Ob auf diplomatischem Parkett oder als Einsiedlerin auf einer Sandinsel: Elisabeth Mann Borgese und Zoe Lucas zeigen, wie Leidenschaft und Beharrlichkeit die Weltmeere schützen können.
Engagement für die Weltmeere
Thomas Manns Tochter Elisabeth Mann Borgese (1918–2002), eine ausgebildete Musiklehrerin und große Liebhaberin von Settern, denen sie sogar das Klavierspielen beibrachte, setzte sich schon als junge Frau für Frieden und den Schutz der Demokratie ein. Ihre Bemühungen um eine internationale Verfassung fanden im Einsatz für die Weltmeere erfolgreich Anwendung. Diese Vision verfolgte sie gemeinsam mit ihrem Mann Giuseppe Antonio Borgese und stellte dafür ihr Leben lang andere Pläne zurück. Was zunächst dem Weltfrieden dienen sollte, fand schließlich im Einsatz für die Ozeane seine erfolgreichste Anwendung.
Nachdem sie 1938 in die USA emigriert war, wurde Elisabeth Mann Borgese mit nur 32 Jahren zur Präsidentin der International Organisation of World Federalists gewählt, gab die politisch-wissenschaftliche Zeitschrift „Common Cause“ heraus und leitete später in Italien gleich mehrere Kulturmagazine.
Den entscheidenden Anstoß für ihr Lebenswerk erhielt sie 1967: Der Brief eines Unbekannten machte sie auf die dramatische Lage der Meere aufmerksam. Im selben Jahr hörte Elisabeth Mann Borgese eine Rede des maltesischen UN-Botschafters Arvid Pardo, der die Ozeane als gemeinsames Erbe der Menschheit bezeichnete und ihren Schutz vor Verschmutzung, Ausbeutung und Überfischung forderte. Sofort erkannte sie die Tragweite dieser Idee: Mit einer kleinen Gruppe an Mitarbeitenden gründete die Aktivistin eine internationale Konferenz auf Malta und lieferte mit ihren Vorarbeiten, Schriften und weltweiten Kontakten die Grundlage für das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen von 1994.
Als Schriftstellerin lieferte Elisabeth Mann Borgese ein dystopisches Bild von der Welt, ihr politisches Engagement war stets vom ihr unbedingt notwendig erscheinenden Optimismus getragen.
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In der Sommerausgabe von „Welt der Frauen“ finden Sie sieben weitere Heldinnen der Meere. Den Beitrag können Sie jetzt auch online lesen – unter diesem Link.
Mrs. Robinson im Westatlantik
Seit mehr als 45 Jahren erforscht die Kanadierin Zoe Lucas (76) den Kreislauf des Lebens auf einer unbewohnten Insel. Jedes Jahr verbringt sie dafür acht Monate als Einsiedlerin, quasi als Mrs. Robinson, auf Sable Island, einer schmalen Sandinsel vor der kanadischen Atlantikküste, wo sie wilde Pferde, Kegelrobben, Pflanzen und Insekten ebenso aufmerksam beobachtet, wie den Müll, den die Meeresströmungen an Land spülen.
Dabei hatte alles mit einem Zufall begonnen: 1971 ergatterte die damalige Kunst- und Designstudentin einen Platz in einem Wasserflugzeug voller Journalist:innen, das Richtung Sable Island abhob. Kaum hatte sie die Insel betreten, war sie von der kargen Landschaft ergriffen. Drei Jahre später gelang es ihr, an ihren Sehnsuchtsort zurückzukehren – als Köchin eines Robbenforschungsprojekts, wobei sie schnell als Helferin der Forschenden auf der Insel tätig wurde. In den nächsten zehn Jahren fanden sich rund 300 Kilogramm Pferdemist unter ihrem Mikroskop wieder. Lucas dokumentierte zudem die langsame Zersetzung zweier gestrandeter Wale und erfasste akribisch den angeschwemmten Müll, um nur einige Beispiele für ihr Engagement zu nennen. Rund acht Tonnen landeten damals jährlich auf Sable Island. 2002 gründete Lucas die Green Horse Society, um die Forschung auf der Insel dauerhaft zu sichern. Dass diese 2013 zum Nationalpark erklärt wurde, ist nicht zuletzt ihrem jahrzehntelangen Einsatz zu verdanken.
Buch zum Thema
Kerstin Ehmer erzählt im Buch „Heldinnen der Meere“ die Lebensgeschichten von 16 Frauen, darunter zahlreiche historische Persönlichkeiten sowie Figuren aus der Mythologie.
