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Gründe für Atemnot: Was hinter den Symptomen stecken kann

Gründe für Atemnot: Was hinter den Symptomen stecken kann
Foto: Shutterstock
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  • Veröffentlicht: 18.08.2025
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Atemnot liegt nicht immer nur an der Lunge. Ein Gespräch mit der Lungenfachärztin Lea Sator über Prävention und Behandlungsmöglichkeiten von Atemwegserkrankungen.

Mit dem Rauchen aufzuhören, raten Sie bestimmt allen Ihren Patient:innen. Was noch?
Ich empfehle allen Menschen mit Vorerkrankungen dringend Impfungen – gegen Influenza, Covid-19, Pneumokokken sowie gegen das Humane Respiratorische Synzytial-Virus (RSV).

Letzten Winter hatte man den Eindruck, alle hätten wochenlang Husten.
Das stimmt. Besonders RSV-Infektionen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Früher war das Virus vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern verbreitet – heute sind zunehmend auch Erwachsene betroffen.
Was mir und meinen Fachkolleg:innen auffällt: Viele Virusinfektionen verlaufen deutlich langwieriger, häufig über vier bis sechs Wochen. Oft erleben die Betroffenen zwei Plateaus: Erst bessert sich der Zustand, dann verschlechtert er sich wieder. Die Infektionen sind insgesamt zäher und belastender geworden – und sie treten nicht mehr nur im Winter auf, sondern ziehen sich bis in den Frühsommer.
Eine weitere Beobachtung: Bei vielen Patient:innen, die in der Kindheit Asthma hatten, kommt es zu einer Reaktivierung der Erkrankung. Die Ursachen für diese Entwicklungen sind noch nicht bekannt.

Gibt es Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Erkrankten?
Ich behandle vor allem Menschen mit Asthma und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Frauen sind häufiger von Asthma und Allergien betroffen, während Männer eher zu COPD neigen. Letztlich sind aber die Risikofaktoren entscheidender als das Geschlecht – etwa genetische Veranlagung, Rauchen, Belastungen am Arbeitsplatz oder der Lebensstil. Auffällig ist: Frauen halten sich oft konsequenter an Therapieempfehlungen, nehmen Medikamente regelmäßiger ein und bewegen sich mehr.

Welche Rolle spielt die Bewegung?
Sport ist für alle – auch für Gesunde – enorm wertvoll. Bei Patient:innen mit Lungenerkrankungen wird die Bedeutung der Rehabilitation leider oft unterschätzt. Viele leiden unter Atemnot, die aber nicht immer nur an der Lunge liegt, sondern häufig auch an einer mangelnden körperlichen Fitness. So entsteht ein Teufelskreis: Man versucht, Sport zu treiben, kommt außer Atem, bekommt vielleicht Angst – und lässt es dann bleiben. In der Reha helfen erfahrene Therapeut:innen, die Belastbarkeit besser einzuschätzen, Ängste abzubauen und neue Zuversicht zu entwickeln.

Atemnot hat also nicht immer etwas mit der Lunge zu tun?
Ganz genau. Viele empfinden ein Engegefühl, ein Zwicken oder Luftnot und vermuten sofort ein Lungenproblem. Natürlich muss das medizinisch abgeklärt werden, aber häufig liegt die Ursache in der Muskulatur, der Kondition oder im Stress.

Was bringt Atemtherapie bei Lungenerkrankungen?
Sie ist essenziell, insbesondere bei COPD. Durch gezieltes Atemmuskeltraining, etwa mit Kraftübungen, lassen sich Beschwerden deutlich lindern. Bei COPD kommt es zu einem Umbau der Bronchien mit vermehrter Schleimproduktion, was das Atmen erschwert. Zwar werden oft Hustenlöser verschrieben, aber auf Dauer bringen diese wenig. Viel wirksamer ist gezieltes Training: Es stärkt die Muskulatur, erleichtert das Abhusten und verbessert die Ausatmung. Techniken wie die Lippenbremse oder spezielle Atemgeräte können dabei sehr hilfreich sein. All das wird in der Reha vermittelt – leider ist die Kostenübernahme durch die Kassen nicht immer gesichert.

Was raten Sie Gesunden zur Vorbeugung?
Mein wichtigster Rat klingt einfach, ist aber nicht selbstverständlich: Achten Sie darauf, saubere Luft zu atmen! Eine große Gefahr geht aktuell von E-Zigaretten und Ein-weg-Vapes aus, die viele Schadstoffe enthalten. Oft höre ich: „Ich habe mit dem Rauchen aufgehört.“ Auf Nachfrage stellt sich dann heraus, dass weiterhin Liquids oder andere Substanzen inhaliert werden. Auch sogenannte Nicotine Pouches, die besonders bei Jugendlichen beliebt sind, sehen wir Lungenärzt:innen kritisch – sie gelten als potenzielle Einstiegsdroge ins Rauchen. Ein Verbot von Pouches und Vapes wäre aus unserer Sicht überfällig.

Foto: Alexandra Grill

Über die Expertin:

Lea Sator ist Fachärztin für Lungenheilkunde und Intensivmedizin. Sie arbeitete viele Jahre in Salzburger Kliniken, seit 2016 führt sie eine eigene Praxis in Wien.

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