Krisen treffen Frauen besonders – in vielerlei Hinsicht. Umso wichtiger ist es, sich eine Resilienz aufzubauen – auch in finanzieller Hinsicht. Aber wie? Das weiß Natascha Wegelin alias Madame Moneypenny.
Wenn die Welt ins Wanken gerät, wird sichtbar, worauf sie gebaut ist – und auf wessen Rücken sie ruht. Finanzkrisen, Pandemien oder Inflation treffen nicht alle gleich, sie legen vielmehr offen, was im Alltag oft übersehen wird: dass ökonomische Sicherheit noch immer ungleich verteilt ist. Während Börsenkurse fallen und politische Rettungspakete verhandelt werden, verschiebt sich die Last der Stabilisierung still in die Privathaushalte – an Küchentische, in Pflegezimmer, zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung.
Dort sind es überwiegend Frauen, die auffangen, was Systeme nicht mehr leisten. Aber warum treffen Krisen besonders Frauen? Und wie können wir lernen, finanziell widerstandsfähiger zu werden? Die Autorin Natascha Wegelin hat uns die wichtigsten Fragen beantwortet und außerdem erklärt, warum finanzielle Verwundbarkeit kein individuelles Versagen ist und wieso der Weg zu echter Unabhängigkeit für viele Frauen nicht nur durch Zahlen, sondern auch durch tief verankerte emotionale Muster führt.
Sie schreiben, dass Krisen bestehende Ungleichheiten sichtbar machen und verschärfen. Warum treffen finanzielle Krisen Frauen strukturell härter als Männer?
Weil Krisen nicht im luftleeren Raum stattfinden. Sie wirken auf bestehende Strukturen und diese sind für Frauen nach wie vor ungünstiger. Ungleichheiten werden in Krisen nicht plötzlich neu entdeckt, sondern sie zeigen sich ganz konkret darin, wer die Last trägt, wenn Systeme unter Druck geraten; wer Arbeitszeit reduziert, und mehr unbezahlte Care-Arbeit übernimmt. Frauen verdienen im Schnitt rund 16 Prozent weniger als Männer, besitzen weniger oder sogar gar kein eigenes Vermögen, übernehmen einen Großteil der unbezahlten Care-Arbeit und erhalten im Alter über 35 Prozent weniger Rente. In Krisen wird genau diese Arbeit systemrelevant, weil staatliche Strukturen an ihre Grenzen kommen: Wenn Kitas schließen, Betreuungslücken entstehen oder Pflegeangebote wegfallen, wird diese Arbeit privat aufgefangen – meist von Frauen aber weiterhin nicht bezahlt. Gleichzeitig reduzieren Frauen ihre Erwerbsarbeit schneller, um Lücken zu schließen, die der Sozialstaat offenlässt. Das führt dazu, dass Krisen Frauen nicht nur emotional stärker belasten, sondern sie auch schneller in finanzielle Verwundbarkeit bringen.
