Blick
ins Heft:
Sprache
04-05/2026

Freiheit schlägt Geld: Teilzeitarbeit aus Überzeugung

Freiheit schlägt Geld: Teilzeitarbeit aus Überzeugung
Foto: Shutterstock
  • Teile mit:
  • Veröffentlicht: 01.05.2025
  • Drucken

Für Anna-Lena Hartmann war die Entscheidung für Teilzeitarbeit eine ganz bewusste. An oberster Stelle stehen für sie Selbstfürsorge, Freude am Tun und Freiheit. Dafür schränkt sie sich gerne ein.

Die gebürtige Deutsche hat in Konstanz Kommunikationsdesign studiert und sich danach Wien als Ort zum Leben ausgesucht – noch bevor sie hier einen Job gefunden hatte. „Ich wollte in die Großstadt, und in deutschen Städten ist Wohnen extrem teuer. Wien ist eine schöne Stadt mit bezahlbaren Mieten.“

Abstriche einkalkuliert

Geplant, getan: Hartmann mietete eine „superbillige Wohnung, die nicht in der schönsten Gegend liegt“ – Abstriche, die sie, wie sie sagt, gern in Kauf nimmt. Angeheuert hat sie dann als Grafikdesignerin in einem Architekturbüro. „Ein ziemlich kreativer Job, das liegt mir, da kann ich mich ein bissl künstlerisch ausleben“, erzählt sie. Freiheiten seien ihr grundsätzlich wichtig, wichtiger als Geld. Deshalb hat sie bei möglichen ArbeitgeberInnen genau darauf geachtet, wer zu ihr passen könnte. „Ich mag Unternehmen, die coole neue Sachen und Innovatives entwickeln, und bin vielseitig interessiert.“ Aus solchen kreativen Jobs würden sich auch Möglichkeiten für Arbeiten ergeben, die sich im Hinblick auf künftige Karriereperspektiven gut im eigenen Portfolio machen.

„Die Freude an dem, was ich tue, steht für mich im Vordergrund.“
Anna-Lena Hartmann

Frei für spontane Jobs

Angefangen hat Hartmann mit 15 Wochenstunden im Architekturbüro, mittlerweile sind es ein paar mehr geworden. „Das passt mir so, die Miete ist abgedeckt und ich kann mir noch was leisten.“ Sich abzurackern, nur um den nächsten Urlaub finanzieren zu können, sei nicht das Richtige für sie. So könne sie frei mit ihrer Zeit umgehen und sei nicht gezwungen, ihren Biorhythmus auszutricksen: „Man muss auf sich selber hören.“ Und zwar kontinuierlich. Freiheit bedeute für sie auch, spontan kleine Jobs annehmen zu können, die sie interessieren, etwa im Kulturbereich, oder sich künstlerisch zu betätigen. „Die Freude an dem, was ich tue, steht für mich im Vordergrund.“ Die Option auf Freiheit nutze sie dann aber gar nicht immer: „Oft genügt das Gefühl, sie sich nehmen zu können.“

Ob sie sich denn keine Sorgen mache, welche Auswirkungen Teilzeitarbeit später einmal auf ihre Pension haben könnte? „Es passiert gerade so viel. Wer kann mir garantieren, dass ich noch Pension kriege?“, fragt sie zurück. Sie lebe lieber im Hier und Jetzt, als sich zu viele Sorgen um die Zukunft zu machen. „Das würde mir nicht guttun.“

Foto: Hartmann

Anna-Lena Hartmann hat in Deutschland Kommunikationsdesign studiert und ist dann nach Wien gezogen. Neben ihrer Arbeit in einem Architekturbüro betätigt sie sich auch künstlerisch, wie man an diesem Selbstporträt sieht.

ABC DER ANGLIZISMEN IN DER ARBEITSWELT

Englisch ist im Berufsalltag allgegenwärtig. Begriffe wie Meeting, Feedback oder Briefing sind aus dem deutschen Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken. Doch nicht alle Ausdrücke sind allgemein bekannt. Eine Liste von A bis Z.

  • ›  Assessment Center: Auswahlverfahren im Bewerbungsprozess
  • ›  Bossing: Mobbing durch den Chef/die Chefin
  • ›  Buddy Punching: Fremdstempeln für Kolleg:innen bei der Arbeitszeiterfassung
  • ›  Come-to-Jesus-Meeting: Standpauke vom Chef oder der Chefin
  • ›  Downshifting: Karriererückschritt
  • ›  Eatthefrog: die schwierigste Aufgabe des Tages am Anfang erledigen
  • ›  FakeWork: Scheinarbeit
  • ›  GapYear: Auszeit nach dem Schulabschluss
  • ›  Hidden Champions: versteckte WeltmarktführerInnen
  • ›  Influencer: Multiplikator:innen in sozialen Netzwerken
  • ›  Job Crafting: Methode, bei der Arbeitnehmer:innen die eigene Arbeit aktiv umgestalten können, um wieder mehr Freude im Job zu haben
  • ›  Keynote Speaker: professionelle/r Vortragsredner:in
  • ›  Leadership: Führung, die begeistert
    • ›  Quiet Quitting: Vorgesetzte kündigen Mitarbeiter:innen nicht offiziell, sondern wollen sie unter anderem durch Ausgrenzung zum Kündigen bewegen.
    • ›  Robot Recruiting: Einsatz von Algorithmen, Programmen und KI im Auswahlprozess von Unternehmen
    • ›  Remote Work: ortsunabhängiges Arbeiten
    • ›  Reverse Mentoring: Jung coacht Alt
    • ›  Straining: Mobbing durch Langeweile und Aufgabenentzug
    • ›  Singletasking: eins nach dem anderen erledigen
    • ›  Top Skills: gefragte Fähigkeiten
    • ›  Underdog-Effekt: Trittein, wenn die Masse mit dem/der AußenseiterIn sympathisiert statt mit dem/der offensichtlichen GewinnerIn.
    • ›  Vision Board: Zielcollage
    • ›  Work-Life-Balance: Gleichgewicht
      • ›  Mission Statement: Unternehmensleitbild
      • ›  Namedropping: Scheinbar beiläufiges Erwähnen prominenter Namen oder hochgestellter Persönlichkeiten, um sich selbst aufzuwerten
      • ›  Onboarding: Einarbeitung
      • ›  Patchwork-Jobs: mehrere Jobs oder Projekte gleichzeitig machen zwischen Arbeit und Leben
    • ›  Workaholic: jemand mit Arbeitssucht
    • ›  X-Y-Theorie: Führungstheorie, die die MitarbeiterInnen in X (faul und träge) und Y (engagiert und motiviert) kategorisiert
    • ›  Young Professionals: junge, qualifizierte Mitarbeiter:innen mit ersten Erfahrungen
    • ›  Zoom Fatigue: Müdigkeit in VideomeetingsQuellen: Karrierebibel.de, persomatch.de, glowcoaching.de

     

Post aus der Redaktion

Mit unserem Newsletter bekommen Sie regelmäßig Einblicke hinter die Kulissen, persönliche Empfehlungen und das Beste aus der Redaktion direkt in Ihr Postfach.

Jetzt abonnieren