Wie wichtig finanzielle Unabhängigkeit, Vorsorge und Pensionssplitting sind, stand am 12. November in Leonding im Mittelpunkt unserer Veranstaltungsreihe „Frauen & Geld – zwei, die zusammengehören“.
Der Blick auf das eigene Pensionskonto lässt viele Frauen mit Staunen zurück. Das war auch bei der Eingangsfrage von Moderatorin Birgit Brunsteiner an das Publikum bei der gestrigen Veranstaltung in Leonding zu spüren. Das Event war das dritte und letzte aus der Veranstaltungsreihe „Frauen & Geld – zwei, die zusammengehören“ und ging im Doppl:Punkt über die Bühne.
Schuld an der Lücke im Pensionskonto ist unter anderem die Teilzeitarbeit, zu der viele Frauen aufgrund von Familie und Kindern längerfristig verpflichtet sind. Entsprechend bleibt die Freude über die letztliche Summe oft aus. Laut einer aktuellen Studie wird finanzielle Vorsorge zwar weiterhin als wesentlich erachtet, ein Drittel der Frauen in Österreich gibt allerdings an, zu wenig Geld dafür aufbringen zu können.
Wie wichtig aber die finanzielle Vorsorge im Hinblick auf die eigene Unabhängigkeit ist, betonte auch Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander in ihrer Eingangsrede: „Es ist wichtig, dass Frauen laut, stark und unabhängig sind“, so die Gastgeberin des Abends. Die Veranstaltungsreihe entstand in Kooperation mit dem Land Oberösterreich, „Welt der Frauen“ und der Katholischen Frauenbewegung OÖ, um Frauen zu informieren und zu stärken.
Die Katholische Frauenbewegung unterstützt Frauen seit den 1970er-Jahren mit einem Sozialfonds. „Bei diesen Anträgen können wir eine Zunahme feststellen“, berichtete Michaela Leppen, Leiterin der Katholischen Frauenbewegung OÖ, auf der Bühne. „Viele Frauen meinen, dass sie gut abgesichert sind. Durch Trennung, Scheidung oder Krankheit kommen sie aber manchmal in Situationen, aus denen sie es alleine nicht mehr herausschaffen.“
„Welt der Frauen“ ist es wichtig, dass Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen können und dazu gehört eben auch das Thema Finanzen. Chefredakteurin der Print-Ausgabe, Melanie Wagenhofer, betont, dass finanzielle Bildung alle Altersgruppen betreffe: „Im Leben jeder Frau gibt es Wendepunkte, an denen das Thema Finanzen eine wichtige Rolle spielt – etwa, wenn ein Kind unterwegs ist oder wenn es um die Pensionsvorsorge geht.“
Es gäbe in Österreich sehr viele Beratungsangebote, die leider nicht oder zu spät genutzt werden würden, betonte die Rechtsberaterin Andrea Jobst-Hausleitner vom Autonomen Frauenzentrum Linz. „Seit 2005 gibt es die Möglichkeit des Pensionssplittings und doch ist es vielen kein Begriff“, erklärte die Juristin auf der Bühne. Dabei wird die Pensionsgutschrift in den Jahren der Kindererziehung zwischen den Partner:innen aufgeteilt. Zwar hätten viele schon einmal auf ihr eigenes Pensionskonto geschaut, meint Jobst-Hausleitner, das ihres Partners oder ihrer Partnerin würden jedoch die wenigsten kennen.
So war auch die gemeinsame Kontoführung immer wieder Thema bei den Fachimpulsen. Janine Kohl-Peterke von der Sparkasse Oberösterreich, beantwortete die Frage, ob ein eigenes oder gemeinsames Konto in Partnerschaften mehr Vorteile bringen würde mit: „Beides ist wichtig. Für gemeinsame Ausgaben sollte ein bestimmter Festbetrag beider Partner:innen rausgehen, um die gemeinsamen Kosten zu decken.“
Beim gemeinsamen Konto sollten beide Partner:innen zeichnungsberechtigt sein, betonte auch die Verhandlungsexpertin Ingeborg Rauchberger, die mit einer persönlichen Geschichte für viel Rührung im Publikum sorgte. Im Alter von 27 Jahren erfuhr sie während ihrer Schwangerschaft vom Gehirntumor ihres Ehemannes. Dieser Schicksalsschlag hätte ihr gezeigt, wie wichtig es sei, sehr früh in der Partnerschaft über Finanzen zu sprechen. Mit ihrem Optimismus und Humor sorgte sie aber auch für einige Lacher. Anhand des Beispiels von Karl, einem fiktiven Ehemann, brachte sie den Besucher:innen näher, wie man auf Augenhöhe über Finanzen sprechen könnte. „Wenn ihr Ehemann nicht Karl heißt, ändern Sie gerne den Namen“, gibt sie den Besucher:innen mit.
Wie wichtig die finanzielle Vorsorge in unterschiedlichen Lebensgemeinschaften ist, war auch im Vortrag von Notarin Birgit Mohr großes Thema. Sie klärte über Mythen im Erbrecht auf, denn Misinformation hole leider viele Frauen in einer der sensibelsten Phasen ihres Lebens ein, so die Notarin – nämlich, wenn der oder die Partner:in verstirbt.
„Beim Thema Finanzen sollte man sich in erster Linie auf sich selbst verlassen – nicht auf den Partner oder die Partnerin“, betonte auch Katrin Hartl von der Oberösterreichischen Versicherung. „Als Personalistin erlebe ich immer wieder, dass viele nach einer Trennung oder Scheidung feststellen, dass sie finanziell doch nicht so gut abgesichert sind, wie sie dachten.“
Dazwischen wurde der Abend musikalisch von Sängerin Katharina Straßer begleitet. Mit einem Medley bekannter Austropop-Songs mit eigenem Text sorgte sie für gute Unterhaltung.
Moderatorin Birgit Brunsteiner holte am Ende der Veranstaltung die drei Gewinnerinnen unseres Gewinnspiels aus dem Publikum auf die Bühne, die ein klares Fazit zogen: Der Abend sei informativ, unterhaltend und gleichzeitig augenöffnend gewesen, so die Besucherinnen. Sie würden bestärkt, aber auch mit einigen neuen To Dos auf ihrer Liste nach Hause gehen.
„Ich habe den Eindruck, dass sich jede Frau etwas anderes mitnehmen konnte – etwa zu ihren Möglichkeiten oder ihren Rechten, sodass sie auch in herausfordernden Lebenslagen selbstbewusst ihren Weg gehen kann“, lautet das Fazit von Beate Zechmeister, Leiterin des Frauenreferats Oberösterreich.
Die Veranstaltung in Leonding zum Thema „Frauen & Geld“ war die letzte aus dieser Reihe. Im Jahr 2025 tourten wir gemeinsam mit dem Land Oberösterreich und der Katholischen Frauenbewegung OÖ durch das ganze Bundesland. Wir danken allen Expertinnen für den Einsatz und den Besucher:innen für die zahlreiche Teilnahme.