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11/12/25

Geburt: „Die anstrengendste und schönste Erfahrung“

Geburt: „Die anstrengendste und schönste Erfahrung“
Foto: Yannick Kurzweil
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  • Veröffentlicht: 03.12.2025
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Filmemacherin Judith Langasch hat die Entbindung ihrer Tochter als stärkendes Ereignis erlebt. In ihrem Dokumentarfilm „Reclaim Your Birth" zeichnet sie ein realistisches Bild einer Geburt.

Schwangerschaft und Geburt waren Ereignisse, vor denen ich Angst hatte. Die erste Geburtsgeschichte, die ich gehört habe, war die meiner eigenen Geburt. Ich kam mithilfe der Saugglocke zur Welt – keine schöne Geschichte.

Geburt wird in unserer Gesellschaft oft sehr negativ betrachtet. Im Fernsehen sehen wir Frauen, die, auf dem Rücken liegend, schreiend ihr Kind zur Welt bringen. Da ist ein Arzt, der Retter, der das Kind entbindet. Wo ist die Hebamme, die die Geburt im Normalfall leitet? Wir sollten diese Bilder hinterfragen, überschreiben und Geburt realistisch darstellen: Wie schaut Geburt wirklich aus? Das war auch die Intention meines Dokumentarfilms „Reclaim Your Birth“, für den ich Gynäkologinnen, Ärztinnen, Hebammen und Doulas interviewt habe.

Geburtsvorbereitung als wichtiges Element

Ich habe mich sowohl körperlich als auch mental intensiv auf die Geburt vorbereitet. Ich setzte mich mit meinem Bild von Geburt auseinander, auch mit meinen Ängsten und Bedürfnissen. Wenn Frauen Bescheid wissen, können sie vor und während der Geburt selbstbestimmte Entscheidungen treffen. So kann auch eine schwierige Geburt zu einer positiven, kraftvollen Erfahrung werden.

„Für die Zukunft der Geburtshilfe wünsche ich mir Kommunikation auf Augenhöhe.“
Judith Langasch

Die Geburt meiner Tochter war die anstrengendste und zugleich schönste Erfahrung meines Lebens. Ich hatte Schmerzen, gleichzeitig hatte ich durch das Mentaltraining immer das Gefühl, mit den Schmerzen umgehen zu können. Jede Wehe brachte mich meiner Tochter näher, und ich habe sie dann wirklich in der Badewanne entbunden, wie ich es mir gewünscht hatte.

Für die Zukunft der Geburtshilfe wünsche ich mir Kommunikation auf Augenhöhe, um Frauen nicht das Gefühl zu geben, sie seien kompliziert, wenn sie ihre Wünsche äußern. Die Geburtshilfe sollte Selbstbestimmung und Individualität zulassen – und Gewalt keinen Raum geben. Die Politik sollte dafür die nötigen Mittel zur Verfügung stellen. Das beginnt schon bei der Entlohnung der Hebammen. Man sollte der Geburt jenen Stellenwert geben, den sie verdient.

Julia Langeneder

Redakteurin

in Linz geboren, schon während und nach dem Publizistik- und Französisch-Studium in Salzburg und Paris bei verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen in unterschiedlichen Ressorts, seit 14 Jahren als Redakteurin für Welt der Frauen tätig. Leidenschaft für Familien- und Frauenthemen, Psychologie, Kultur, Nachhaltigkeit und Gesundheit, gerne unterwegs beim Wandern, Radfahren oder mit dem Campingbus.

[email protected]

Foto: Alexandra Grill


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