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Mein Kind, der Wanderpokal

Elisabeth ist getauft. Getauft auf ihren Namen und unter Anwesenheit von so vielen Menschen, die uns viel bedeuten und denen unser kleiner Schatz schon jetzt sehr am Herzen liegt. Die Kirche ist mir dieses Mal viel kleiner und irgendwie schlichter vorgekommen als damals vor sechs Jahren bei der Hochzeit. Der liebe, gutherzige Pater, der uns damals getraut hat, wirkte als Konzelebrant mit, was dem Ganzen noch mehr Feierlichkeit und eine familiäre Herzlichkeit verliehen hat. Nach ein paar Momenten der Aufregung – dem Kind am Rücksitz irgendwie das Taufkleid übergestülpt, der Pate verspätet, das Kind gestresst und weinend – kam die Kleine zur Ruhe und somit auch wir. Wunderschön und erhebend fand ich die Zeremonie und den musikalischen, festlichen Rahmen, anders kann ich es nicht beschreiben. Ich habe die gesagten Worte und Gesten sehr bewusst wahrgenommen und wirken lassen. Unvergessliche, einprägsame Momente gekoppelt als viele schöne und auch schmerzhafte Erinnerungen.

Im Gasthaus wurde unser kleiner, weiß gewandeter Täufling herumgereicht wie ein Wanderpokal. So schlimm war es vielleicht nicht, aber es ist mir so vorgekommen, da sie sonst eigentlich auf mir wohnt. Das Ganze natürlich nur unter meinen strengen Blicken und denen der Omas. Das Leuchten in den Augen der Großtanten, entfernten Kusinen und ewigen Freunden der Familie hat mich sehr gerührt. Als meine eigene Oma die Kleine dann im Arm gehalten hat, einen Moment, auf den sie schon wochenlang hingefiebert hatte, konnte ich fast miterleben, wie vor ihrem inneren Auge ein Film ablief von der Geburt ihrer fünf Kinder und der Begegnung mit ihren zehn Enkelkindern und mit Michi, ihrem ersten Urenkerl. Zumindest habe ich mir das so vorgestellt. Ich habe die Zeremonie, die vielen Umarmungen und Geschenke, die erlebte Begeisterung und die Segenswünsche als strahlendes Willkommensgeschenk für unsere Tochter empfunden. Jetzt ist sie wirklich hier in unserer Mitte angekommen.

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com