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07-08/2026

Haie im Faktencheck: Was über die Meerestiere wirklich stimmt

Haie im Faktencheck: Was über die Meerestiere wirklich stimmt
Foto: shutterstock
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  • Veröffentlicht: 22.07.2026
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Lockt unser Blut Haie an? Und spüren sie wirklich unsere Angst? Die deutsche Haiforscherin Kristina Loosen klärt über die oft missverstandenen Meeresbewohner auf.

Stimmt es, dass schon ein Tropfen Blut ausreicht, um einen Hai anzulocken und eine gefährliche Situation herbeizuführen?
Nein, das stimmt nicht. Haie haben zwar einen hochentwickelten Geruchssinn, reagieren jedoch vor allem auf das Blut und andere Geruchsstoffe ihrer natürlichen Beutetiere, wie Fische, Krebstiere oder Meeressäuger. Menschen gehören nicht zu ihrem natürlichen Beutespektrum. Ein gutes Beispiel dafür ist die Menstruation: Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung menstruiert über einen Teil ihres Lebens regelmäßig, und viele Frauen gehen während ihrer Periode ganz selbstverständlich im Meer schwimmen. Würde bereits eine geringe Menge menschlichen Blutes Haie zuverlässig anlocken, müssten Haiunfälle unter menstruierenden Frauen deutlich häufiger auftreten. Dafür gibt es jedoch keinerlei Hinweise, und Unfälle sind äußerst selten. Auch eine kleine Schnittwunde stellt daher kein erhöhtes Risiko dar. 

Ein Video, das einen Weißen Hai im Mittelmeer zeigt, ging vor Kurzem viral, da dies sehr selten ist. Stimmt es, dass es wahrscheinlicher ist, im Lotto zu gewinnen, als einen Weißen Hai im Mittelmeer anzutreffen? Sind Haie tatsächlich so menschenscheu?
Ja, leider ist das tatsächlich der Fall. Viele Menschen wissen gar nicht, dass Weiße Haie früher im Mittelmeer weitverbreitet waren und dort sogar eine eigene Population bilden. Heute ist diese Population jedoch durch Überfischung, Schadstoffbelastung, den zunehmenden Schiffsverkehr und den Verlust geeigneter Lebensräume so stark dezimiert, dass sie vom Aussterben bedroht ist. Die Suche nach Weißen Haien im Mittelmeer gleicht daher für Wissenschaftler:innen der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Dabei kommt unter anderem auch Environmental DNA (eDNA beziehungsweise Umwelt-DNA) zum Einsatz, mit der sich Haie anhand kleinster DNA-Spuren im Wasser nachweisen lassen. Weiße Haie sind zudem sehr vorsichtige Tiere und können durchaus als scheu bezeichnet werden. Vor allem aber gibt es heute schlicht nicht mehr viele von ihnen, weshalb Sichtungen im Mittelmeer so selten geworden sind. Ich habe mich deshalb sehr über das virale Video gefreut und hoffe, dass sich die Population der Weißen Haie im Mittelmeer in Zukunft wieder erholen kann. 

Haie sind mehr als ihr Ruf

Wie sich das Image der Tiere korrigieren und ihr Schutz stärken lässt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Redakteurin Victoria Preining hat sich dieses Thema für die Sommerausgabe von „Welt der Frauen“ genau angeschaut – den Beitrag finden Sie auch online unter diesem Link.

