Jeder sechste Kinderwunsch bleibt unerfüllt. Oft ist das der Beginn einer Kinderwunschbehandlung. Das Problem: Der Zugang zu reproduktiver Medizin wie In-vitro-Fertilisation ist ungerecht verteilt.
Christina Fadler steht im österreichischen Parlament auf einer Bühne. Man sieht ihr nicht nur an, dass es für sie ein großer Moment ist, sie sagt es auch: dass es ein großer Tag für sie sei. Dass sie vor fünf Jahren nicht ahnen konnte, dass ihr Weg sie hierhin führen würde. Vor fünf Jahren, als ihre erste In-vitro-Fertilisation (IVF) scheiterte. Als ihr Kinderwunsch sich aus den eigenen vier Wänden hinaus in die sterile Umgebung eines Krankenhauses verlagerte und sie zur Patientin wurde – leidend an einer Erkrankung, die es offiziell in Österreich gar nicht gibt.
Auf dieser Bühne im Parlament wird ein Thema besprochen, das viele Menschen betrifft und doch ein Tabuthema ist: Unfruchtbarkeit. Allein in der EU sind 25 Millionen Menschen davon betroffen. Und sie fühlen damit nicht nur eine persönliche Ungerechtigkeit, sondern stehen einem komplexen System an Ungerechtigkeiten gegenüber. Es beginnt damit, dass Österreich das Krankheitsbild Unfruchtbarkeit, das die WHO als solches definiert, nicht anerkennt. Erst wenn eine bestimmte Krankheit als Ursache definiert wurde, wird die Behandlung zumindest zum Teil finanziert – etwa, wenn die Spermienqualität des Partners unzureichend ist. Dann besteht die Chance, Anspruch auf finanzielle Förderung für die IVF zu bekommen. Für gleichgeschlechtliche Paare bedeutet das aber: keine Chance. Kein negatives Spermiogramm, keine anerkannte Krankheit, keine Förderung.
Jeden Monat die Enttäuschung
„Gleichgeschlechtliche Paare werden diskriminiert“, sagt Christina Fadler. Sie steht nicht nur als Betroffene hier, sondern auch als Vorsitzende des Vereins „Die Fruchtbar“, den sie 2021 gründete. „Als mein erster IVF-Versuch scheiterte“, sagt sie, „war ich schon über zwei Jahre mit meinem unerfüllten Kinderwunsch beschäftigt.“ Sie und ihr Partner hätten sich damit alleingelassen gefühlt, keine Ärztin, kein Arzt fand eine Ursache, jeden Monat kam mit der nächsten Regelblutung die nächste Enttäuschung, dass ihr Körper wieder nicht schwanger war. Christina Fadler begann, ihre Erfahrungen auf einem Blog zu teilen, fand Kontakt zu Menschen, die das gleiche Schicksal teilen, und gründete schließlich eine Selbsthilfegruppe, aus der sich der Verein entwickelte.
