Seit der Coronapandemie wird der häusliche Unterricht strenger geregelt, um Lernerfolge und das Wohlergehen der Kinder besser zu kontrollieren. Doch hat sich das bewährt?
Nach dem Frühstück geht es für die Kinder von Familie E. nicht in die Schule, sondern ins heimische Lernzimmer. Drei der fünf Kinder zwischen drei und 15 Jahren lernen zu Hause. Vormittags werde in Schulbüchern oder am Computer gelernt, nachmittags seien die Kinder oft beim Sport oder Musikunterricht, erzählt die Mutter. „Wir wollen die Neugier bewahren und mehr bieten als die Schule“, erklärt sie, warum sie ihre Kinder zu Hause unterrichtet. Ein Kind besucht nun die AHS-Oberstufe, der Älteste absolviert sie als Externist. „Nach acht Jahren Homeschooling bestimmen die Kinder selbst, wie es weitergeht“, sagt die Frau aus Niederösterreich, die anonym bleiben möchte. „Wir lehnen Schule nicht ab, schätzen aber die individuelle Zuwendung, das eigene Tempo und die gemeinsame Zeit.“ Der Weg habe sich bewährt, die Lernerfolge seien gut.
Wie diese Kinder lernten im vergangenen Schuljahr rund 1.800 Schulpflichtige im „häuslichen Unterricht“. In Österreich ist das anders als in Deutschland erlaubt, aber strenger geregelt als in angloamerikanischen Ländern. Während der Coronapandemie rückte der Heimunterricht in den Fokus: Die Zahl der Kinder stieg kurzfristig von durchschnittlich 2.400 auf 7.515 an. Zu den Motiven wie Kritik am Schulsystem, weltanschauliche Gründe, Mobbing oder Auslandsreisen kamen Proteste gegen Masken, Tests und den Staat. Die Grundsatzfrage wurde erneut diskutiert: Wiegt die persönliche Bildungsfreiheit oder die staatliche Verantwortung für die Förderung aller Kinder mehr?
Häuslicher Unterricht muss „mindestens gleichwertig“ sein
Die damalige Regierung (ÖVP/Grüne) verschärfte die Regeln. Seit 2021/22 müssen Eltern unter anderem bei der Anmeldung ein pädagogisches Konzept vorlegen. Zu Semestermitte ist ein Reflexionsgespräch vorgeschrieben. Dabei wird der Lernstand mit einer pädagogischen Fachkraft besprochen. Zudem wurde die Externistenprüfung neu geordnet, bei welcher Kinder im Heimunterricht den Jahresstoff nachweisen müssen. Das Ziel war mehr Kontrolle über Bildungsqualität und Kindeswohl. Hat sich das bewährt?
