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09/2026

KI und Feminismus: „Wir dürfen uns von KI nicht abhängen lassen“

KI und Feminismus: „Wir dürfen uns von KI nicht abhängen lassen“
Foto: Antje Wolm
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  • Veröffentlicht: 01.09.2026
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Künstliche Intelligenz gehört für viele Menschen zum Alltag. Bei falscher Nutzung verstärkt sie aber Ungleichheiten. Wirtschaftspsychologin Elke Pichler erklärt, wie ein feministischer Umgang mit KI gelingen kann.

KI ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Wann kam für Sie der Moment, an dem Sie dachten: Das ist ein Thema, mit dem wir uns ernsthaft beschäftigen müssen?
Das war im Herbst 2023. Eine Kollegin kam von einem Leadership-Offsite eines Bankvorstands in Hamburg zurück. Dort hatte ein Futurist über Künstliche Intelligenz gesprochen. Sie sagte sofort: „Wir müssen unbedingt etwas zu KI machen.“ Ich war zunächst überhaupt nicht begeistert und dachte: Das ist wieder so ein IT-Tool, über das jetzt alle sprechen, das aber für unsere Arbeit kaum relevant ist. Aber dann kam derselbe Futurist nach Wien und hat bei einem Workshop meinen Blick darauf verändert. Mir wurde klar, dass wir gerade das Gleiche erleben, wie damals mit Computern und Microsoft Office – KI verändert unsere Arbeitswelt grundlegend. 

Warum ist es Ihnen so wichtig, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten?
Mir geht es dabei gar nicht um wirtschaftliche Chancen. Ich wollte einfach von Anfang an dabei sein. Meinem Team und mir war schon vor der KI bewusst, welchen Einfluss Algorithmen auf Entscheidungen haben – etwa bei Krediten oder Bewerbungsverfahren. Und weil wir vor allem mit Frauen arbeiten, wollten wir uns nicht von dieser Entwicklung abhängen lassen. Ich finde, Frauen müssen sogar dabei sein, damit KI Gleichberechtigung stärkt und bestehende Ungleichheiten nicht weiter verschärft. 

Gleichberechtigung ist ein schwieriges Thema in Bezug auf KI. Viele Systeme reproduzieren gesellschaftliche Vorurteile und Klischees, statt sie zu durchbrechen. Wie kann man gegensteuern?
Der erste Schritt ist Weiterbildung. Und zwar kontinuierlich. Im Gegensatz zu einer Excel-Schulung reicht es bei KI nicht, einmal einen Kurs zu besuchen. Die Entwicklung ist so rasant, dass man dauerhaft dranbleiben muss. Schon alle zwei Wochen eine halbe Stunde lang mit der KI zu arbeiten, kann einen großen Unterschied machen. Wir empfehlen außerdem, KI über ein persönliches Interessensgebiet kennenzulernen. 

Zum Beispiel?
Eine Teilnehmerin unserer Workshops ist Geschäftsführerin eines größeren Unternehmens und gleichzeitig Mitglied in einem Buchclub. Sie wollte schon lange eine Website für ihren Buchclub erstellen. Mit KI hat sie sich Schritt für Schritt herangetastet: Die KI half ihr beim Konzept, bei den Texten, bei den Grafiken und schließlich bei der Veröffentlichung. Solche Herzensprojekte erleichtern den Einstieg enorm. 

„Eine aktuelle Studie zur sogenannten KI-Kompetenzfalle zeigt, dass Frauen, die KI sichtbar nutzen, häufiger als weniger kompetent wahrgenommen werden.“

Und was brauchen wir gesellschaftlich für eine gerechtere KI?
Auf gesellschaftlicher Ebene ist es genauso wichtig, informiert zu bleiben und sich einzubringen. In Deutschland gab es beispielsweise großen Protest, als der Staat den Einsatz einer Software aus dem Umfeld von Peter Thiel prüfte. Durch öffentlichen Druck wurde dieses Vorhaben schließlich gestoppt. Dafür muss man aber erstmal wissen, was gerade passiert. Ebenso wichtig ist der Austausch mit anderen. In unseren Workshops merken wir immer wieder: Die Teilnehmenden lernen oft am meisten voneinander. Wenn jemand erzählt, wie KI im Personalwesen oder im Finanzbereich eingesetzt wird, ist das häufig greifbarer als jeder theoretische Vortrag. 

