kindern gewünscht?
Ich habe gleich auf die Einladung geschrieben, dass ich gerne ein Zeitgeschenk hätte. Das kann zum Beispiel sein, dass ich bei jemandem übernachten darf oder dass ich mit jemandem ins Parkbad gehe.
Meine Freundin Lena aus dem Kindergarten, die ist jetzt sechs Jahre alt, hat mir daraufhin einen Gutschein für einen Ausflug geschenkt. Den habe ich gleich eine Woche später eingelöst. Ich war mit ihr und ihren Eltern Rad fahren. Wir sind mit der Fähre nach Ottensheim gefahren, haben gemeinsam zu abendgegessen und ein Eis haben wir auch noch bekommen. Das war cool. Von meiner Freundin Matthilda, die war auch bei der Geburtstagsparty, habe ich voriges Jahr zum Beispiel einen gemeinsamen Kinobesuch bekommen. Da haben wir uns dann den „Pumuckl“ angesehen. Es war so lustig!

Noch einmal zur Kleidung: Andere Kinder wollen nur neue Kleidung haben. Warum wünschst du dir alte Kleidung?
Weil alte Sachen nicht neu produziert werden müssen – das ist gut für die Umwelt und auch für die Kinder, die in armen Ländern wohnen, es nähen müssen und für diese Arbeit fast kein Geld bekommen. Und weil ich es mag, wenn schon jemand vor mir mein Gewand anhatte.

Emilia und ihre MamaIst dir dabei wichtig, dass du die Person, die es getragen hat, kennst und magst?
Das ist mir eigentlich wurscht. Meine gebrauchte Winterjacke haben wir am Kinderflohmarkt gekauft. Wem sie vorher gehört hat, weiß ich nicht. Ich bekomme recht viel von Freundinnen geschenkt. Hin und wieder bekomme ich schon was Neues und einmal im Jahr kauft mir mein Linzer Opa etwas Besonderes zum Geburtstag. Aber auch da schauen die Mama und ich darauf, dass es Bio und Fairtrade ist und kein billiges Klumpert. Auch mein Spielzeug soll, wenn möglich, nicht aus Plastik sein.

Kannst du erklären, warum Plastik schlecht ist?
Also: Plastik verfault nicht. Es kann sein, dass es ins Meer fällt. Dann essen es die Fische oder Schildkröten. Die können dann sterben. Wenn wir Menschen die Fische essen, landet das Plastik auch in unseren Bäuchen. Mit Plastik tun wir uns selbst nix Gutes.

Woher weißt du denn das alles? Aus der Schule?
Nein. Viel weiß ich aus der Fernsehserie „Woozle Goozle“ (sprich: Wusl Gusl), die jeden Abend um 20 vor sieben auf dem Toggo-Kanal läuft. Da gibt es ein blaues Viech mit roten Haaren, zwei Zähnen, und einem verbrannten Loch im Ohr. Es schaut aus wie eine Maus, aber ich glaube, es ist ein Schaf! Das Viecherl ist sehr g‘scheit. Außerdem gibt es dort einen Menschen, der alles voll gut erklärt. Als ich die Serie zum ersten Mal gesehen habe, habe ich angefangen nachzudenken, was ich selbst noch besser machen kann. Manchmal spiele ich „Woozle Goozle“ im Hort mit meinen Freundinnen nach. Da lernen dann alle was.

Wie schützt du die Umwelt?
Ich verwende so wenig Plastik wie möglich. Mineralwasser trinke ich aus Glasflaschen, genauso den selbstgemachten Hollersaft von Oma. Außerdem esse ich viel vegetarisch oder vegan. Fleisch haben wir nur selten. Es muss aber Bio sein. Bevor ich es esse, rede ich mit meiner Familie immer darüber, dass es dem Tier gut gegangen ist, und dass wir es wertschätzen. Fleisch essen ist also etwas Besonderes. Das sage ich auch anderen Kindern. Ganz, ganz selten ist ihnen das wurscht. Wenn es ihnen wurscht ist, versuche ich es ihnen zu erklären. Ich bin aber nicht ganz wütend, wenn sie das nicht „checken“.

Und wie stehst du zu Flugzeugen?
Ich war noch nie in einem Flugzeug und mich interessiert auch nicht, wie sich Fliegen anfühlt. Hauptsache ist, dass ich nicht fliege, denn das verschmutzt die Umwelt. Ich bin da sogar strenger als meine Eltern. Die meinen, manchmal zu fliegen, sei schon okay. Aber fremde Städte kann man auch anders bereisen. Deshalb werden wir heuer im Sommer mit dem Zug nach Berlin fahren. Mein Traum ist es nämlich, alle Hauptstädte kennen zu lernen. Überhaupt liebe ich fremde Länder. Da kenne ich noch fast nix und darf neue Sachen entdecken. Besonders schön war es in Kroatien.

Emilia mit Mama und Bruder TobiasStört es dich, wenn die Leute dort eine andere Sprache sprechen, die du nicht verstehst?
Es wäre schon gut, wenn sie Deutsch sprechen würden, aber da kann man nix machen. In der Schule lernen wir Englisch, aber leider nicht so viel. Im Corona-Heimunterricht war es noch weniger.

Wie ging’s dir denn mit dem Home-Schooling?
Die ersten Wochen gut, danach ist mir langweilig geworden. Da hatte ich dann keine Lust mehr, auch, weil keine Freunde da waren.

Zum Glück hast du deinen Bruder Tobias zum Spielen!
Ja, aber wir streiten auch oft. Aber wenn er dann mal nicht da ist, dann vermisse ich ihn. Er ist ganz anders als ich, aber ich mag ihn. Was wir beide nicht mögen, ist das Zusammenräumen. Aber mir ist Ordnung schon wichtig. Deshalb will ich nur wenige Spielsachen haben. Das ist gut. Dann muss ich mich von ihnen auch nicht trennen. Trennen fällt mir nämlich schwer.

Fotos: privat

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