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09/2026

Ghosting: „Manchmal stecken eigene Verlustängste dahinter“

Ghosting: „Manchmal stecken eigene Verlustängste dahinter“
Foto: Shutterstock
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  • Veröffentlicht: 15.07.2025
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Ghosting, der plötzliche Kontaktabbruch in Beziehungen, ist längst kein Einzelfall mehr. Expertin Caroline Erb erklärt, warum der Umgang damit für Betroffene so schwierig ist.

Frau Erb, warum trifft es uns so, wenn potenzielle PartnerInnen oder FreundInnen plötzlich jeglichen Kontakt zu uns abbrechen?
Caroline Erb: Weil es oft aus heiterem Himmel und ohne jede Vorwarnung erfolgt. Als Betroffene:r ist man auf diese besonders kränkende Form der Zurückweisung meist völlig unvorbereitet und hat in der Regel auch keine Möglichkeit, noch einmal Kontakt aufzunehmen. So bleibt man allein mit dem mehr als irritierenden Gefühl zurück, dass der/die andere plötzlich wie aus dem Nichts aus dem Leben verschwunden ist.

Reagieren alle Menschen in solchen Situationen ähnlich, oder beeinflusst ein geringes Selbstwertgefühl die eigene Reaktion besonders? Und wie lässt sich Ghosting psychologisch erklären?
Meistens ist es der Ghostende, der ein eher geringes Selbstwertgefühl aufweist und mögliche Kritik scheut. Oft handelt es sich um egoistische Persönlichkeiten, denen es an Einfühlungsvermögen mangelt. Der Prozess des Ghostings ist bequemer als eine emotional belastende Situation, man entzieht sich stillschweigend einer Konfrontation. Manchmal stecken auch eigene Verlustängste und die Überforderung, sich auf jemanden einzulassen, dahinter. Dieses rücksichtslose Verhalten kann aber auch dazu führen, dass der Betroffene an seinem Selbstwert und seiner Selbstwahrnehmung zweifelt

Gibt es dieses Phänomen erst seit dem Aufkommen von Mobiltelefonen, Social Media und Dating-Apps?
Früher hieß es zum Beispiel: „Ich gehe mal schnell Zigaretten holen“ – und ward nicht mehr gesehen. Online ist es heute noch einfacher und bequemer, jemanden zu blockieren und plötzlich zu „verschwinden“. Wir wissen aus einer bevölkerungsrepräsentativen Studie, dass vier von zehn Singles die Erfahrung gemacht haben, dass nach einem vielversprechenden Kennenlernen plötzlich Funkstille herrschte. Doch Menschen sollten sich bewusst sein, dass auch im Netz eine „Netiquette“ herrschen sollte. Man möchte schließlich respektvoll und auf Augenhöhe behandelt werden.

Was würden Sie Menschen raten, die sehr unter dem abrupten Kontaktabbruch leiden?
Nicht am eigenen Selbstwertgefühl zu zweifeln und sich bewusst zu sein, dass man nichts falsch gemacht hat. Mit einem Menschen, der sich so verhält, wäre eine stabile Beziehung ohnedies zweifelhaft. Die negative Energie sollte bildhaft beim Ghoster gelassen werden. Über seine Gefühle zu reden, ist wichtig, es kann letztlich jeden treffen. Um loslassen zu können, wünschen sich viele einen Schlusspunkt, ein letztes Gespräch. Das ist durchaus verständlich, denn es fehlt sozusagen das „Ende“, die Konfrontation mit der Situation, die von der ghostenden Person aber auch ganz bewusst vermieden wird. Besser wäre es, sich so schnell wie möglich zu distanzieren, da man sonst emotional weiter „aufgehalten“ wird und involviert bleibt.

Zur Person

Caroline Erb ist als Gesundheits- und Klinische Psychologin in ihrer Praxis in Wien tätig.

Victoria Preining

Redakteurin

1989 in Linz geboren und fest im Mühlviertel verwurzelt, absolvierte sie 2016 die Oberösterreichische Journalistenakademie. Im Rahmen der Lehrredaktion und anschließend bei zwei Wochenzeitungen sammelte sie erste journalistische Erfahrungen. Seit 2023 ist sie als Redakteurin bei „Welt der Frauen“ tätig. Dort widmet sie sich besonders gerne aktuellen frauenpolitischen und -kulturellen Themen, hinterfragt frauenbezogene Trends in den sozialen Medien im Bereich Gesundheit und Psychologie und lässt im Magazin gerne auch ihre Leidenschaft für die Sportberichterstattung einfließen.

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Foto: Robert Maybach


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