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Glücksmomente: Die Freuden alten Christbaumschmucks

Glücksmomente: Die Freuden alten Christbaumschmucks
Foto: shutterstock
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  • Veröffentlicht: 19.12.2025
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Egal, ob Vintage-Figur, alte Stücke aus der Glasbläserei oder bäuerliche Strohsterne: Die Leidenschaften der Autorin Julia Kospach erreichen im Dezember ihren jährlichen Höhepunkt.

Angeblich gibt es viele wie mich. Mit dieser seltsamen, unbändigen, niemals ganz zu befriedigenden Leidenschaft für alten Christbaumschmuck. In meinem Umfeld steh ich allerdings – bis auf eine einzige Gesinnungsgenossin, die ich über die Jahre erfolgreich angelernt habe – ziemlich allein damit da. Fragen Sie mich nicht, warum der Christbaumschmuck alt sein muss. Ich denke mir so: Neuen kaufen kann jeder. Schönen alten finden nicht. Ich habe auch jede Menge skurrile Fachliteratur zum Thema, die ich gleichermaßen obsessiv zusammentrage.

Jedes Jahr im Spätherbst, wenn’s wieder auf Weihnachten zugeht, werde ich unruhig und fange an, auf Flohmärkten, Onlinemarktplätzen und in Antikshops herumzusuchen. Als ob ich nicht schon Unmengen an Christbaumschmuck besäße! Unterm Jahr wohnt dieser im Abstellraum in sauber beschrifteten Schachteln mit Kartonunterteilungen, die ich so piekfein beisammen habe, dass meine akribisch geführte Selbstständigenbuchhaltung dagegen ein Sauhaufen ist. Allein die Christbaumschmuck-Ordnungssysteme, die ich entwickelt habe, erfüllen mich mit tiefer Genugtuung! Selbst wenn hier einfach nur ein offensichtlich zwänglerischer Charakterzug sein Ventil findet: Mir soll’s recht sein, denn ich liebe historischen Christbaumschmuck!

Vintage-Christbaumschmuck: Meine schönsten Stücke

Da sind meine filigranen Objekte aus mundgeblasenem Gablonzer Glas. Meine riesigen, kompliziertest geflochtenen alten Strohsterne aus bäuerlicher Waldviertler Heimarbeit. Meine verschiedensten Vintage-Flechtstrohgirlanden aus dem Burgenland und der Südsteiermark. Meine hauchdünnen, gefilzten armenischen Engel und Schafe. Meine Kitsch-as-Kitsch-can-Reflexkugeln aus den 50er- bis 70er-Jahren. Meine Christbaumzinnfiguren aus der allerletzten Zinngießerei Wiens. Meine kolorierten Motive aus Dresdner Pappe. Meine an die Äste klemmbaren böhmischen Glasvögel. Meine handbemalten sowjetischen Vintage-Glasfiguren (darunter eine Astronautin!). Meine aus Bienenwachs gegossenen Heiligenfiguren aus dem Ennstaler Schloss Trautenfels.

„Ich habe mir inzwischen einen gewissen Ruf erarbeitet.“
Julia Kospach

Jahr für Jahr lege ich mir einige neue Stücke zu. Falls ich allzu große Konvolute an Land ziehe, beglücke ich mein Umfeld mit dem Überschuss. Im Vorjahr habe ich mir eine Riesenkiste mit altem Christbaumschmuck gesichert und konnte damit gut ein halbes Dutzend Weihnachtsschmuck-Aussteuern zum Verschenken zusammenstellen.

Ich behellige auch Jahr für Jahr alle, die unser Haus über die Feiertage betreten, mit einer ausschweifenden Führung rund um meinen Christbaum, in die ich jede Menge ungefragt bereitgestelltes Wissen zu historischen Entstehungskontexten der Schmuckteile einfließen lasse. Ich habe mir inzwischen einen gewissen Ruf erarbeitet. Triumphal war im Vorjahr, dass sich erstmals zwei Bekannte freiwillig telefonisch für eine Besichtigung meines Christbaums angemeldet haben. Ich hoffe, die Zahl heuer auf ein halbes Dutzend Interessierte aufstocken zu können. Würde mich sehr glücklich machen!

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