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04-05/2026

Jazzy Gabert: „Schaukelt eure Eierstöcke und seid mutig“

Jazzy Gabert: „Schaukelt eure Eierstöcke und seid mutig“
Foto: privat
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  • Veröffentlicht: 13.04.2026
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Als Wrestlerin hat Jazzy Gabert sich in einer der härtesten Männerdomänen überhaupt durchgesetzt. Heute steht sie nicht nur im Ring, sondern auch auf Bühnen – und setzt sich dafür ein, Frauen sichtbarer zu machen und zu vernetzen.

Jazzy Gabert ist Wrestlerin, Unternehmerin und Speakerin – und seit vielen Jahren eine prägende Figur im europäischen Wrestling. Dass sie sich ausgerechnet in dieser traditionell männerdominierten Branche durchsetzen würde, war alles andere als selbstverständlich. Heute nutzt sie ihre Bekanntheit, um andere Frauen zu ermutigen und ihnen zu zeigen, dass Stärke viele Formen haben kann. Wir haben mit ihr über ihren Weg, über Selbstbewusstsein und über die „Power of Connection“ gesprochen.

Du bist Wrestlerin, Unternehmerin und stehst auch als Speakerin auf Bühnen. Warum tust du, was du tust?
Beim Wrestling ist mein größter Antrieb tatsächlich, Frauen sichtbarer zu machen. Ich möchte ihnen zeigen, dass sie viel mehr können, als sie selbst oft glauben. Zum Beispiel trainiere ich aktuell eine Zwölfjährige und eine Sechzehnjährige. Beide kamen mit sehr vielen Selbstzweifeln – und jetzt wachsen sie total über sich hinaus. Das finde ich unglaublich schön. Aber auch darüber hinaus versuche ich, Frauen zu stärken. So arbeite ich, wenn möglich, auch hinter den Kulissen mit Frauen zusammen – im Catering oder in der Security etwa.

Du bewegst dich als Frau trotzdem nach wie vor in einer Männerdomäne. Wie hat dich das geprägt?
Am Anfang war es wirklich sehr schwer. Als ich ins Training gehen wollte, hieß es oft „Du bist nicht stark genug“ oder „Wir wollen eigentlich gar keine Frauen trainieren.“ Aber es hat sich viel verändert. Vor kurzem habe ich in England erst gesehen, dass jetzt auch Frauen männliche Anfänger trainieren – und dabei ernstgenommen werden. Das hat mir gezeigt: Der Kampf hat sich gelohnt.

Du sprichst bewusst von Kampf. Gab es Momente, in denen du ans Aufgeben gedacht hast?
Es gab auf jeden Fall harte Momente. Ich erinnere mich etwa an ein Match in Frankreich. Der Veranstalter hat ins Mikro gesagt: „Jetzt kommt das Frauenmatch.“ Und die Fans haben sofort gerufen: „You can’t wrestle.“ Wir hatten noch nicht einmal angefangen. Meine Gegnerin und ich standen backstage und dachten nur: Was soll das jetzt? Aber wir sind trotzdem rausgegangen und haben gekämpft. Die Energie im Publikum war total negativ – aber wir haben es durchgezogen. Und danach kamen viele Leute zu uns und sagten: „Das war richtig gut.“ Solche Erfahrungen haben wir immer wieder gemacht. Und irgendwann haben wir gesagt: Wir machen das auch für die nächste Generation. Und heute haben Frauen im Wrestling tatsächlich viel mehr Sichtbarkeit und Respekt.

Du sprichst oft über Stärke. Was bedeutet Stärke für dich heute?
Früher dachte ich immer, Stärke bedeutet körperliche Stärke, dass es dabei raum geht, im Fitnessstudio die schwersten Gewichte zu heben. Heute sehe ich das anders. Ich habe lange Zeit viele Selbstzweifel gehabt. In schwierigen Zeiten bin ich oft in die Bibliothek gegangen und habe Bücher über Persönlichkeitsentwicklung gelesen. Ein Tipp ist mir dabei besonders hängen geblieben: Mach jeden Tag etwas, das dir Angst macht. Das kann etwas ganz Kleines sein. Zum Beispiel, jemanden um einen Gefallen bitten, ein Gespräch anfangen oder eine Herausforderung annehmen. Damit habe ich dann angefangen und bin Schritt für Schritt daran gewachsen. Heute bedeutet Stärke für mich vor allem, andere Menschen mitzuziehen – authentisch bleiben und den eigenen Werten treu bleiben.

„Wenn du wirklich Interesse an Menschen zeigst, echte Fragen stellst und wirklich zuhörst, dann entstehen automatisch Verbindungen.“
Jazzy Gabert

Auch durch diese Werte bist du heute erfolgreich. Was hast du durch deine Karriere über das Frausein gelernt?
Mir wurde das Frausein tatsächlich oft abgesprochen. Leute haben gesagt: „Du siehst aus wie ein Mann.“ Und ja, ich hatte lange kurze Haare – weil das im Training praktischer ist – und habe viele Muskeln. Aber das macht mich nicht weniger weiblich. Für mich hat Frausein nichts mit langen Haaren oder Nagellack zu tun. Viel mehr mit Eigenschaften wie Empathie oder Herzlichkeit, also damit, wie man mit anderen Menschen umgeht. Eigentlich sollten wir das aber auch gar nicht mehr definieren müssen. Nicht jeder Mensch passt in eine Schublade.