Gibt es inzwischen KI-Systeme, die beim Thema Gleichberechtigung besser aufgestellt sind als andere?
Leider sind viele Systeme nach wie vor stark verzerrt. Wir arbeiten beispielsweise mit einem Präsentationstool, das mit einem einzigen Prompt komplette Foliensätze erstellt. Rund 90 Prozent der dargestellten Personen sind männlich. Deshalb überarbeiten wir die Ergebnisse bewusst und ersetzen Männer durch Frauen, achten auf unterschiedliche Hautfarben und versuchen, mehr Diversität sichtbar zu machen. Wichtig ist, diese Verzerrungen überhaupt zu erkennen. Ich empfehle deshalb, mit der KI in einen Dialog zu gehen. Man kann beispielsweise fragen: „Wo könnte deine Antwort verzerrt sein?“ oder „Welche Bias könnten hier eine Rolle spielen?“ Erstaunlicherweise reflektieren viele Systeme das inzwischen recht gut und weisen selbst auf mögliche Einseitigkeiten hin. 

Dennoch tragen KI-Systeme unhinterfragt noch dazu bei, Ungleichheiten zu verstärken.
Genau. Eine aktuelle Studie zur sogenannten KI-Kompetenzfalle zeigt sogar, dass Frauen, die KI sichtbar nutzen, häufiger als weniger kompetent wahrgenommen werden. Männer hingegen gelten bei derselben Nutzung als innovativ und pragmatisch. Das bringt Frauen in einen echten Teufelskreis: Sie nutzen KI seltener. Wenn sie sie nutzen, werden sie dafür teilweise negativ bewertet. Nutzen sie sie gar nicht, laufen sie Gefahr, technologisch zurückzufallen. Ich würde gerne sagen, dass sich dieses Problem bald erledigt. Aber ich glaube, das passiert nur, wenn wir uns aktiv mit der Technologie auseinandersetzen, sie verstehen und lernen, sie für unsere eigenen Ziele einzusetzen. 

Kann man durch geschickte Prompts solche Verzerrungen zumindest teilweise ausgleichen?
Nicht wirklich. Es gibt eine spannende Studie der Cornell University. Darin wurden drei Rollen getestet: „Du bist Journalistin mit Schwerpunkt Gleichberechtigung“, „Du bist Journalist mit Schwerpunkt Gleichberechtigung“ und eine neutrale Formulierung ohne Geschlechtszuweisung. Anschließend wurde die Qualität der Antworten bewertet. Die besten Ergebnisse entstanden mit der neutralen Rolle, die zweitbesten mit der männlichen – und die schlechtesten, wenn die KI ausdrücklich als Journalistin angesprochen wurde. Allein die weibliche Zuschreibung führte also zu schlechteren Ergebnissen. Das war 2023. Man könnte denken, seitdem habe sich durch die enormen Investitionen vieles verbessert. Doch auch neuere Studien zeigen ähnliche Muster.  

Foto: shutterstock

KI spiegelt gesellschaftliche Strukturen wider. Wer trägt aus Ihrer Sicht die Verantwortung dafür, diese Verzerrungen zu verändern?
Ich finde den österreichischen Weg grundsätzlich richtig, stärker auf europäische KI-Modelle zu setzen. Natürlich transportieren KI-Systeme immer auch Werte. Das merkt man schnell, wenn man sie zu ethischen Themen befragtetwa zur Todesstrafe, zum assistierten Suizid oder zum Thema Schwangerschaftsabbruch. Daran erkennt man, dass hinter jedem Modell bestimmte Wertvorstellungen stehen. Mit Mistral gibt es inzwischen einen Anbieter, den wir dahingehend grundsätzlich empfehlen können. Gleichzeitig sehe ich eine klare politische Verantwortung. Regierungen müssen definieren, was KI leisten darf, wo Grenzen liegen und welche Regeln gelten. Wir haben schließlich auch Gleichbehandlungsgesetze. Es kann nicht akzeptabel sein, dass Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder anderer Merkmale systematisch benachteiligt werden. 

