11

18

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
Hoch das Bein!

Für manche mag es die manifestierte Vorhölle sein: ein enger Raum voller schwitzender und ächzender Leiber, mehr oder weniger schreiende Babys, Schmatz- und Rülpsgeräusche eben dieser Zwerge und dazu poppige Fahrstuhlmusik unter Anleitung der fordernden Stimme der Vorturnerin. Es war herrlich, es war ein Fest, ich habe es genossen – meine erste Rückbildungsstunde! Zwar konnte ich bestimmt keine einzige Übung grazil und mühelos ausführen (eher wie ein wackeliger Kranich) aber der Wille zählt, und ich habe alles gegeben. Honigmäuschen lag dabei immer vor mir auf einem erhöhten Kissen und beobachtete fast die ganze Stunde das merkwürde Spektakel der zuckenden Körper und der unter größten Mühen emporgereckten Gliedmaßen. Würde ich es nicht besser wissen würde ich meinen, dass sie mich eher aus- als angelacht hat, aber das Resultat war ident: ein quietschvergnügtes, glucksendes, aufmerksames  Baby, das, obwohl es das Allerjüngste war, ganz toll mitgemacht hat. Gegen Ende wurde dann gestillt und zwar zum Glück dann, als die Übungen ihren schmerz- und verrenkungstechnischen Höhepunkt erreicht hatten – ein gutes Kind! (Vielleicht war sie auch gar nicht hungrig, vielleicht brauchte ich nur eine Ausrede um mal ein Päuschen zu machen ohne das Gesicht zu verlieren – wir werden es nie erfahren.) Dem merkwürdigen Schauspiel wohnten auch drei meiner Freundinnen bei, die sich auch alle wacker geschlagen haben. Am ärmsten dran war wahrscheinlich die, bei der das Kind die ganze Zeit geschlafen hat und sie somit überhaupt keine Option auf  eine legitimierte Unterbrechung der Verrenkungen hatte. Nach dem Sport sind wir dann im Kinderwagen-Tragetuch-Konvoy zum nächsten Kaffeehaus getingelt um uns zu stärken und uns gegenseitig auf die Schulter zu klopfen. Paradiesische Zustände und ein wunderbarer Tag! Ich bin wieder vollkommen im Lot, lebe intensiv. Ich genieße, wenn mir etwas in Bezug auf die Kinder gut gelingt und versuche es mir nicht übel zu nehmen, wenn es mal nicht so läuft. Dankbarkeit und Freude prägen meine Tage: was kann es Schöneres geben!

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com