Wie stehst du dahingehend zum Begriff Feminismus?
Das ist eine schwierige Frage. Ich würde sagen, ich bin Feministin – aber ich packe mich wie gesagt ungern in eine Schublade. Mir ist es einfach wichtig, mein Leben selbstbestimmt zu leben. Und ich bin keine Aktivistin, die sagt: „Alle müssen mitmachen. Ich habe mich dafür entschieden, durch diese Tür zu gehen – und wer mitkommen will, kommt mit.

Aktivistin nicht, aber Vorbild mit Sicherheit. Wie gehst du damit um?
Mir ist wichtig, ein positives Vorbild zu sein. Nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer – besonders für Männer, die vielleicht auch eher sensibel oder feminin sind. Jeder sollte einfach der Mensch sein dürfen, der er oder sie ist.

Was sollen junge Frauen von dir mitnehmen?
Vor allem mehr Selbstbewusstsein. Ich wünsche mir, dass sie denken: Wenn die Jessie das geschafft hat, dann kann ich das auch. Meine Startlinie war nämlich nicht einmal bei null – ich bin eigentlich viel weiter hinten gestartet. Ich hatte wenig Unterstützung von meiner Familie. Wenn jemand bessere Voraussetzungen hat und mich sieht, dann hoffe ich, dass er oder sie durch meinen Lebensweg motiviert wird, selbst seine Träume zu verfolgen.

Motivation ist das eine, Strukturen das andere. Was brauchen Frauen heute, um erfolgreich zu sein?
Die richtigen Netzwerke. Ganz lange habe ich gedacht, ich müsste alles alleine schaffen. Aber irgendwann habe ich verstanden, dass wir zusammen viel stärker sind. Wichtig ist, nicht egoistisch zu netzwerken. Man sollte zuerst geben. Wenn ich zum Beispiel zwei Frauen kenne, die gut zusammenpassen könnten, stelle ich sie einander vor. So entsteht ein Netzwerk – quasi ein Spinnennetz aus Verbindungen. Und irgendwann kommt das alles zurück.

Macht das Netzwerken das Female Future Festival für dich auch so spannend?
Genau, dort kann ich viele tolle Frauen treffen und gleichzeitig meine Erfahrungen weitergeben. Alles, was ich gelernt habe, soll nicht umsonst gewesen sein. Ich spreche auf der Bühne über die „Power of Connection“. Viele denken, ich bin nur Wrestling-Champion geworden, weil ich besonders hart trainiert habe. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Das alles war auch möglich, weil ich Menschen kannte, die mich weiterempfohlen haben. So bin ich zum Beispiel nach Japan gekommen und konnte dort als erste Europäerin einen Titel gewinnen.

Viele Frauen haben Hemmungen, auf Netzwerkevents auf andere zuzugehen. Hast du einen Tipp?
Sei authentisch. Wenn du auf ein Event gehst und niemanden kennenlernst, ist das auch völlig okay. Dann hattest du einfach einen schönen Abend. Aber wenn du wirklich Interesse an Menschen zeigst, echte Fragen stellst und wirklich zuhörst, dann entstehen automatisch Verbindungen. Viele merken sofort, wenn jemand nur aus Eigennutz dort ist. Ehrliches Interesse bringt dich viel weiter. Und manchmal hilft auch ein kleines Alter Ego. Ich sage immer: Hol dein inneres Alpha-Female raus – und „schaukel deine Eierstöcke“. Oder anders gesagt: Hab einfach den Mut, auf Menschen zuzugehen.

Was wünschst du dir für die nächste Generation von Frauen?
Ich sehe schon jetzt eine große Veränderung, die mir Mut macht. Im Training habe ich einmal einen Wettbewerb gemacht, wer die meisten Kniebeugen schafft. Da sagte eine Zwölfjährige zu mir: „Warum machen wir das gegeneinander? Sag doch einfach tausend Kniebeugen, dann machen wir sie zusammen.“ Dieses Denken finde ich wunderschön. Auch in der Arbeitswelt verändert sich etwas. Viele junge Menschen sagen, sie wollen nicht mehr ihr ganzes Leben kaputt arbeiten. Sie wollen ein gutes Leben führen, Zeit mit Menschen verbringen, die ihnen etwas bedeuten und viele Erfahrungen sammeln. Und genau das wünsche ich mir auch für uns Frauen: weniger Konkurrenz, mehr Miteinander – und ein Leben, das nicht nur aus Arbeit besteht.

Foto: privat

Zur Person

Jazzy Gabert ist Unternehmerin und einflussreiche Figur im deutschen Wrestling. Sie hat internationale Erfolge in MMA und Professional Wrestling erzielt, darunter Wettkämpfe in Japan und ausverkaufte Arena-Touren. Sie gründete Sirous Sports Entertainment, ihre eigene Wrestling-Organisation.

Leonie Zimmermann

Chefredakteurin Digital

In Deutschland 1993 geboren und aufgewachsen, nach dem Journalistik-Studium, einer Selbstständigkeit und mehreren Stationen in deutschen Medienhäusern, darunter das RedaktionsNetzwerk Deutschland und das Wochenmagazin stern, seit März als Chefredakteurin digital für Welt der Frauen tätig. Faible für Psychologie, Reisen, Feminismus – und die digitale Welt.

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Foto: Barbara Aichinger


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