Aber wir können die Verantwortung nicht ausschließlich an die Politik abgeben, oder?
Auf keinen Fall. Führungskräfte sollten sich weiterbilden, ihre Mitarbeitenden qualifizieren und sich bewusst mit möglichen Verzerrungen auseinandersetzen. Und letztlich tragen wir alle Verantwortung. Jede und jeder Einzelne kann sich Wissen aneignen, KI kritisch nutzen und lernen, mit ihren Schwächen umzugehen. Noch immer verwenden viele Menschen KI lediglich wie eine Suchmaschine. Dabei schöpfen sie vielleicht zwei oder drei Prozent dessen aus, was heute machbar ist. Wer sich intensiver mit den Möglichkeiten beschäftigt, verschafft sich schon jetzt einen deutlichen Vorsprung. 

Welche Kompetenzen sollten sich gerade Frauen aneignen, um diesen Vorsprung nicht zu verpassen?
Gerade Frauen neigen häufig dazu, sich immer weiter zu optimieren. Frauen sagen oft: „Ich mache erst noch vier Weiterbildungen und bewerbe mich dann.“ Männer kommen dagegen mit einem fertigen Lebenslauf und sagen: „Schauen wir noch kurz drüber und bereiten wir das Bewerbungsgespräch vor.“ Ich glaube deshalb, dass wir Routinen hinterfragen müssen. Welche Arbeitsweisen haben wir über Jahre gelernt, die heute vielleicht gar nicht mehr sinnvoll sind? Welche Aufgaben könnten wir an KI abgeben und stattdessen unsere Zeit für wichtigere Dinge nutzen? Es geht nicht darum, einfach noch mehr zu leisten, sondern Arbeit grundsätzlich neu zu denken. Dafür braucht es Kreativität – und den Mut, Gewohntes loszulassen. Außerdem wünsche ich mir, dass Frauen selbstbewusster mit neuen Technologien umgehen. 

Inwiefern?
Wir wissen aus Studien, dass Frauen im Berufsalltag häufig zusätzlich sogenannte Office Housework übernehmen – sie organisieren Geburtstage, bestellen Kuchen oder kümmern sich um Veranstaltungen. Solche Aufgaben kosten Zeit, bringen aber selten Karrierevorteile. Da könnte die KI vielleicht unterstützend eingesetzt werden. Genau dieses spielerische Experimentieren wird in Zukunft eine entscheidende Kompetenz sein. 

Sie arbeiten mit vielen Unternehmen zusammen. Wie erleben Sie dort aktuell den Umgang mit KI?
Die Spannbreite ist enorm. Wir erleben Unternehmen, die KI komplett verbieten. Das führt dann teilweise dazu, dass Mitarbeitende ihre privaten Geräte nutzen und dort mit KI arbeiten – völlig ungeschützt. Das ist natürlich genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen wollte. Gleichzeitig sehen wir viele Organisationen, die seit Monaten Pilotprojekte durchführen, Konzepte schreiben und testen, testen, testen. Früher war so ein Vorgehen völlig normal. Aber bei der aktuellen Entwicklungsgeschwindigkeit funktioniert das nicht mehr. Unternehmen müssen deutlich schlanker und flexibler werden. 

„Wenn wir beginnen, das Denken vollständig an die KI auszulagern, verlieren wir genau die Fähigkeiten, die uns als Menschen auszeichnen. “

Viele Führungskräfte befürchten, dass Mitarbeitende durch KI das eigenständige Denken verlernen. Wo sehen Sie sinnvolle Einsatzbereiche – und wo eher nicht?
Eine Kollegin hat dafür eine schöne Regel eingeführt: Bevor Mitarbeitende ein komplexes Thema mit der KI besprechen, sollen sie fünf bis zehn Minuten mit Stift und Papier ihre eigenen Gedanken sammeln. Allein das Schreiben aktiviert andere Bereiche unseres Gehirns und sorgt dafür, dass wir mit einer eigenen Idee ins Gespräch mit der KI gehen. Genau darin sehe ich den größten Mehrwert: KI sollte unser Denken erweitern – nicht ersetzen. Ich nutze sie gerne, um meine Überlegungen zu hinterfragen, Wissen zu vertiefen oder neue Perspektiven kennenzulernen. Wenn wir allerdings beginnen, das Denken vollständig an die KI auszulagern, verlieren wir genau die Fähigkeiten, die uns als Menschen auszeichnen. Spannend finde ich allerdings ihren Einsatz für Innovation. Wenn KI uns Routinearbeit abnimmt, gewinnen wir Zeit, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln oder Ideen umzusetzen, für die bisher schlicht die Ressourcen gefehlt haben. 

