Nach mehr als 80 Jahren kam ein gestohlener Tisch aus der NS-Zeit zurück in den rechtmäßigen Besitz einer jüdischen Familie. Wie zwei Künstlerinnen damit ihre Familiengeschichte aufarbeiten konnten.
Restitution bedeutet nicht nur, wertvolle Gemälde, die sich Nazi-Eliten einst gewaltsam unter den Nagel gerissen haben, zurückzugeben. Von den Nationalsozialist:innen Verfolgte sind auch im Rahmen wilder Arisierungen von sogenannten einfachen Leuten vieler Alltagsgegenstände beraubt worden. Mit der Rückgabe eines belasteten Möbelstücks hat die Künstlerin Katharina Mayrhofer (38) ein nachhaltiges Zeichen gesetzt und macht damit auch bewusst, wie notwendig es ist, sich für den Erhalt unserer Demokratie einzusetzen.
Ein Möbelstück, das nicht in die Umgebung passte
Im Alter von 18 Jahren entdeckte Katharina Mayrhofer einen schwarzen Tisch auf dem Dachboden des Gasthauses ihrer Familie in Aching, einem kleinen Ortsteil von Braunau. Die junge Bildhauerin, die ihre Ausbildung an der Holzfachschule Hallstatt absolviert hatte, erkannte sofort, dass das außergewöhnliche Stück nicht zum üblichen Mobiliar in ihrem Umfeld gehörte. In der Familie hieß es dazu nur, der Tisch stamme aus dem Schloss Ranshofen.
Das ehemalige Chorherrenstift stand bis zu seiner „Arisierung“ zur Hälfte im Besitz der jüdischen Schwestern Emilie Jellinek, Gabriele Weisweiller und Anna Schiff, alle geborene Wertheimer. In Mayrhofer keimte der Verdacht auf, dass das Möbelstück etwas mit der nationalsozialistischen Gesinnung ihres Urgroßvaters zu tun haben und sich damit zu Unrecht im Besitz ihrer Familie befinden könnte. Der Wunsch, den Tisch zurückzugeben und Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen, sollte sie nicht mehr loslassen.
