Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit der Tochter über die Periode zu sprechen? Und wie kann ich mein Kind darauf vorbereiten? Zwei Expertinnen wissen Rat.
Das Thema Menstruation ist immer noch ein Tabu. In der Binden-Werbung ist das Blut blau dargestellt, auch in der Sprache gibt es viele Umschreibungen, von „Ich habe meine Tage“ bis zu „Besuch von Tante Rosa“. Welche Gründe gibt es dafür?
Bettina Steinbrugger: Die Werbung trägt sicher zum Tabu bei, aber mittlerweile setzen immer mehr Unternehmen rote Flüssigkeit in ihren Werbespots ein. Ein weiterer Grund ist, wie mit jungen Menschen gesprochen wird. Die Einstellung der Mutter überträgt sich auf die Tochter. So wird, oft unbewusst, über Generationen ein negatives Bild weitergegeben. Der dritte Grund ist fehlende schulische Aufklärung.
Sina Oberle: Wir haben eine große Lücke, was die Aufklärung betrifft. Wie ich als Mutter mit meiner Weiblichkeit umgehe und wie mein Partner auf die Periode reagiert, ist essenziell. Wenn mein Partner zu mir sagt: „Bist du wieder zickig, weil du deine Periode bekommst“, prägt sich das natürlich bei der Tochter ein. Man sollte den ganzen Zyklus anschauen: Welche Eigenschaften bringen die jeweiligen Zyklusphasen mit sich und wie kann ich sie im Alltag nutzen? Man sollte nicht nur denken: „Oje, jetzt habe ich meine Periode, ich kann nicht schwimmen gehen.“ Wenn wir offen wären, auch die Vorteile zu sehen, hätten wir weniger Beschwerden.
Wie sollten denn Frauen mit ihrer Periode umgehen?
Oberle: Es beginnt damit, dass ich meine Tochter an meiner Weiblichkeit teilhaben lasse. Sie ist zwei Jahre alt und wenn sie mit mir auf die Toilette geht und sieht, dass ich meine Periode habe, erkläre ich ihr, was da passiert. Sie sieht, welche positive Verbindung ich dazu habe. Wichtig ist auch, wie ich mit meinem Partner spreche: „Ich brauche mal eine halbe Stunde Pause, weil ich meine Periode habe.“ Und mein Partner sagt zu meiner Tochter: „Komm, lass uns spielen! Mama ruht sich gerade aus.“ Wenn ich es schaffe, offen zu kommunizieren, wird meine Tochter später mit Fragen oder Problemen auf mich zukommen. Es ist wichtig, dem Kind zu signalisieren: „Ich bin da. Du kannst mit mir über alles sprechen.“
Wie geht man so ein Gespräch an?
Steinbrugger: Es sollte in einer ruhigen Minute zwischen Mutter und Tochter stattfinden. Wenn eine Packung Tampons oder Binden im Badezimmer platziert ist, weckt das die Neugier. Die meisten Mädchen bekommen ihre Periode zwischen zehn und 15 Jahren. Viele fürchten sich davor, ihre erste Periode in einer ungünstigen Situation zu bekommen und sich zu blamieren. Wer typische Signale kennt, die eine Menstruation ankündigen, fühlt sich wohler. Daher ist Aufklärung so wichtig.
Oberle: Gut ist, wenn man dem Kind auch „Werkzeuge“ in die Hand gibt, die hilfreich sein können: ein Zyklustagebuch führen, aufschreiben, wie es einem geht. Rund um die Periode brauchen manche mehr Nähe, möchten von Mama in den Arm genommen werden. Das muss man kommunizieren lernen.
Stichwort Aufklärung: Frau Steinbrugger, Sie haben mit „ready for red“ eine Lernplattform zum Thema Zyklus und Menstruation gestartet. Worum geht es genau?
Steinbrugger: Mädchen trauen sich oft nicht, im engsten Familienkreis solche Themen anzusprechen, sie googlen dann. Wir wollten die Mädchen über ihr Medium ansprechen, so ist die Idee zur digitalen Lernplattform entstanden, die auch im Unterricht eingesetzt werden kann: Was heißt es, wenn die Menstruation kommt? Wie fühlt man sich? Wie funktionieren Periodenprodukte?
Sie sprechen von Mädchen – geht das Thema die Burschen nichts an?
Steinbrugger: Die Aufklärung beider Geschlechter ist wichtig! Burschen haben oft ein großes Interesse an dem Thema. Wenn man sie daran teilhaben lässt, entwickeln sie auch einen entspannten Umgang damit.