Was sagen Sie zu der Aussage, dass Haie uns tatsächlich gar nicht so appetitlich finden und uns bei einer Attacke eher mit anderen Meerestieren wie Robben verwechseln?
Das wurde vor allem in den vergangenen zwanzig Jahren immer wieder diskutiert. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass diese Hypothese überholt ist. Haie verfügen über insgesamt sieben hoch entwickelte Sinne – deutlich mehr als wir Menschen. Deshalb glaube ich, dass es zwar unter bestimmten Umständen zu Verwechslungen kommen kann, dies aber wahrscheinlich nicht der Hauptgrund für Haiunfälle ist. Vielmehr handelt es sich häufig um eine Momentaufnahme, bei der verschiedene Faktoren zusammenkommen. Dabei kann beispielsweise der Zustand des Hais eine Rolle spielen: Ist das Tier besonders hungrig oder handelt es sich um ein Jungtier, das noch nicht so geübt darin ist, Beute zu fangen? Es ist also oft keine Verwechslung im eigentlichen Sinne.
Tatsächlich gibt es bis heute noch keine genaue Antwort darauf, warum es überhaupt zu Haiunfällen kommt. Gerade weil diese Ereignisse so selten sind, ist es wissenschaftlich sehr schwierig, Statistiken zu erstellen oder eindeutig zu bestimmen, welche Faktoren eine Rolle spielen. Bis heute gibt es keine klare Tendenz, wann und warum solche Situationen entstehen. Oft ist es leider einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände – und für die Betroffenen natürlich tragisch. Es gibt jedoch einige Verhaltensweisen, mit denen sich das Risiko weiter verringern lässt. Eine hundertprozentige Garantie gibt es allerdings nicht. Die einzige Möglichkeit, das Risiko vollständig auszuschließen, besteht darin, nicht ins Meer zu gehen. 

Foto: shutterstock

Wenn man tatsächlich einem Hai begegnet, heißt es immer: Zeige ihm nicht, dass du Angst hast. Merken die Tiere das wirklich?
Ja, das würde ich unterschreiben. Das ist tatsächlich eine gute Maßnahme, ebenso wie das Tier immer im Blick zu behalten. Haie spüren zwar nicht direkt unsere Angst, sie nehmen jedoch unsere körperliche Reaktion darauf wahr, etwa hektische Bewegungen oder starke Druckwellen im Wasser. Wenn das Tier um einen herumschwimmt, ist es wichtig, sich immer mitzudrehen, um zu sehen, wo es sich befindet. Ein weiterer guter Tipp ist, sich möglichst aufzurichten und im Wasser eine aufrechte Körperhaltung einzunehmen. Denn wenn wir flach im Wasser liegen, wirken wir deutlich kleiner. Richten wir uns auf, erscheinen wir größer und das reicht oft schon aus. Wenn man sich unwohl fühlt, sollte man möglichst ruhig zum Boot oder an den Strand zurückschwimmen und den Hai dabei immer im Blick behalten. Oft ziehen sich die Tiere jedoch von selbst wieder zurück.
Aber natürlich muss man all das in einer solchen Situation erst einmal umsetzen. Keine Angst oder Panik zu zeigen und gleichzeitig Ruhe auszustrahlen, ist leichter gesagt als getan. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Haie selbst sehr vorsichtige Tiere sind. Es ist äußerst selten, dass sie direkt angreifen. Meistens nähern sie sich zunächst vorsichtig an und scheinen erst einmal abzuschätzen: Was ist das überhaupt? Ist das für mich ungefährlich? Man darf nicht vergessen: Auch für den Hai kann eine Begegnung mit einem Menschen ein Risiko darstellen. Er weiß schließlich nicht, womit er es zu tun hat. Haie möchten Verletzungen unbedingt vermeiden, insbesondere an ihren Augen und Kiemen, ihren empfindlichsten Körperregionen. Eine Verletzung könnte ihre Fähigkeit zu jagen und damit ihr Überleben gefährden. Deshalb sind sie in solchen Situationen oft deutlich vorsichtiger, als viele Menschen denken. 

Also stimmt es auch, dass die meisten Menschen im Wasser gar nicht merken, wenn ein Hai in der Nähe ist? 
Ja, davon ist auszugehen. Wahrscheinlich sind viele Menschen, die regelmäßig in Meeren mit Haivorkommen schwimmen, schon einmal einem Hai begegnet, ohne es überhaupt zu wissen. Haie halten sich nur selten an der Oberfläche auf, sodass ein:e Schwimmer:in sie überhaupt wahrnehmen könnte. 

Foto: privat

Zur Person

Kristina Loosen stammt aus Deutschland und lebt in Südafrika. Die Doktorandin an der Stellenbosch University widmet sich dort ihrer Leidenschaft für Haie und Rochen. In ihrer Forschung nutzt sie Umwelt-DNA (eDNA), mit der sich Tierarten anhand von DNA-Spuren im Wasser nachweisen lassen. Dies soll die Dokumentation der Vielfalt der Meerestiere ermöglichen und in der Folge deren Schutz gewährleisten.

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