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Tee-Genuss mit Qualität: Worauf es wirklich ankommt

Tee-Genuss mit Qualität: Worauf es wirklich ankommt
Foto: Sonnentor
Gerda
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  • Veröffentlicht: 15.09.2025
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Woran erkennt man guten Tee? Expertin Gerda Holzmann über Teequalitäten und -mischungen, spezielle Frauentees und Überlegungen beim Kauf der diversen Sorten.

Worauf ist beim Kauf von Schwarz-, Kräuter- oder Früchtetee zu achten?
Es gibt ein paar Fragen, die es sich lohnt, vor dem Kauf zu klären: Worauf verspüre ich Lust? Was ist mein Bedürfnis? Steht der Genuss im Fokus, das Wohlbefinden oder beides? Handelt es sich um Bio-Qualität? Wie ist die Philosophie des Unternehmens? Achtet es auf seine Lieferkette?

Welche Gütesiegel gibt es für Tee und was sagen diese genau aus?
Unsere Tees haben ein Bio-Zertifikat, das bedeutet, dass sie garantiert aus biologischer Landwirtschaft stammen. Chemisch-synthetische Pestizide dürfen hier nicht eingesetzt werden. Das ist für Mensch und Umwelt wichtig. Bei uns wird jede Rohware auf über 600 Parameter kontrolliert. Das gilt für die Kräuter, die hierzulande wachsen, genauso wie für die Teeblätter aus Asien. Ein allgemeines Tee- Gütesiegel gibt es allerdings nicht.
Die Blattgröße ist sowohl bei Camellia- sinensis-Tees als auch bei Kräutertees entscheidend für die Aromen im Teeaufguss. Wir achten deshalb bei losen Tees darauf, dass die Blätter möglichst groß und ganz bleiben, und bei Aufgussbeuteln wird kein „Dust“ verwendet (Anmerkung: Was „Dust“ bedeutet, finden Sie unter unserem „ABC zum Tee“)

Woran erkennt man als Laie oder Laiin die Qualität eines Tees?
Hier sollten wir uns auf unsere Sinne verlassen: Wie stark ist die Intensität von Farbe und Geruch? Außerdem gilt: Je größer die Blätter, desto besser bleibt das Aroma erhalten.

Teebeutel oder offener Tee?
Generell sind für Personen, die viel Tee trinken, lose Tees zu empfehlen. Die Blätter sind größer. Dadurch bleiben die Aromen besser erhalten. Allerdings gibt es auch Menschen, die nicht so große Mengen konsumieren oder eine Vielzahl an unterschiedlichen Tees bevorzugen. Für diesen Tee-Typ empfehle ich gerne Teebeutel. Da hier jeder Beutel einzeln in einer Aroma- schutzhülle verpackt ist, behält der Tee auf einfache Weise für sehr lange Zeit seine besonderen Aromen.

Wie beeinflusst das Wasser, mit dem der Tee aufgegossen wird, den Teegeschmack?
Die beste Geschmacksqualität bei Teeaufgüssen erreicht man mit weichem Wasser. Bei hartem Wasser kann es passieren, dass sich Aromen nicht so intensiv entfalten oder der Tee eine trübe Farbe bekommt, etwa bei Mischungen mit hohem Gerbstoffgehalt.

Mit welchen Wassertemperaturen gießt man jeweils auf?
Beim Aufguss sollte auf die passende Temperatur geachtet werden. Das sind bei weißem Tee und Grüntees in etwa 80 °C, bei Aufgüssen von Schwarztee oder Kräutern rund 100 °C. Auch Früchtetees und Gewürztees können bei dieser Temperatur aufgegossen werden.

Welche Tees erfreuen sich in Ihrem Unternehmen besonders großer Beliebtheit?
Im Winter werden vor allem wärmende Mischungen gerne getrunken, zum Beispiel mit Ingwer oder Zimt. Letztere Zutat ist auch in unseren Chai-Kreationen enthalten. Sie vereinen das Beste aus der Welt der Tees und der Gewürze.

