Die Handyzeit von Kindern ist ein häufiges Streitthema. Dahinter stehen unterschiedliche Sorgen – etwa die Angst vor Kurzsichtigkeit. Wie kann ein guter Umgang mit Bildschirmzeiten gelingen?
Die Medienzeit ist ein häufiges Streitthema in Familien. Kinder und Jugendliche verbringen heute oft etliche Stunden am Tag vor Displays. Macht zu viel Bildschirmzeit kurzsichtig?
Anna Reisinger: Es ist tatsächlich so – das zeigen auch die Daten –, dass die Bildschirmzeit einen Einfluss auf die Entstehung der Kurzsichtigkeit hat. Je mehr Zeit vor einem Monitor verbracht wird, desto höher ist auch das Risiko für Kurzsichtigkeit. Interessanterweise spielt weniger das Licht eine Rolle, das der Bildschirm aussendet, sondern die Art, wie man auf das Display schaut, nämlich meistens sehr starr, ohne Bewegung, man fokussiert sich lange auf die Nähe, während man bei einem Buch immer wieder die Augen bewegt, um den Text erfassen zu können.
Kann man sagen, ab wann es für die Augen bedenklich wird? Und wie kann man die Augen entlasten?
Reisinger: Ab einer Stunde pro Tag steigt das Risiko für Kurzsichtigkeit. Es ist allerdings nicht jeder gleich gefährdet. Auch die Genetik spielt eine große Rolle. Wenn beide Eltern kurzsichtig sind, hat das Kind ein erheblich höheres Risiko, selbst auch kurzsichtig zu werden. Um die Augen zu entlasten, wird die 20-20-20-Regel empfohlen: Alle 20 Minuten sollte man eine 20-sekündige Pause machen und versuchen, rund 20 Meter in die Ferne zu schauen. Das entspannt die Augenmuskeln und befeuchtet die Augen wieder besser. Ansonsten lautet das Motto: So wenig Bildschirmzeit wie möglich. Ich rate Eltern, die in die Praxis kommen, auch, dass Fernsehen besser ist, als am Tablet oder Handy Filme zu schauen. Denn dabei entsteht oft ein tranceähnlicher Zustand und der Bildschirm kommt immer näher an die Augen heran. Unser Grundzustand ist der entspannte Blick in die Ferne, wir waren früher Fluchttiere, und unser Sehorgan ist darauf ausgerichtet, dass wir in die Ferne schauen und nur punktuell in die Nähe.