Viele lassen die KI mittlerweile Mails schreiben. Top oder Flop?
Das wäre für mich ehrlich gesagt nicht die erste Priorität. Beim Schreiben reflektieren wir unsere Gedanken. Dieser Erkenntnisprozess geht verloren, wenn wir jede Nachricht automatisch generieren lassen. Viel interessanter finde ich Anwendungen, die vorher kaum möglich waren: eine eigene Plattform entwickeln, eine Landingpage erstellen oder digitale Angebote bauen – alles Dinge, für die früher oft externe Agenturen notwendig waren und die heute mit KI deutlich schneller umgesetzt werden können. 

Wie nutzen Sie KI persönlich in Ihrem Arbeitsalltag?
Wir überprüfen regelmäßig neue KI-Tools – inzwischen summieren sich die Abonnements allerdings auch ganz ordentlich. Für unsere Textarbeit nutzen wir unter anderem Langdock. Das ist besonders interessant, weil die Plattform DSGVO-konform in Europa gehostet wird und gleichzeitig Zugriff auf verschiedene Sprachmodelle ermöglicht. Für Präsentationen arbeiten wir häufig mit Gamma oder Beautiful.ai. Wir entwickeln zunächst selbst die inhaltliche Struktur, erstellen anschließend mit einem Sprachmodell einen guten Prompt und lassen daraus erste Foliendesigns generieren. Gerade die Angst vor dem berühmten weißen Blatt nimmt einem KI wunderbar ab. Außerdem entwickeln wir Landingpages und digitale Plattformen inzwischen selbstetwa mit Lovable. Dass wir heute ohne externe Agenturen in kurzer Zeit Websites bauen können, verändert unsere Arbeitsweise enorm. Auch bei Visualisierungen unterstützt uns KI. Wir arbeiten beispielsweise viel mit Midjourney. Die Entwürfe werden anschließend von unserer Grafikerin überarbeitet und verfeinert. Für mich ist genau das die ideale Zusammenarbeit: Die KI liefert Geschwindigkeit und erste Ideen, der Mensch sorgt für Qualität, Kreativität und den letzten Feinschliff. 

Sie sind Speakerin auf dem diesjährigen Female Future Festival, das unter dem Motto „The Power of Connection“ steht. Immer mehr Menschen nutzen KI sogar als Therapieersatz. Kann KI echte Verbindung stärken – oder gefährdet sie sie eher?
Das ist tatsächlich eine der spannendsten Entwicklungen. Die Harvard Business Review untersucht seit mehreren Jahren, wie Menschen KI weltweit nutzen. Bereits zum zweiten Mal in Folge steht an erster Stelle nicht das Schreiben von Texten oder E-Mails, sondern Therapie und Begleitung. Das ist zugleich Chance und Herausforderung. Einerseits ermöglicht KI vielen Menschen Unterstützung, die sich sonst vielleicht keine therapeutische Begleitung leisten könnten oder sich aus Scham keine Hilfe holen würden. Ich habe das selbst ausprobiert und muss sagen: In vielen Situationen funktioniert das erstaunlich gut. Bevor jemand gar keine Unterstützung bekommt, kann das durchaus hilfreich sein. Gleichzeitig zeigen Studien aber auch eine Kehrseite. Menschen, die KI verstärkt als emotionale Begleitung nutzen, neigen eher zur Vereinsamung. 

