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09/2026

Gesund zum Wohlfühlgewicht

Gesund zum Wohlfühlgewicht
Foto: shutterstock
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  • Veröffentlicht: 15.09.2026
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Was einst Fürsorge für den eigenen Körper war, wird zwischen Diättrends und Selbstoptimierung für viele Menschen zunehmend zum Druck. Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit im Umgang mit Essen – und echte Gesundheit.

Bewusst und ausgewogen zu essen kann bereichernd sein – vorausgesetzt, es geschieht mit Freude und ohne Zwang. Wenn dieser eigene Anspruch zu Stress wird und den Alltag massiv einschränkt, spricht man von Orthorexie – die krankhafte Fixierung auf gesundes Essen. Es geht nicht primär um Gewichtsverlust, sondern um das Gefühl, alles im Griff zu haben. 

Häufig fällt der Begriff „Clean Eating”: ein Ernährungstrend, der auf frische, naturbelassene Lebensmittel setzt und den Konsum von industriell verarbeiteten Produkten vermeidet. Lebensmittel werden dabei in die Kategorien „gut“ und „schlecht“ eingeordnet. Ausnahmen fühlen sich wie persönliches Versagen an. Eine Form gestörten Essverhaltens, die gesellschaftlich kaum hinterfragt wird. Im Gegenteil: Disziplin wird gelobt, Kontrolle bewundert, Verzicht gefeiert. Gerade Frauen sind davon besonders betroffen. Für Gesundheit. Für Aussehen. Um alles „richtig“ zu machen. 

„SkinnyTok” – wenn Körperideale viral gehen 

Auf TikTok und anderen Social-Media-Plattformen haben sich Inhalte unter dem Begriff „SkinnyTok” etabliert – ein vermeintlich harmloser Trend, der den Stress rund um das Thema Essen weiter befeuern kann. Kurze Clips zeigen extrem kontrolliertes Essverhalten, stark normierte Körper und suggerieren: „Auch du kannst schlank sein. Du brauchst nur Disziplin, Verzicht und der richtigen Routine.” 

Wer täglich mit solchen Inhalten konfrontiert wird, verinnerlicht unbewusst ihre Botschaften. Essen wird zur Optimierungsaufgabe, der eigene Körper zum Vergleichsobjekt. Problematisch ist, dass häufig allgemeingültige Ernährungsempfehlungen ausgesprochen werden, ohne die individuellen Bedürfnisse und Lebensrealitäten der Menschen ausreichend zu berücksichtigen. Unsere Körper, unsere Gene, unser Lifestyle, Bedürfnisse und Geschmäcker sind ganz unterschiedlich. Somit sind allgemeingültige Aussagen in puncto Ernährung immer kritisch zu betrachten. Es existieren Wege zu einem gesunden Wohlfühlgewicht, aber diese unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Schlanksein bedeutet nicht automatisch mehr Gesundheit. Social-Media-Postings, die auf viel Zustimmung treffen, können dabei gezielt in die Irre führen. 

Das Wohlfühlgewicht: Ein Zustand, kein Ziel 

Das sogenannte Wohlfühlgewicht beschreibt einen Zustand, in dem Körper und Psyche im Einklang sind: Energie statt Erschöpfung, Genuss statt Angst, Bewegung aus Freude, nicht aus Zwang. 

Ein gesunder Weg dorthin bedeutet Essen als Bedürfnis zu verstehen – nicht als Belohnung oder Bestrafung. Wichtig ist dabei, dem eigenen Körper zu vertrauen, statt ihn kontrollieren zu wollen und sich aus Freude zu bewegen, nicht, um einen Kalorienausgleich zu erzielen. 

Viele Frauen berichten rückblickend, ihr Wohlfühlgewicht erst erreicht zu haben, als sie aufhörten, es kontrollieren zu wollen. Als sie Essen wieder als Nahrung betrachtet hatten – und nicht als Beweis von Disziplin oder Schwäche.  

Ich kann an dieser Stelle auch von meinen persönlichen Erfahrungen sprechen. Als ich selbst versuchte, mich an sämtliche Ernährungsempfehlungen aus dem Lehrbuch zu halten, wog ich so viel wie nie zuvor – und das Gewicht ließ sich trotz aller Bemühungen nicht reduzieren. Erst als ich begann, meinem Körper wieder zu vertrauen, auf seine Signale zu hören und bewusster wahrzunehmen, was mir wirklich guttut, fand ich mein persönliches Wohlfühlgewicht. Dieses halte ich inzwischen seit mehr als 15 Jahren. Heute würde ich sagen: Der Weg zu mehr Leichtigkeit beginnt oft nicht auf dem Teller, sondern im Denken. 

Ratgeber: Wege zurück zu einem entspannten Umgang mit Essen 

Richtung statt Regeln 

Nicht jede Regel, die als gesund gilt, ist auch für jeden Menschen sinnvoll. Ernährungsempfehlungen können zwar eine hilfreiche Orientierung bieten, doch letztlich wissen Sie selbst am besten, was Ihr Körper braucht. Diese Bedürfnisse können sich im Laufe des Lebens, im Jahresverlauf oder auch im Zyklus verändern. Sie müssen daher nicht starren Vorgaben folgen, sondern dürfen sich immer wieder neu an dem orientieren, was Ihnen guttut. 

Bewertung durch Beobachtung ersetzen

Hunger, Sättigung und Appetit sind natürliche Signale des Körpers. Sie wieder wahrzunehmen und richtig einzuordnen, braucht Zeit – kann aber ein wichtiger Schlüssel zu langfristigem Wohlbefinden sein. Achten Sie zudem darauf, wie Sie sich unmittelbar nach dem Essen, eine Stunde später oder nach zwei bis drei Stunden fühlen. Welche Lebensmittel geben Ihnen Energie, fördern Konzentration und Sättigung? Und bei welchen fühlen Sie sich eher müde, energielos oder unwohl? Solche Beobachtungen können wertvolle Hinweise darauf geben, was Ihrem Körper guttut. 

Sprache verändert Haltung 

Begriffe wie „Sünde“, „Cheat Meal“ oder „brav sein“ verleihen dem Essen eine moralische Bewertung. Wer beginnt, neutraler über Ernährung zu sprechen, kann den Druck im Alltag spürbar reduzieren. 

Vergleiche bewusst reduzieren 

Social Media zeigt häufig nur Ausschnitte – trainierte Körper, perfekt arrangierte Bowls und scheinbar disziplinierte Routinen. Bewusste Auszeiten oder das Entfolgen von Accounts, die Druck erzeugen, können entlastend wirken. 

Drei Gedanken für mehr Leichtigkeit

Fokus auf Nährstoffe
Wie lässt sich der Körper bestmöglich mit Nährstoffen versorgen? Indem der Fokus auf dem liegt, was hinzugefügt werden kann – nicht auf dem, was weggelassen werden muss. 

Fokus auf Wohlfühlen
Was brauchen Sie heute, um sich gut zu fühlen und voller Energie zu sein? 

Fokus auf Liebe
Wie können Sie liebevoller über Ihren Körper sprechen und mit ihm umgehen? Vergessen Sie nicht: Er leistet Unglaubliches! 

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