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04-05/2026

Siebenkämpferin Ivona Dadic: Sport holte sie aus der Dunkelheit

Siebenkämpferin Ivona Dadic: Sport holte sie aus der Dunkelheit
Foto: Peter-Alex Kardos/Glavas Management
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  • Veröffentlicht: 25.06.2025
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Für Siebenkämpferin Ivona Dadic wurde der Sport zum Rettungsanker. In Momenten der Krise und auf dem Weg zurück zu sich selbst gab er ihr Sinn und Freude.

Teenagerinnen haben Probleme in der Schule, Streit mit FreundInnen oder Eltern, vielleicht erstmals Liebeskummer, großteils sollten sie aber unbekümmert sein. Ivona Dadic war 14 Jahre alt, als ihr großer Bruder das Haus verließ und nie wieder zurückkehrte. Ivan war vier Jahre älter als sie, ihr einziges Geschwister und ein großer Bruder wie aus dem Bilderbuch, der sie beschützte und unterstützte. Ivan war auch ein Motorradfreak, der Tempo und Adrenalin liebte. An einem warmen Maiabend vor 17 Jahren überquerte er mit seiner Maschine eine Hauptstraße und sah das von links kommende Auto nicht. Sein Tod läutete die kälteste Zeit ein, die seine Familie erleben und überstehen musste.

Ivona Dadic kann nicht sagen, wie sie den Verlust überlebt hat. Wenn ihre Familie über Ivan sprach, wechselte sie den Raum, weil sie es nicht ertragen konnte, und ein Jahr lang wartete sie auf das vertraute Quietschen des Gartentors, welches immer das Heimkommen ihres Bruders angekündigt hatte. Dann erst verstand sie, dass das nie wieder passieren würde. Dadic war zu dieser Zeit bereits in einem Leichtathletikverein, legte aufgrund ihrer Trauer aber eine Trainingspause ein. Die Mutter bat den Trainer, die Tochter zum Sport abzuholen, damit diese aus dem Haus kam.

Du bist nicht dein Schmerz

Wenn sie beim Training war, spürte Dadic zum ersten Mal ihren Verlustschmerz nicht mehr. Sie konzentrierte sich auf ihre Atmung, Übungen und KollegInnen. In der Halle war sie die Sportlerin und nicht das Mädchen, das seinen Bruder verloren hatte. Der Sport holte sie aus der Dunkelheit und wurde zu einem Werkzeug, um mit ihrer Trauer umzugehen. Wenn sie in Bewegung war, spürte sie sich selbst wieder und auch die Präsenz ihres Bruders.

„Mein früher Verlust und die vielen Rückschläge im Sport haben mich mental stark gemacht.“
Ivona Dadic

Zur Leichtathletik kam Ivona Dadic mit neun Jahren. In Wels fand eine Laufolympiade statt, und weil sich nur Buben angemeldet hatten, suchte die Direktorin ihrer Schule ein Mädchen, das teilnehmen wollte. Dadic machte mit und fand sofort Freude daran. Sie war groß für ihr Alter und deshalb schnell. Sie maß sich gerne mit anderen und liebte es, ihren Körper ans Limit zu bringen. Immer wenn sie mit ihrer Familie in der alten Heimat Kroatien Urlaub machte, lief sie mit ihrem Bruder am Strand um die Wette und rannte so lange, bis sie ihn überholte. Ihr Bruder wiederum gab mit seiner kleinen Schwester an, die schneller laufen konnte als seine Freunde.

Das hat sie geprägt. Dadics starker Wille und Ehrgeiz machen sie bis heute als Sportlerin aus. 2012 nahm sie in London als erste Österreicherin im Siebenkampf bei den Olympischen Spielen teil. Es folgten Rekorde, Medaillen und Auszeichnungen. Mit 19 Jahren wurde Dadic als großes Nachwuchstalent gefeiert. Dann verletzte sie sich bei der Weltmeisterschaft am Beugegelenk, der Beginn einer langen Verletzungsserie. Sie kämpfte sich stets zurück, erholte sich aber nie ganz. Vor drei Jahren zwangen sie chronische Knieprobleme zu einer Operation. Sie pausierte für ein Jahr und rutschte in eine Krise, stellte sich selbst und ihren Sport infrage. „Leistungssport ist hart, und ich frage mich, ob er überhaupt gesund sein kann“, sagt Dadic. Aber er gibt ihr Sinn und Freude, weshalb sie sich erneut für ihn entschied. Die Athletin wanderte nach Stockholm aus, wo sie mit einem neuen Trainer arbeitet.

Ein tätowiertes Kreuz ziert heute ihr rechtes Handgelenk. „Ivan“ steht darin in geschwungener Schrift. Würde ihr Bruder noch leben, wäre er beruflich an ihrer Seite, ist sie sicher. Er würde sie zwar nicht mehr zu Wettkämpfen mit seinen Freunden schicken, wäre jedoch vielleicht ihr Manager. Ganz sicher aber wäre er stolz auf sie.

Transparenzhinweis: Diese Geschichte wurde erstmals im Jahr 2024 veröffentlicht und aktualisiert.