Krieg zeigt sich nicht nur an der Front, sondern vor allem in den Lebensrealitäten dahinter. Warum er noch immer als männliche Erfahrung erzählt wird – und was der Blick auf die Ukraine darüber verrät.
Wenn wir an Krieg denken, denken wir meist an Männer. An Soldaten. An Helme, Waffen, Frontverläufe. An Männer, die kämpfen – Männer, die sterben – Männer, die fliehen. Krieg ist in unseren Köpfen bis heute eng mit Männlichkeit verbunden. Dabei ist das nur ein Teil der Geschichte.
Denn die Auswirkungen von Kriegen enden nie an der Front. Sie reichen bis in Küchen ohne Strom, in Schutzräume, in überfüllte Wohnungen, in Krankenhäuser, in Schulen, in Fluchtrouten, in Ämter, in Körper. Sie treffen Frauen als Mütter, Versorgerinnen, Angehörige, Geflüchtete, Aktivistinnen, Soldatinnen, Helferinnen und als Betroffene sexualisierter Gewalt. Krieg wird auch auf ihren Rücken, in ihrem Alltag und an ihren Körpern ausgetragen. Weltweit leben mehr als 670 Millionen Frauen in einem Umkreis von 50 Kilometern um eine Konfliktzone – mehr als doppelt so viele wie in den 1990er-Jahren, so die Hilfsorganisation CARE. Entgegen verbreiteter Vorstellungen sind Frauen in Krisensituationen nicht unsichtbar oder vor allem Opfer, sondern nehmen aktiv führende Positionen ein und treiben den Wiederaufbau voran.
Der Alltag des Krieges
Wie sehr Krieg den Alltag von Frauen verschiebt, weiß die ukrainische Juristin und Menschenrechtsverteidigerin Yaryna Voloshyn. Frauen hätten schon davor den Großteil der Care-Arbeit getragen, betont sie. Durch die verpflichtende Mobilisierung vieler Männer sei diese Last aber noch einmal größer geworden.
