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Krapfen, Nocken, Kaspressknödel

Auf der Ennstaler Viehbergalm kocht Hüttenwirtin Marianne Gruber so, wie es schon die Vorfahren taten.

Es geht ganz schnell. Wolken schieben sich vor die Sonne. Nicht weiter beunruhigend. Doch wenig später ist der Himmel schwarz. Ein Donnern ist zu hören, vorerst aus der Ferne. Besser, man beschleunigt den Schritt. Ein eiliger Blick auf die Karte: Das nächste schützende Dach ist 80 Höhenmeter entfernt. Die Blitze folgen immer rascher aufeinander, ein kräftiger Schauer klatscht auf die Pelerine. Der hastige Anstieg schmerzt in den Lungen. Und dann endlich: eine Hochebene und an ihrem Rand die Ritzingerhütte. Verwitterte Balken, kleine Fenster, Tisch und Bank vor der Tür. Ist überhaupt jemand da? Aus einem der Schornsteine steigt Rauch: gerettet! Nun kann kommen, was will: Wolkenbruch, ein Unwetter, ein Hagelsturm.

ETWAS WARMES BITTE
„Lachen, leben, lieben“ – das Schild neben dem Eingang gibt den Rhythmus vor, dem man hier folgt. Seit 15 Jahren verköstigt Marianne Gruber ihre Gäste in der Ritzingerhütte auf der Viehbergalm im steirischen Ennstal. Wer bei ihr unterschlüpft, fühlt sich umfangen. Der Ofen in der holzgetäfelten Stube verströmt wohlige Wärme, Jacken und Mützen trocknen auf einer Stange, während der Magen brummt. Am besten gleich etwas Warmes, um Kälte und Nässe zu vertreiben. Marianne verschwindet hinter dem Herd. Kurz darauf serviert sie einen Teller mit dampfender Rindssuppe und einem Kaspressknödel. Das tut gut. Die Energien kehren zurück und damit die Vorfreude auf die mit duftendem Steirerkas gefüllten Krapfen, eine Spezialität dieser Gegend. Bei Marianne isst man sie mit Sauerkraut. Ein paar Bissen, und völlige Entspannung macht sich breit. Jetzt einen Schnaps auf die perfekte Bewirtung. Schöner könnte man’s kaum treffen. Rasch noch eine Runde an der frischen Luft, der Verdauungsspaziergang. Das Gewitter hat sich verzogen, es klart auf. Marianne tritt vor die Türe. Die Küche ist aufgeräumt, und sie hat Zeit zum Reden. Die Hütte gehöre zu ihrem Hof im Gröbminger Ortsteil Winkl und sei lange verwaist gewesen, erzählt sie. Der Mangel an Arbeitskräften hatte den Niedergang der Alm eingeleitet, und auch die Abgeschiedenheit war beschwerlich, bis der Zugang erschlossen wurde und die Grubers entschieden, sich oben auf den saftigen Bergweiden ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein zu schaffen. Sie renovierten die Hütte sorgsam, richteten eine Sennerei ein und bauten den einstigen Stall zu einfachen Zimmern aus. Lesen Sie weiter in der Printausgabe.

Wandertipp: Die Viehbergalm bei Gröbming

Die Ritzingerhütte auf der Viehbergalm, auf der Ostseite des Dachsteins, ist ab der Kneippanlage Gröbming-Winkl in einem eineinhalbstündigen Fußmarsch oder per Mountainbike zu erreichen. Die Hütte bietet Platz für acht Gäste und ist von Juni bis Oktober geöffnet. Hüttenwirtin Marianne Gruber ist per Handy (Tel. 0676 945 98 17) erreichbar. Die Hütte liegt auf 1.445 m Seehöhe.
Literatur: Wanderkarte Schladming Dachstein, 1 : 50 000.

Susanne Schaber, Herbert Raffalt:
Der Geschmack der Berge. Eine kulinarische Reise zu den Almen Österreichs.

Tyrolia Verlag, 39,95 Euro

Erschienen in „Welt der Frauen“ 06/18