Für Teilzeitarbeit gibt es viele gute Gründe. Dazu zählen auch jene, die manchen missfallen mögen. Warum die Motive für eine Reduktion der Arbeitszeit ernst genommen werden sollten.
Sie gilt als unsolidarisch, egoistisch und unmoralisch, wird im politischen Diskurs gerne zum Sündenbock für eine schlechte Wirtschaftslage gemacht und war auch heuer willkommener Aufreger im Sommerloch: die Teilzeitbeschäftigung. Die jüngste Debatte entflammte rund um den Begriff „Lifestyle-Teilzeit“. In Medienbeiträgen wurden daraufhin – zu Recht! – etwa Kinderbetreuung oder Sorgearbeit als legitime Motive für eine Arbeitszeitreduzierung verteidigt.
Doch wer entscheidet, was legitim ist? Was ist mit den Menschen, die ohne unmittelbare Notwendigkeit Stunden reduzieren? Die ihre Kräfte vorausschauend einteilen, sich um ihre mentale Gesundheit kümmern und nicht bis zum Umfallen schuften? Abgesehen davon, dass diese Personengruppe nicht die große Masse an Teilzeitbeschäftigten ausmacht, sind auch ihre Gründe triftig. Wir befinden uns in einer Arbeitswelt, in der Belastung, Druck und Stress stark gestiegen sind. In der fehlende Leerzeiten, zu wenig Pausen und mangelnde Wertschätzung häufig zum Alltag gehören. In der die Anhebung des Pensionsalters unausweichlich scheint und das Narrativ der einfachen Arbeitskraft, die sich alleine durch Fleiß großen Wohlstand aufbauen kann, sich als falsch erwiesen hat.
Ist es wirklich verwunderlich, dass gerade junge Menschen sich unter diesen Umständen von der Vollzeitarbeit abwenden? Anstatt Pauschalverurteilungen zu fällen, sollte überlegt werden, wie Missstände behoben, Produktivitätsgewinne fairer verteilt und Arbeitsplätze attraktiver gestaltet werden können. Dann verbringen Menschen auch gerne wieder freiwillig Zeit dort.
In der Kolumne „Ansichten & Einsichten“ lassen „Welt der Frauen“- Redakteur:innen Sie alternierend an ihren Gedanken teilhaben.
