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Gehört sich das so?

Ob der Herr der Dame die Tür aufhält und wie man sich bei Tisch benimmt: 
Die guten alten Benimmregeln sind weiterhin aktuell. Man könne es im Umgang damit heute zwar lockerer angehen als früher, wichtiger denn je sei aber der gegenseitige Respekt, meint Tanzlehrer Roman Svabek.

Sie haben ein Buch geschrieben, das den Titel „Küss die Hand“ trägt; ein augenzwinkerndes Update alter Benimmregeln. Wie ernst nehmen Sie denn das Regelwerk des guten Benehmens?
Roman Svabek: Ich differenziere da: Es gibt die Etikette, das Protokoll. Und es gibt das Zwischenmenschliche. Wenn ich mich nur ans Protokoll halte, gehe ich stocksteif durchs Leben. Lege ich etwas Witz darüber, dann gelingt es mir, flexibler auf Situationen zu reagieren. Trotzdem habe ich die Regeln für gutes Benehmen verinnerlicht. So ist das doch bei jedem Thema: Zuerst brauche ich das Wissen, dann kann ich auch etwas verändern.

Was sind für Sie die Benimm­basics, damit zwischenmenschlich alles gut läuft?
Das Wissen darüber, wie ich jemanden anspreche und eine Unterhaltung führe. Den anderen in seinem Da-Sein zu akzeptieren. Versuchen, ihm höflich zu begegnen. Damit meine ich nicht vorurteilsfrei. Niemand ist ohne Vorurteile, das ist eine Illusion. Eine wichtige Grundregel ist auch, andere nicht dumm dastehen zu lassen. Selbst wenn ich befinde, dass die oder der andere sich eigenartig verhält. Eine offene Haltung ist immer hilfreich. Es gibt auch andere Meinungen, das sollte man akzeptieren.

Sie arbeiten seit 26 Jahren als  Tanz- und Gesellschaftslehrer. Ich kann mir vorstellen, dass sich Ihre TanzschülerInnen von früher  im Benehmen doch sehr von den heutigen unterscheiden.
Das Verhalten hat sich komplett gedreht. Egal aus welcher Bildungsschicht die jungen Leute kommen, sie haben großteils keine Ahnung mehr davon, was Respekt bedeutet, weil ihnen selbst kein Respekt entgegengebracht wird. Sie wachsen auf in einer „Alles-ist-möglich-Welt“. In den ersten Stunden steht bei uns immer der Umgang miteinander auf der Agenda, da ist das Programm etwas intensiver geworden in den letzten Jahren.

Ist das wichtiger als Walzer und Foxtrott?
Ich sehe es schon als wichtige Aufgabe, junge Menschen ans Erwachsensein heranzuführen, gegenseitigen Respekt und Verantwortung für sich und andere zum Thema zu machen. Das mit der Eigenverantwortung ist ja auch so eine Sache. Eltern tun ihrem Nachwuchs nichts Gutes, wenn sie immer alle Hindernisse aus dem Weg räumen. In Wien diskutiert man derzeit, an den Universitäten einen Elternsprechtag einzuführen. So wird das doch nie etwas mit dem Erwachsenwerden!

Lesen Sie das vollständige Interview in der Printausgabe.

Alles Walzer!

Roman Svabek (41) ist seit 2009 Zeremonienmeister des Wiener Opernballs. Auch wenn das in Österreich eine hohe Auszeichnung seiner Kompetenz ist, bleibt Svabek doch pragmatisch: „Wenn das, was ich tue, gut ankommt, dann freut mich das.“ Er selbst wurde als Jugendlicher von seinen Eltern angehalten, die Tanzschule zu besuchen, und ist vom Tanzen nicht mehr losgekommen. Svabek absolvierte Ausbildungen in Stepp- und Balletttanz sowie eine Musicalausbildung und ist diplomierter Tanz- und Gesellschaftslehrer. Mehr als ein Jahrzehnt hat er in der Tanzschule Elmayer in Wien unterrichtet, heute ist er Inhaber der Tanzschule Svabek. Sein Buch „Küss die Hand. Heiteres aus der Welt der Etikette“ ist im Amalthea Verlag erschienen. www.svabek.at

Erschienen in „Welt der Frauen“ 05/18