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Im Reich der Farben und der Frauen

Die Malerin Gabi Domenig brauchte einen langen Atem und eine 
große Leidenschaft, um bei sich und ihrer Kunst anzukommen.

Ihre Welt sind die Farben, und diese Farben sind Frauen, die umgeben sind von Blumen, die wiederum die Welt symbolisieren. Betritt man Gabi Domenigs Atelier in Osttirol, so sieht man nicht nur, dass dort großflächige Bilder an der Wand, handbemalte T-Shirts auf Kleiderständern und bemalte Lampenschirme von der Decke hängen, sondern man spürt auch, dass dort eine Frau ihren Träumen und Gedanken Raum gibt und ihnen Form verleiht – und zwar mit einer Handschrift, die erkennen lässt, dass sie über viele Jahre gereift ist. „Meine Malerei war immer schon und ist auch jetzt noch ein Teil meines Lebens, mein großer Ausgleich zum Alltag. Und das wird so bleiben, solange ich einen Pinsel halten kann“, sagt die Malerin, die 1963 in Lienz geboren wurde.

SCHREIBEN ODER MALEN
Dabei gab es einmal einen Schnitt in Gabi Domenigs künstlerischem Schaffen, nämlich zu jener Zeit, als sie am Mozarteum in Salzburg ihr Gespür für das Malen in einem Studium ausbauen und perfektionieren wollte. „Ein Professor sagte mir damals, dass ich lieber schreiben anstatt malen sollte. In diesem Moment brach eine Welt für mich zusammen, und ich brauchte zehn Jahre, um wieder mit dem Malen zu beginnen. Ich brach mein Studium nach zwei Jahren ab, wechselte zum Raiffeisenverband Salzburg, ging dann 1994 zurück nach Lienz, wo ich anschließend bei der ,Osttirol Werbung‘ arbeitete und wieder mit dem Malen begann. 1999 hatte ich dann meine erste Ausstellung“, erzählt Gabi Domenig und fügt an: „Im Rückblick bin ich dankbar für diese Krise, denn nur durch sie war ich gezwungen, zu lernen, nicht aufzugeben und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.“ Inzwischen ist sie nicht nur ihren eigenen Weg gegangen, sondern hat auch viele ihrer Träume realisiert. Mit ihrem neoexpressionistischen Stil ist sie auf dem internationalen Kunstparkett bekannt. Sie stellte in den letzten Jahren in vielen Ländern Europas, aber auch in den USA und Brasilien aus. Ihre Bilder finden sich in nationalen und internationalen Kunstbüchern und -magazinen, in Onlinegalerien und Privatsammlungen. Seit 2013 erhielt sie 16 internationale Auszeichnungen. 2017 schaffte sie es mit ihrem Bild „Paradise ­Madonna“ sogar unter die Top 20 beim „Global Art Award“ in Dubai, und zwei weitere Bilder erhielten ein „Certificate of Excellence“ beim „Palm Art Award“. In diesem Jahr stellt Domenig vier Bilder im Rahmen der „Armory Artweeks“ in der New Yorker „Stricoff Gallery“ aus und ist mit jeweils einer Wanderausstellung in Österreich und in Deutschland unterwegs.

Wäre ich nicht Malerin, würde ich mich in der Politik für die Rechte der Frauen einsetzen.

DIE ENERGIE GUT EINSETZEN
„Es ist für mich wunderschön, wenn die Betrachter meiner Bilder für einige Momente in das fantastische Reich der Farben eintauchen und dann mit einem Lächeln auf den Lippen wieder in ihren Alltag zurückkehren können“, sagt Gabi Domenig. Es  ist also wenig überraschend, dass ihre letzte Ausstellung, „Frau im Bild“, den Untertitel „Zwischen Traum und Wirklichkeit“ trug. „Diese Motive bedeuten aber nicht, dass ich mich der Realität verschließe. Ich möchte ganz bewusst Frauen in ihrer Größe und Einzigartigkeit zeigen und ihnen somit jenen Respekt zollen, den sie, obwohl sie täglich weltweit Großartiges leisten, immer noch nicht ausreichend bekommen. Wäre ich nicht Malerin, würde ich mich sicher in der Politik für die Rechte von Frauen und Kindern einsetzen und mich dabei wahrscheinlich ziemlich verausgaben“, fügt sie ernster hinzu. Dass der Weg von einer passionierten Hobbymalerin zu einer anerkannten Künstlerin viel Energie, Zeit, Arbeit und Geld kostet, liegt auf der Hand. Gabi Domenig malte über viele Jahre, als ihre zwei Töchter noch klein waren, fast ausschließlich nachts, weil sie halbtags bei der „Osttirol Werbung“ arbeitete und die Buchhaltung für die Firma ihres Mannes machte. Dieser richtete ihr eines Tages als Überraschung in seiner Werkstatt ein Atelier ein. Ihre Malutensilien bleiben nun ausschließlich dort. Die Zeit außerhalb des Ateliers gehört der Familie,
den drei Enkeltöchtern, Domenigs FreundInnen und ihrer Liebe zur Natur und zum Reisen.

DIE PLÄNE REIFEN
Gabi Domenig steckt immer noch voller neuer Pläne und Ideen. „Ich hoffe, dass ich in Zukunft mit meiner Malerei auch Sozialprojekte für benachteiligte Kinder initiieren und unterstützen kann. Ich schätze es sehr, dass wir in Osttirol auf einem wunderbaren Stückchen Erde leben und so privilegiert sind.“ Auch künstlerisch möchte sich die lebensfrohe Osttirolerin weiterentwickeln und wieder verändern: „Ich plane, in Zukunft meine Bilder noch mehr zu Geschichten auszubauen.“ Ihre Malerei kommt von Herzen und will genau dort auch wieder hin.

Die Malerin aus Lienz

Die gebürtige Lienzerin Gabi Domenig (54) absolvierte Seminare in Farblehre, Zeichnen, Komposition und Aktmalerei. Rötel, Kohle und Pastellkreiden auf Papier und grundierten Holztafeln waren ihre bevorzugten Medien in den 1990er- Jahren, seit 2000 ist die Acrylmalerei auf Leinwand ihr Metier. Domenig zeigte ihre Werke seit 1999 bei Einzelausstellungen und im Rahmen der Teilnahme an Projekten und nationalen und internationalen Gruppenausstellungen in Galerien und auf Kunstmessen in Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Portugal, England, USA und Brasilien. www.domenigartdesign.at

Erschienen in „Welt der Frauen“ 05/18

Malerei: Gabi Domenig