Der Winter ist die gemütlichste Jahreszeit. Das wissen die Dänen sehr gut, denn sie suchen mit Hygge ihr Lebensglück in der entspannten Gemütlichkeit. Aber was macht diesen Lebensstil aus? Ich habe mich auf die Suche begeben – und gelernt, was Stille ausmacht.
Ein Schwan und wir – mehr Lebewesen sind nicht hier. Er schwimmt beinahe in Zeitlupe am Ufer entlang. Hinter ihm verschwindet das Meer in einer dichten Nebelwand, als hätte jemand den Horizont einfach ausgelöscht. Der menschenleere Strand liegt unter einer dicken Schneedecke, die von unserem Aussichtspunkt, rund 120 Meter über dem Meeresspiegel, kaum vom feinen Sand zu unterscheiden ist. Eine Holztreppe führt hinunter ans Wasser. Auch sie ist von unberührtem Neuschnee bedeckt, der bis zu unseren Knien reicht.
Wir bleiben oben.
Vor uns ziehen sich die weißen Kreidefelsen kilometerweit an der Küste entlang. Der erste Blick auf die Kreidefelsen wirkt beinahe unwirklich. Sieben Kilometer lang zieht sich die blendend weiße Steilküste an der Ostsee entlang, bis zu 128 Meter hoch. Kaum vorstellbar, dass sie vor rund 70 Millionen Jahren am Grund eines tropischen Meeres entstanden ist. Milliarden winziger Meeresorganismen sanken damals auf den Meeresboden. Aus ihren Kalkschalen entstanden mächtige Kreideschichten, die während der Eiszeiten an die Oberfläche gedrückt wurden. Heute gehören die Felsen zu den eindrucksvollsten Naturdenkmälern Dänemarks.
