Schon Babys und Kleinkinder verbringen zum Teil mehrere Stunden am Tag mit Handy, Tablet und Co. Welche Folgen hat der Medienkonsum im Kleinkindalter?
Zweijährige, die nicht spielen, und Dreijährige, die nicht sprechen können, sind bei Ihnen in der Entwicklungsmedizinischen Ambulanz keine Seltenheit, Frau Thiede. Woher kommt das?
Arnika Thiede: Wir beobachten in unserer Ambulanz, dass vermehrt kleine oder sehr junge Kinder mit Problemen in der Sprachentwicklung oder mit Verhaltensauffälligkeiten zu uns kommen. Sie interessieren sich nicht für andere Kinder, haben ein sehr eingeschränktes Spielrepertoire, reagieren oft nicht auf Ansprache. Wenn man die Eltern fragt: „Wie viel Medien konsumiert Ihr Kind? Und wie viel Medien konsumieren Sie selbst?“, hören wir oft: „Der Fernseher läuft bei uns immer im Hintergrund.“ Die Angaben zur Handyzeit sind meist untertrieben. Wir gehen davon aus, dass Ein- bis Zweijährige oft zwei bis vier Stunden Handyzeit täglich haben.
Petra Traxler: Laut einer aktuellen Studie aus Großbritannien, für die Eltern über den Medienkonsum von Kleinkindern befragt wurden, haben neun Monate alte Kinder – sie sind im Entwicklungsstadium vom Krabbeln zum Gehen – bereits durchschnittlich 41 Minuten Bildschirmzeit.
