Ulrike Vallant-Wastian ist Koordinatorin bei den Kreuzschwestern im Kloster Graz. Wie sich die Zusammenarbeit zwischen der evangelischen Christin und den katholischen Schwestern gestaltet, erzählt sie im Interview.
Sie sind Koordinatorin bei den Kreuzschwestern im Kloster Graz. Wie kam es dazu?
Durch Zufälle. Ich war in der evangelischen Kirche als Assistentin tätig, als ich einen Anruf bekam, ob ich mir vorstellen könnte, in dem Kloster zu arbeiten. Ich entschied mich, auf jeden Fall zu dem Gespräch zu gehen. Schon bei der ersten Begegnung mit der damaligen Oberin, Schwester Maria Bosco, stimmte die Chemie. Auch im Kloster fühlte ich mich wohl. Neben meinen fachlichen Qualifikationen passte es einfach von beiden Seiten.
Was gehört zu Ihren Aufgaben?
Anfangs habe ich mir die Leitung des Klosters mit Schwester Maria Bosco geteilt, seit April 2022 bin ich alleinige administrative Leiterin. Die Arbeit ist sehr vielfältig und abwechslungsreich: Ich kümmere mich um die Belange der 16 Schwestern des Konvents und bin Personalverantwortliche für unsere 13 Mitarbeiter:innen im Haus. Ich organisiere zum Beispiel Exerzitien und Feste, kümmere mich um die Instandhaltung des Klosters, die Vermietung der Studentenzimmer, nehme an auswärtigen Tagungen oder Treffen der Klosterleitung teil, verwalte die Kasse und erledige Bankangelegenheiten.
Sie sind evangelisch, die Schwestern katholisch. Wie klappt das?
Schwester Maria Bosco war mir und meiner Konfession gegenüber sofort sehr offen und vorbehaltlos. Ich glaube, sie fand es sogar interessant und bereichernd. Hinzu kommt, wir haben eine gemeinsame Basis: die christlichen Werte. Die Gemeinsamkeiten sind in Umfang und Bedeutung größer als die Unterschiede.
Welche Bedeutung hat der Glaube für Sie – beruflich wie privat?
Ich habe schon oft erlebt, dass ich nach einem Gespräch mit einer Schwester durch dieses Bewusstsein des Glaubens und des Gottvertrauens entlastet wurde. Wenn ich darüber nachdenke, bestimmt der Glaube meinen Alltag viel mehr, als mir bewusst ist. Mein Mitgefühl und meine Empathie für meine Mitmenschen werden durch Achtsamkeit gefördert. Und oft sind es kleine Rituale und bewusste Ruhephasen am Tag, die mir helfen, Stress abzubauen. Das muss nicht aufwendig sein, zum Beispiel eine Kerze anzünden und den Moment bewusst genießen, dankbar sein und hoffen. Auch das sind Momente des Glaubens im Alltag.
Info: kreuzschwestern.eu