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11/12/25

„Erst Jahre später erkannte ich: Das war Gewalt im Kreißsaal“

„Erst Jahre später erkannte ich: Das war Gewalt im Kreißsaal“
Foto: shutterstock
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  • Veröffentlicht: 05.12.2025
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Gewalt ist oft subtil und wird nicht immer als solche erkannt, selbst bei einer Geburt. Erst Jahre später wurde Angelika* klar, dass das, was sie bei ihrer zweiten Geburt erlebte, „Gewalt im Kreißsaal“ war.

Erst Jahre nach der Geburt meines Sohnes fing es an, in mir zu arbeiten. Ich las und hörte Berichte von Frauen, die über Gewalt im Kreißsaal berichteten, von traumatischen Erlebnissen, die schwerwiegende seelische Folgen für sie hatten, oft noch jahrelang. Ich hätte selbst nie gesagt, dass ich auch betroffen sein könnte. Doch irgendwann dämmert mir: Gewalt im Kreißsaal hat ein breites Spektrum, ist manchmal subtil. Und wird oft überdeckt davon, dass am Ende ein Neugeborenes da ist, dass erst einmal die ganze Aufmerksamkeit verlangt und damit die Erlebnisse während der Geburt wegwischt. 

Die ersten Wehen

Ich war allein im Krankenhaus angekommen. Mein Mann blieb zuhause bei unserem Erstgeborenen. Ich fühlte mich sicher, hatte Vertrauen, dass ich gut versorgt werden würde. Der diensthabende Arzt begutachtete den Fortschritt der Geburt und meinte, ich solle nach Hause gehen und morgen wieder kommen. Nie werde ich den Blick der anwesenden Hebamme vergessen, die offensichtlich anderer Meinung war. Sie wies ihn darauf hin, dass mir Schweißtropfen auf der Oberlippe stünden und aus ihrer Sicht die Geburt ganz eindeutig in Gange war. Ihr Einwand blieb ungehört. 

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Ursel Nendzig

Chefin vom Dienst

Ist seit vielen Jahren als Redakteurin und Autorin unterwegs. Dafür ist es meist gar nicht nötig, weit zu reisen – die berührendsten, spannendsten und wichtigsten Geschichten spielen sich direkt vor ihrer Nase ab. Überall dort, wo es menschelt, fühlt sie sich wohl und Themen rund um Gesellschaft, Frauen und Feminismus liegen ihr besonders am Herzen. Geboren (Schwäbische Alb, Süddeutschland) und Aufgewachsen (Wienerwald) im kleinen Dorf lebt und schreibt sie heute mit ihrer Familie in einem kleinen Häuschen am Rande der großen Stadt.

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Foto: Barbara Aichinger


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