Ein Garten fern von Blüten und Rosen: Wie ein Ziergarten durch Schatten und Waldpflanzen zu einem Ort des Glücks wurde.
Der Garten war zwar schon da – seit Jahrzehnten –, aber er war eindeutig nicht meiner. Als wir vor vier Jahren in unser Haus einzogen, war er quietsch- bunt und voller Ziersträucher, die auch noch in voller Blüte an den Böschungen zwischen Mulchbelag vor sich hin fremdelten, als sei ihnen sogar selbst klar, dass sie nicht zur Umgebung passen, bei der es sich um Mischwald mit artenreichem Unterwuchs handelt. Es gab im Garten auch zu viele Waschbetonfliesen, zu wenig Schatten, zu viel Hochgezüchtetes und ein abenteuerlich hässliches, fix installiertes Zelt aus Lastwagenplane, das auf eine Weise Schatten spendete, in der das auch ein heißer Backofen tun würde.
Mit manchem, was mir nicht gefiel, schloss ich Frieden. Anderes riss ich aus und ersetzte es – auf flachem Gelände – durch Wiese. Auf den Hanglagen hingegen setzte ich auf Beobachtung und verfolgte, was sich von ganz allein aus dem Wald daneben kommend bei mir ansiedeln würde. Die Meinen tauften diese anfangs halb nackten Entwicklungsgebiete des Gartens auf den Namen Problemhänge. Sicher, dem ungeschulten Auge mussten sie sich als reine G’stätten darstellen. Für mich waren sie Zukunftsräume.
Ganz anders und doch gut
Im langen Staudenbeet entlang des Jägerzauns setzte ich – weil direkt nach Süden ausgerichtet – Schafgarben, Königskerzen, Gräser und anderes Trockenheitsresistentes und Wärmebedürftiges. Ich kann es kurz machen: eine glatte Fehleinschätzung, alles eingegangen oder kränkelnd. Denn die Sträucher und Bäume ringsum, die nicht mehr wie früher akkurat gestutzt und klein gehalten wurden, begannen, ihre Schatten zu werfen. Der Jägerzaun setzte seinen eigenen karierten Schatten noch oben drauf.
Reine Südlage hin oder her: Im ganzen Garten gibt es viel mehr Schatten, als ich dachte, und ich habe ihn durch Wachsen-Lassen noch gefördert. Das Grellbunte ist verschwunden, der Wald mit seinen typischen Pflanzen siedelt sich von allen Seiten kommend im Garten an. Der sieht inzwischen wie eine Fortsetzung des Waldes mit gärtnerischen Mitteln aus: Bis auf kurze Blühräusche gibt es wenige Blüten, dafür unzählige Grüntöne, Blattformen und -strukturen, die sich überlappen, überlagern und symphonisch zusammenwirken.
Und siehe da: Jetzt im Hochsommer liege ich an genau der Stelle, an der früher das erstickende Planenzelt stand, unter einem luftigen, lichtdurchscheinenden Blätterdach auf dem Gras und freue mich über diesen kühlen, schattigen Garten, der endlich zusammengewachsen und zu meinem geworden ist. Wenn auch auf ganz andere Art, als ich erwartet hätte.
