Einer zunehmend wissenschaftsfeindlichen Welt setzte Barbara Frischmuth verständiges Beobachten und Fantasie entgegen.
Am 30. März, an der Schwelle des neuen Gartenjahrs, ist Barbara Frischmuth gestorben. Ihr Garten in Altaussee war Schauplatz ihres Begreifens, im Sinne von Hand- und Kopfarbeit. Daraus ist nicht nur eine persönliche Naturoase entstanden, sondern auch Bücher, in denen ihre Gedanken und Beobachtungen für die Nachwelt aufgehoben sind. Der Garten hat mit der Literatur gemein, dass er Einsicht in andere Welten bringt.
Im Rahmen der schön gestalteten Reihe „Dinge des Lebens“ widmete sich die Autorin den Gerätschaften, welche der verlängerte Arm der Gärtnerin sind. Dabei greift sie weit zurück: Um ihre Hände geschickt gebrauchen zu können, wählten unsere Vorfahren den aufrechten Gang und entwickelten erste einfache Werkzeuge. Moderne Schaufeln, Rechen und Scheren hingegen gibt es in allen Größen und Farben: Ihr natürlicher Feind ist die grüne Tonne, die sie allesamt zu verschlucken droht. Nicht selten endet ein arbeitsreicher Gartentag mit einem Eintauchen in ihren Schlund (meiner Erfahrung nach frisst die grüne Tonne Scheren am liebsten). Mit den anderen Gartenarbeitern wie Insekten und Mäusen versuchte Frischmuth, Deals einzugehen, die ein gedeihliches Miteinander ermöglichten.
Auch die letzten Erzählungen sind geprägt von der Suche nach Erkenntnissen, die auf Beobachtungen, nicht auf Behauptungen beruhen. Tom ist Libellenforscher, „er musste alles, was er in seinem Kopf gespeichert hatte, in ein Buch schreiben, damit auch die Wissenschaftler etwas davon haben würden“. Als Erkenntnisquelle für jene, die mit der Wissenschaft nicht so viel anfangen können, setzt Frischmuth die Fantasie als ein lustvolles Erschaffen andersartiger Wesen und Welten, ein horizonterweiterndes Verdrehen der Wirklichkeit. Lebia ist ihrer Mutter in der Straßenbahn aus dem Bauch gerutscht und wurde von einer anderen Frau aufgenommen. Da sie sich einen Käfernamen ausgesucht hat, möchte sie die Lebensweise dieser Tiere verstehen.
Elena wiederum ist mit Faltern aufgewachsen, hat alles über sie gelesen und richtet einen Raum so ein, dass sie ein und aus fliegen können. Frischmuths Figuren führen jenen pendelnden Blick zwischen Bücherwissen und forschender Lebenserfahrung vor, den sich die Autorin wohl auch von ihren Leser:innen erhofft hat.
Barbara Frischmuth: Schaufel, Rechen, Gartenschere. Was die Hände brauchen. Residenz Verlag, 15,95 Euro. Hier erhältlich.
Barbara Frischmuth: Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter. Residenz Verlag, 22,95 Euro. Hier erhältlich.