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Gemeinsam Schäfchen zählen

Tausche Fünfsternehotel gegen Schafherde: Antonia Kirchsteiger und Michael Pongratz haben sich nach beruflichen Jahren in der gehobenen Hotellerie für ein Leben auf dem Bauernhof entschieden.

Vom Balkon aus blickt man weit in die hügelige Landschaft, die weißen Flecken auf der steilen Wiese erinnern an bauschige Schäfchenwolken, ab und zu ist ein zufriedenes Blöken daraus zu vernehmen. Die „Leitenbauer Schäferei“ in Vorau liegt auf knapp 1.000 Meter Seehöhe inmitten des steirischen Hügellandes. Ein schmucker Hof, umgeben von Streuobstwiesen und Wald, mit Blumen an den Fenstern und einem Kräutergarten vor der Haustür. Das also ist sie, die „Schäferei“, woher das köstliche Lammfleisch stammt, das wir kürzlich auf einem Wiener Markt gekauft haben. Antonia lacht. „Jeder kann zu uns kommen und sehen, wie wir arbeiten.“

EINE HARMONISCHE FAMILIE
Seit zwei Jahren bewirtschaftet die 27-jährige Hotelfachfrau gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Michael den elterlichen Biohof. Inmitten einer idyllischen Landschaft Schafe züchten, hochwertige Lebensmittel produzieren, mit der Natur leben – in vielen Menschen schlummert dieser Wunsch. Die beiden können diesen Traum leben. „Es ist für uns ein Geschenk, das machen zu dürfen, die Freude ist irrsinnig groß.“ Michael widmet sich inzwischen hauptberuflich der Landwirtschaft, während Antonia noch im örtlichen Tourismusbüro arbeitet.

Die Menschen sehnen sich nach der Natur, dem Ursprünglichen.

Brigitte und Anton Kirchsteiger, ­Antonias Eltern, haben die Schafzucht aufgebaut. Zurzeit sind rund 50 Muttertiere, weißgelockte Merinoschafe, zwei Böcke sowie übers Jahr an die 30 Lämmer die Basis der biologischen Landwirtschaft. Zusätzlich werden aus dem Obst der ­alten ­Apfel- und Birnbäume Most und Säfte erzeugt, eine regionale Besonderheit ist die Hirschbirne. Aus Garten- und Wild­kräutern ent­stehen Sirupe, Gewürz- und Tee­mischungen, und jeden Freitag duftet es nach frischem ­Bauernbrot. Der gemauerte Backofen ist so alt wie der vor 15 Jahren nach dem Vorbild des alten Gebäudes neu errichtete Hof. Die Eltern hätten ihr, so Antonia, immer die Wertschätzung für das bäuerliche ­Leben, die Liebe zu den Tieren und die Natur vermittelt.

WOLLE VOM FEINSTEN
Wir leben und arbeiten gemeinsam, wir besprechen alles. Wir packen alle ­gemeinsam an“, beschreibt sie das ge­nerationenübergreifende Teamwork. Das Lammfleisch wird an Restaurants, im Hofladen und auf einem Biomarkt in Wien verkauft. Jeden Samstag fahren die beiden Männer mit Frischfleisch, Würsten und den Hofprodukten in die Bundeshauptstadt, mit im Gepäck sind Schafwollprodukte.
Schafe werden zweimal im Jahr geschoren. Susi, Lucy und die gemütliche Dudel halten brav still, wenn ihnen der Jungbauer in professioneller Manier an die Wolle geht. Ein Teil davon wird direkt am Hof aufbereitet. Die weiche Merino­wolle hat einen hohen Fettgehalt, das ­Lanolin. In vier bis fünf Durchgängen wird die Schurwolle per Hand sorgsam in warmem Wasser gewaschen, anschließend ­getrocknet und zu Vlies kardiert. Direkt auf die Haut gelegt, hat diese „Heilwolle“ bei Verspannungen, Gelenkschmerzen oder Entzündungen eine wohltuende und lindernde Wirkung.
„Die Menschen sehnen sich nach der Natur, dem Ursprünglichen“, weiß das junge Paar. Bei wöchentlichen Hofführungen und Erlebnistagen für Kinder können Groß und Klein das Leben und die Tiere auf dem Bauernhof kennenlernen. Auf dem Leitenbauerhof gibt es auch ein kleines Ferienhaus. Das „Schäferhäuschen“ bietet Platz für bis zu sechs Personen und die Möglichkeit, am Hofleben teilzuhaben, ganz ohne TV und WLAN.

> www.schaeferei.at 

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