„Je größer die Blätter, desto besser bleibt das Aroma erhalten.“
Gerda Holzmann

Woher kommen die qualitativ hochwertigsten Tees?
Jedes Kraut braucht andere Bedingungen. Mediterrane Kräuter, die wir auch als Tee im Sortiment haben, etwa der Zitronenthymian, brauchen viel Wärme, damit sich die Aromen bestens ausbilden können. Eine besonders hohe Qualität bekommen wir bei solchen Kräutern zum Beispiel aus dem Mittelmeerraum oder aus österreichischen Anbaugebieten mit ähnlichem Klima. Kräuter wie Pfefferminze, die viel Wasser benötigen, gedeihen ideal im gemäßigten Klima, also auch in unseren Gefilden. Bei vielen Sonnentagen entfalten sie ihr volles Aroma. Die klassische Teepflanze kann hier nur schwer Wurzeln schlagen. Wir beziehen unseren Grüntee und auch den weißen Tee daher aus China.

Was sind ideale Kräutertees, um in der kalten Jahreszeit das Immunsystem zu stärken? Schafgarbe ist mein persönlicher Favorit. Sie ist in allen Lebenssituationen stärkend und eine gute Begleitung. Geniale Helferlein sind auch Thymian, Holunderblüten oder der leider viel zu wenig beachtete Spitzwegerich. Ein bewährter Klassiker sind auch Ingwertees oder Gewürz- tees mit Nelke und Piment.

Welche Kräutertees empfehlen Sie besonders als Frauentees?
Hier lässt sich vor allem der Frauenmantel vor den Vorhang holen. Er bringt unsere weiblichen Bedürfnisse ins Gleichgewicht, egal, in welcher Lebensphase wir uns gerade befinden, von der ersten Blutung bis über die Wechseljahre hinaus. Auch die Schafgarbe ist ein viel erprobtes Frauenkraut, das besonders bei Periodenkrämpfen hilfreich sein kann. Kräutermischungen aus unserem Sortiment, die hier besonders empfehlenswert sind, sind der „Im Wechsel“-Tee mit Schafgarbe, Brombeerblättern, Steinklee, Zitronenmelisse, Granatapfel und anderem oder der „Frau sein“- Tee mit Frauenmantel, Rosmarin und Preiselbeeren. In Mischungen können sich die positiven Eigenschaften von Kräutern besonders gut ergänzen. Auch der Geschmack wird in Mischungen oft als harmonischer empfunden, denn Kräuter wie die Schafgarbe pur zu genießen, sagt nicht allen zu.

Ist Zucker im Tee eine große Sünde? Und Milch erst recht?
Hier gibt es keine Tabus. Es gilt, auf die eignen Bedürfnisse zu hören. Ich liebe zum Beispiel Honig – am Brot genauso wie in der Teetasse.

Müssten Früchte- und Kräutertees eigentlich Früchte- und Kräuterauszüge heißen, weil mit Tee nur Schwarz- und Grüntees gemeint sind?
Das österreichische Lebensmittelbuch führt Teeaufgüsse aus Früchten, Kräutern und Gewürzen als „teeähnliche Erzeugnisse“. Umgangssprachlich ist jedoch Tee gleich Tee, also ein Aufguss aus Pflanzenteilen – egal, aus welchen. In der Lebensmittelkennzeichnung ist jedoch eine Spezifizierung erforderlich, um welche Pflanzenteile es sich dabei handelt. Auf unseren Tees wird daher in der Sachbezeichnung darauf verwiesen, welche Pflanzenteile in einem Teeaufguss tatsächlich enthalten sind.

Gerda Holzmann leitet das Team für Qualitätsentwicklung bei Sonnentor. Sie ist außerdem zertifizierter Wildkräuterguide und hat mehrere Bücher geschrieben (u. a. „Spür den Wald“, Löwenzahn 2020).

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