Nicht wirklich überraschend. 
Gar nicht. Der Grund liegt auf der Hand: Beziehungen zu einer KI sind konfliktfrei. Sie kommt nie zu spät, lässt nie die Zahnpastatube offen und widerspricht einem nur selten. Eine Kollegin hat dazu einmal einen Satz gesagt, den ich sehr treffend finde: „Reibung in Beziehungen ist kein Fehler – sie gehört dazu.“ Genau daran wachsen wir. Wenn wir sie immer seltener erleben, weil wir uns stärker an Beziehungen mit KI gewöhnen, wird auch das echte Miteinander schwieriger. Deshalb sollten wir aufmerksam bleiben – auch im Freundes- und Familienkreis. Richtig eingesetzt kann KI aber durchaus Verbindungen stärken.  

Wie?
Wenn sie uns Routinearbeit abnimmt und Zeit schenkt, können wir diese Zeit bewusst in Beziehungen investieren: für Gespräche, gemeinsame Aktivitäten oder echten Austausch. In unseren KI-Programmen bieten wir beispielsweise regelmäßig virtuelle OfficeHours an. Alle sechs Wochen treffen sich die Teilnehmenden online – ohne starres Programm. Es geht ausschließlich darum, Erfahrungen auszutauschen, Fragen zu stellen und voneinander zu lernen. Diese Termine sind jedes Mal gut besucht. Das zeigt mir, wie groß das Bedürfnis nach echtem Austausch ist. Ich glaube deshalb auch, dass Führungskräfte künftig stärker Verantwortung dafür übernehmen müssen, solche Räume bewusst zu schaffen und Begegnung aktiv zu fördern. 

Wenn Sie die Chancen und Risiken von KI zusammenfassen müssten – welche wären das?
Wir sehen bereits heute Anwendungen, die unser Leben spürbar verbessern können. Es gibt beispielsweise Sprach-KIs, die mit sehr hoher Genauigkeit Typ-2-Diabetes erkennen können – insbesondere bei Frauen, was für die Gendermedizin eine wirklich gute Nachricht ist. Oder KI-Systeme, die den Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft deutlich reduzieren können. Solche Entwicklungen zeigen, welches Potenzial in dieser Technologie steckt. Die Risiken sehe ich vor allem in drei Bereichen: Vereinsamung, Datenschutz und Gleichberechtigung. Gerade beim Thema Bias haben wir noch einen langen Weg vor uns. Viele Systeme reproduzieren bestehende Ungleichheiten, und wir wissen inzwischen auch, dass Fairness, Datenschutz und Sicherheit nicht immer gleichzeitig optimal umgesetzt werden können.  

Zum Abschluss ein Blick nach vorne: Wie werden wir Ihrer Einschätzung nach in fünf Jahren mit KI leben und arbeiten?
Das ist wahrscheinlich die schwierigste Frage des ganzen Gesprächs. Selbst drei Jahre sind in diesem Bereich schon schwer vorherzusagen. Was ich aber mit großer  Sicherheit sagen kann: Die nächste Generation wird einen völlig anderen Umgang mit KI haben. Wir erleben heute bereits Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren, die selbstverständlich mit KI lernen oder sie sogar als Gesprächspartner nutzen. Wenn ich an Hochschulen oder in Workshops von Tools wie NotebookLM spreche, kennen die Studierenden diese Anwendungen längst. Für sie ist KI das, was für meine Generation einmal das Internet oder das Smartphone war. Deshalb glaube ich, dass wir vor allem von der nächsten Generation lernen werden. Unsere Aufgabe wird sein, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen – mit kluger Regulierung, verantwortungsvollem Einsatz und genügend Freiraum für Innovation. Denn am Ende sollte KI vor allem eines tun: unsere Gesellschaft voranbringen – und nicht zurückwerfen. 

Leonie Zimmermann

Freie Autorin & Projektleiterin

In Deutschland 1993 geboren und aufgewachsen, nach dem Journalistik-Studium, einer Selbstständigkeit und mehreren Stationen in deutschen Medienhäusern, darunter das RedaktionsNetzwerk Deutschland und das Wochenmagazin stern, von März 2025 bis Juni 2026 als Chefredakteurin digital für Welt der Frauen tätig. Heute schreibt sie als freie Autorin weiterhin für das Online-Magazin und leitet spannend Projekte für die Welt der Frauen. Faible für Psychologie, Reisen, Feminismus – und die digitale Welt.

[email protected]

Foto: Barbara Aichinger


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