Für Pilotin Irene Flaggl bedeutet das Ballonfahren seit über 50 Jahren pure Faszination. Wie sie zu ihrem außergewöhnlichen Beruf fand – und welche Pionierinnen vor ihr abgehoben sind.
Es ist 6 Uhr Früh und herrliches Sommerwetter in Stubenberg am See. Wir kommen mit zwei Kleinbussen am Startplatz vor einem zauberhaften kleinen Schloss an. Beim Entladen werden drei unterschiedlich große Körbe sichtbar, riesige Stoffbahnen werden aus ihrer Verpackung geschält und auf der Wiese ausgebreitet. Große Ventilatoren blasen Luft in die Hüllen, bis sich majestätisch riesige Ballone vom Boden erheben, die die Körbe aufrichten.
Ballonfahren mit Höhenangst
Einen Fuß in die kleine Öffnung im Korb gestellt, ziehen wir uns hoch und klettern über die knapp brusthohe Korbwand ins Innere. „Das ist der Brenner, das ist der Korb, der Ballon ist der Polaris und ich bin die Irene“, begrüßt uns die Pilotin lachend. „Während der Fahrt gibt es keine Instruktionen, außer dass ihr natürlich nicht aussteigt. Und wenn wir gelandet sind, verlasst ihr den Korb erst, wenn ich es sage, sonst geht Gewicht über Bord und der Ballon könnte durch die Entlastung wieder abheben.“ Schließlich wendet sie sich an mich Höhenängstliche: „Wir werden jetzt einmal tief fahren, damit du dich daran gewöhnst. Du schaust erst einmal nicht auf den Boden, sondern nur geradeaus.“
Leinen los, dann heben wir auch schon ab. Die beiden Brenner über uns spucken in kurzen Stößen Flammen in den riesigen Leib des Ballons. Und weil heiße Luft leichter ist als kalte, treiben wir dadurch kontinuierlich nach oben. „Was uns trägt, ist die Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur, deshalb muss ich ständig nachheizen, weil der Ballon sonst abkühlen und dadurch ins Sinken kommen würde.“ Flaggl, die zu den erfahrensten Ballonfahrer:innen weltweit zählt, kontrolliert so unseren Aufstieg bis auf circa 1.500 Meter.
Dort oben sind keine Vögel mehr unterwegs, unter 2.000 Metern könnten nur andere Ballone, Segelflieger und Hubschrauber unseren Luftweg kreuzen. Letztere müssen ausweichen, so Flaggl. „Ballone haben Vorfahrt.“ Trotzdem sei es wichtig, stets vorauszudenken, schließlich sei der Ballon „eine Riesenmasse, die ein paar Sekunden braucht, bis sie reagiert“.
