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Kosenamenbingo

Es gibt wahrscheinlich nicht viele Namen, die sich so vielseitig abkürzen lassen, wie Elisabeth. Lisi, Ella, Elsa, Lisl, Sissi, Elsi, Lisa, Betty, Elli, … die Liste ließe sich wahrscheinlich noch um viele Namen fortsetzen. Da mein Mann und ich von der grübelnden, wohlüberlegten Sorte sind (zumindest sehe ich mich gerne so) haben wir uns bei der Namenswahl sehr genau überlegt und vieles abgewogen. Wie auch bei Michael wussten wir auch bei Elisabeth ca. im 4. Monat der Schwangerschaft den Namen bereits. Viel schwerer als die eigentliche Namenswahl war für mich einen Kosenamen zu finden. Konnte ich mir in der Schwangerschaft zumindest den eigentlichen Namen sehr gut vorstellen war es für mich unmöglich mich auf einen Kosenamen festzulegen. Ein Kosename ist etwas sehr Persönliches und ihn zu finden ohne die „Person“ zu kennen ist schier unmöglich. Trotzdem haben wir quasi am Reißbrett und ohne unsere Tochter auch jemals nur gesehen zu haben, uns auf Lilly festgelegt. Lilly fand ich immer schon süß und es gefiel uns beiden deutlich besser als Lisi. Als unsere Kleine dann da war kam uns Lilly nur sehr schwer über die Lippen. Zu künstlich, zu generisch, zu fremd wirkte er auf mich und ich konnte auch meine Familie nicht so richtig überzeugen. Diese war eindeutig auf Lisi eingeschossen und es begann fast ein Kampf, bei dem meiner geliebten Mama scheinbar unabsichtlich immer wieder fast beiläufig Lisi herausgerutscht ist, was mich zugegeben sehr schnell auf die Palme gebracht hat, da müssen diese hochpotenten Stillhormone schuld sein. (Die Vergesslichkeit und Zerstreutheit sind nur die halbe Wahrheit, glauben Sie mir!) Ich musste zu harten Mittel greifen, ich drohte meiner Lisi-verfechtenden Mutter, dass wir die Kleine fortan mit Laura abkürzen würden, ein Name, der sie immer schon provoziert hat („Laura! Laura! Wie ein Papagei! Furchtbar!“) Nach diesem strategischen Manöver war Lisi aus dem Rennen und ich hatte die Theorie, dass wir uns inklusive der Restfamilie wohl schon an Lilly gewöhnen würden. Wie so oft kommt es am Ende anders als man denkt. Michael hat den Kosenamen für unsere Elisabeth ausgewählt und sagt ihn seitdem rund um die Uhr mit seiner süßen Bubenstimme, so dass wir ihn nun alle schon übernommen haben. Das war die Kurzfassung der Geschichte, wie aus unserer Elisabeth fast eine Lisi, dann eine Lilly und schließlich unsere Mini wurde.

 

 

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com