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KW 48/2014: Zeigzeug

Das hiesige Wanderzeichen, das auch immer ein bisschen an die österreichische Flagge erinnert, ist ein ungemein beruhigendes Ding. Ich gehöre zu den Menschen, die ihm fast jedes Wochenende nachrennen und bin zufrieden, wenn es hin und wieder am Wegrand auftaucht, wie ein guter Freund, der zuwinkt: „Alles in Ordnung, ich führe dich, genieß du den Weg.“ Die Nervosität steigt aber, wenn es sich längere Zeit nicht blicken lässt.

Und das ist öfter der Fall, denn auf Österreichs Wanderwegen sind diese Dinger – die ein berühmter Philosoph als „Zeigzeug“ bezeichnet hätte – höchst inkonsequent verteilt. Entweder sind nämlich so viele verschiedene aufgebaut, wie im komplett übersignifizierten Mödling, dass man sich allein deshalb verläuft. – Oder die Zeichen sind uneindeutig platziert. Ziemlich oft, ja regelmäßig, sind sie VOR einer Weggabelung angebracht, aber nicht danach. Was habe ich schon geflucht und spekuliert, dass es sich um eine landesübliche Eigenart handelt und alle Einheimischen außer mir wissen, was das zu bedeuten hat. – Manchmal reißt die Kette der Zeichen auch ganz ab, kilometerlang kommt nichts, bevor man dann auf eine Passagen trifft auf der – wie zum Hohn – jeder dritte Baum ein Zeichen trägt. Danke, danke.

Es gibt große Theorien darüber, dass man Dinge am besten versteckt, indem man sie offen liegen lässt. Wie viele der heiß ersehnten Wanderzeichen habe ich nicht erkannt, weil sie zu sichtbar waren? Ich frage mich aber, ob sich die „Zeigzeuge“ nicht auch selbständig machen, ob sie nicht nachts ihre Position wechseln oder auch tagsüber mal da sind, mal dort, und uns eben narren. Eine Regel mit Dingen, die man nicht sieht, ist jedenfalls: Man darf sie nicht suchen, dann verschwinden sie erst recht. Sie zeigen sich wann und wo sie wollen.